Die Geschichte
der evangelischen Kirchengemeinde zu Vohwinkel.

(Nach dem „Lagerbuch“ der evgl. Gemeinde Vohwinkels.)

Auf den Zusammenhang mit Sonnborn ist bereits durch die kirchengeschichtlichen Zahlen hingewiesen.

Als man am 25. August 1879 im Sonnborner Presbyterium wieder einmal über die Umwandlung der Hilfspredigerstelle in eine zweite Pfarrstelle verhandelte, wurde von einigen Aeltesten beantragt, den zweiten Pfarrer anzuweisen, seinen Wohnsitz in Vohwinkel zu nehmen. Die Repräsentation verwarf noch an demselben Tag den Antrag, dennoch war der Wunsch öffentlich geäußert und nicht mehr stille zu bekommen. Deshalb legten sogleich einige Vohwinkeler Protest bei dem Kgl. Konsistorium gegen den Beschluß der Repräsentation ein.

(Nebenbemerkung): Vohwinkel war am 1. September 1867 der selbständig gemachten Bürgermeisterei Sonnborn zugewiesen worden und seitdem größer und größer geworden. 1888 wurde Vohwinkel selbständige Landbürgermeisterei, vergl. den folgenden Abschnitt 9.

Schon in der Sitzung der größeren Gemeindevertretung Sonnborns am 7. November 1879 erklärte sich der weitschauende Superintendent Plümacher ebenfalls für den Vohwinkeler Antrag, was er auch dem Konsistorium mitgeteilt hätte, und machte einen Vermittelungsvorschlag, daß der neue zweite Pfarrer mit der berufsmäßigen Bedingung anzustellen sei, einstweilen in Sonnborn seinen Wohnsitz zu nehmen, später aber nach Vohwinkel überzusiedeln. Auch dieser Vorschlag wurde mit 25 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Am 13. Februar 1880 wurde der Kandidat Klug zum Hilfsprediger in Aussicht genommen. Die Vohwinkeler protestierten erneut. Der erste Erfolg zeigte sich am 9. März 1880, als das Sonnborner Presbyterium einen Zusatz zur Berufsurkunde des neuen Pfarrers beschloß: „Alle drei Wochen, also jedesmal am 3. Sonntag, soll in der Schule zu Vohwinkel ein Vormittagsgottesdienst gehalten werden, in dem der Hilfsprediger oder, wenn der Pfarrer es wünscht, dieser mit jenem abwechselnd, die Predigt zu halten hat.“ Ferner soll der Hilfsprediger zwei Katechumenenklassen, die eine in Sonnborn, die andere in der Schule zu Vohwinkel in je 2 Stunden wöchentlich unterrichten. Endlich wurde noch ein zweiter Zusatz beschlossen: „Sollte die Repräsentation später einmal eine Einteilung der Gemeinde in Seelsorge; oder Parochialbezirke beschließen, so hat der Hilfsprediger sich dieser Anordnung zu unterziehen, auch eine Verlegung des Wohnsitzes, falls solches gewünscht wird, sich gefallen zu lassen.“ Der Beschluß des Presbyteriums wurde vom Konsistorium in allen Punkten unter dem 31. März 1880 genehmigt. Da erhob die Repräsentation Einspruch, weil der Beschluß ohne sie gefaßt worden war. Konsistorium verfügte, daß es mit Rücksicht auf die mit Majorität gefaßte Entschließung der Repräsentation beim alten bleiben sollte, behielt sich aber vor, bei der Bestätigung der Berufung jeder Zeit von aufsichtswegen die nach Maßgabe der kirchlichen Bedürfnisse der Gemeinde erforderlichen Modifikationen eintreten zu lassen.

Der Hilfsprediger Klug wurde gewählt, lehnte die Wahl ab. Die Sache ging weiter. Da gab am 11. Februar 1881 der Präses der Repräsentation bekannt, daß unter dem 6. Februar der evangelische Oberkirchenrat die Umwandlung der Hilfspredigerstelle in Sonnborn in eine Pfarrstelle genehmigt habe und dazu jene Zusätze vom 9. März 1880 zur Berufungsurkunde des neuen Geistlichen. Die Majorität weigerte sich, der oberkirchlichen Entscheidung Folge zu leisten, versagte Ausschreibung der zweiten Stelle und die Mittel für sie, wollte als Interimistikum wieder einen Hilfsprediger haben. In der Repräsentantenversammlung vom 25. Februar 1881 gaben 5 Vohwinkeler Repräsentanten und 2 Vohwinkeler Presbyter zu Protokoll:

„Die Bewohner Vohwinkels haben seit Jahren den Wunsch gehabt, in der Fürsorge für ihre kirchlichen Bedürfnisse besser als bisher berücksichtigt zu werden. Dieser Wunsch ist nach erfolgter Prüfung in allen Instanzen, endgültig durch Bescheid des Oberkirchenrates erfüllt worden. Wir holten deshalb das Presbyterium und die Repräsentation von Sonnborn nicht für befugt, irgend welche Beschlüsse zu fassen, welche mit den getroffenen in Widerspruch stehn.“ Dagegen legte die Majorität in einem Beschluß dar, daß ein Bedürfnis besonderer pastoraler Pflege für Vohwinkel nicht vorliege. Vohwinkel, obgleich Sitz des Landratsamtes (seit 1877), sei als Ort sehr unbedeutend; der frühere Regierungspräsident, jetzige Minister Bitter, habe einmal geäußert: „Einen Ort Vohwinkel finde ich nicht, wohl eine Reihe Wirtshäuser.“ Nicht für Vohwinkel, sondern für Sonnborn sei die Abhaltung besonderer Gottesdienste nötig, darum verlange die Repräsentation den neuen Pfarrer ganz für Sonnborn.

Man sollte annehmen, daß sich eine Repräsentation in dem Gehorsam gegen die verordnete Obrigkeit üben möchte, andererseits, daß diese Obrigkeit den Gehorsam erzwingen würde. Nichts von beidem! Die „Verhandlungen“ laufen fort.

Die Obersonnborner mischen sich ein. In einer Eingabe vom 23. Juni 1881 an den Oberkirchenrat beantragen sie die Abtrennung Vohwinkels und ihre eigene von Sonnborn. — Der Landrat von Estorff aus Vohwinkel greift ein. Er hält am 27. Juli 1881 vertrauliche Besprechungen mit dem Sonnborner Presbyterium über die Abtrennung Vohwinkels. Vergebens. Das Konsistorium veranlaßt den Landrat am 29. Oktober 1881, eine nochmalige vertrauliche Vorberatung zu veranstalten. Hierüber berichtet der Landrat: „Die Ortschaft Vohwinkel ist an Zahl groß, aber weder an Steuerkraft noch an allgemeinem Interesse für kirchliche Fragen. Einzelne Personen stehen der Kirche sehr nahe, und sie sind es, die in erster Linie über die kirchlichen Zustände in Vohwinkel bekümmert auf Besserung hingearbeitet haben. Daraus folgt keineswegs, daß die Eingesessenen des Ortes im allgemeinen zu Opfern für die Kirche bereit seien, es ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Die große Masse steht der Kirche fern, und diejenigen, welche das Bedürfnis nach geistlicher Nahrung empfinden, fallen der Sektierern anheim. Bei den übrigen werden die traurigen Zustände noch schlechter werden. Dafür sorgen schon die zahlreichen Wirtschaften.“ Nachdem am 10. November 1881 eine Versammlung auf dem Landratsamte stattgefunden hatte, kann das Konsistorium vorschlagen, Sonnborn verzichte auf die seitens der Vohwinkeler Gemeindeglieder aufzubringende Kirchensteuer bezw. stelle sie zur Errichtung eines Pfarrvikariats in Vohwinkel als Anbahnung der Bildung einer selbständigen Gemeinde zur Verfügung. Daraufhin gab der Beschluß der Repräsentation vom 7. Dezember 1881 solchen Verzicht kund für die Zeit, sobald und solange ein Pfarrvikariat in Vohwinkel errichtet wird und besteht, bezw. bis die Vohwinkeler Kirchengemeinde so weit konstituiert ist, daß sie das Recht hat, selbst Kirchsteuer in ihrem Bezirk zu erheben.

Der Verzicht geschah unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß die Gemeinde Sonnborn von allen Verbindlichkeiten und Verpflichtungen den bisherigen in Vohwinkel wohnenden Gemeindegliedern gegenüber für alle Zukunft entbunden bleibt und die jetzigen Schulgrenzen innegehalten werden. Auch wurde denjenigen Gemeindegliedern, welche, in dem neu zu bildenden Pfarrbezirk wohnend, doch bei Sonnborn verbleiben wollten, auch wenn die Gemeinde konstituiert wird, das Recht vorbehalten, ihre Kirchensteuer nach Sonnborn zu zahlen und sich von Sonnborn pastorieren zu lassen. Der Beschluß war mit 21 gegen 11 Stimmen angenommen worden.

Infolgedessen wurde am 26. Januar 1882 ein provisorischer Kirchenvorstand in Vohwinkel gewählt. Von da begann die wenn auch langsame, doch stete Entwicklung der Vohwinkeler evangelischen Gemeinde.

Als der Oberkirchenrat unter dem 16. Juni 1882 die Errichtung eines Pfarrvikariats genehmigt und auch für fünf Jahre einen Zuschuß zum Gehalt des Vikars im Betrage von 600 Mk. bewilligt hatte, trat am 30. Juni 1882 der Predigtamtskandidat Wilhelm Sengelmann aus Kettwig a. R. im Auftrage der Pastoral-Hilfsgesellschaft als Vikar in die Gemeinde Vohwinkel ein. Als gottesdienstliches Lokal sowie zur Wohnung des neuen Vikars wurden von der Gemeinde einige Räume im Wülfingschen Hause an der Kaiserstraße (später Wirtschaft Dörner) angemietet. Unter der treuen Arbeit des Pastors Sengelmann erstarkte die Gemeinde, die zur Zeit der Abtrennung von Sonnborn etwa 1900 Seelen zählte, innerlich und äußerlich.

Mit Eifer wurde in ihr für den Bau von Kirche und Pfarrhaus gesammelt. Auf diese Weise kamen im Laufe von sechs Jahren etwa 16000 Mk. zusammen. Eine Kirchen- und Hauskollekte im Jahre 1884 ergab einen Betrag von rund 20000 Mk. Von der Provinzialsynode d. Js. empfing die Gemeinde die „große Gabe“ von 3000 Mk., von späteren Synoden noch mehrere kleinere Gaben. Endlich, im Jahre 1885, konnte an die Selbständigmachung der Gemeinde gedacht werden. Zu diesem Zweck fanden Verhandlungen mit Sonnborn statt, in denen die Bedingungen der Lostrennung von der Muttergemeinde und die Abgrenzung der neu zu bildenden Gemeinde Vohwinkel festgestellt, der Bau einer Kirche und eines Pfarrhauses in Vohwinkel beraten, der Ankauf des jetzigen Kirchenplatzes genehmigt und vor allem beschlossen wurde, die weitere Hilfe der staatlichen und kirchlichen Behörden anzurufen.

Die Erektionsurkunde, die Vohwinkel zu einer selbständigen Pfarrgemeinde erhebt, datierte vom 31. Mai 1886. Die Repräsentation (24 Mitglieder) und das Presbyterium wurden gebildet. Da — ging Pfarrer Sengelmann nach Dhünn (August 1886).

Schon am 7. November desselben Jahres 1886 wurde von dem vorher genannten Superintendent Plümacher der Predigtamtskandidat Hosse zum Vikar von Vohwinkel ernannt, ordiniert und eingeführt.

Bei der Gründung der Kirchengemeinde Vohwinkel im Jahre 1886 besaß die Gemeinde noch kein größeres Gemeindehaus, es war nur ein kleines Gebäude an der Friedrichstraße Nr. 18, ursprünglich für eine Kleinkinderschule bestimmt, vorhanden, das auch zu Vereinszwecken diente. Dieses Gebäude erfuhr eine Erweiterung, so daß ein größerer Raum gewonnen wurde, in welchem in Ermangelung einer Kirche Gottesdienst stattfinden konnte. Es wurde in diesem Raume von 1887 bis zur Fertigstellung der Kirche, November 1890, Gottesdienst gehalten.

Neue Mittel fließen dem Kirchenfonds 1889 zu, 9000 Mk. aus dem landeskirchlichen Kollektenfonds, 8000 Mk. als Königl. Gnadengeschenk.

Sonst ist das Jahr 1889 in der Geschichte der evangel. Kirche wenig erfreulich. Innerhalb der Gemeinde entstanden allerhand Streitigkeiten, die sich auch in einem heftigen Wahlkampf äußerten und zur Vergrößerung der Repräsentation auf 40 Mitglieder führten. Pastor Hosse trat vom Amte hierselbst ab und übernahm das Amt an der lutherischen Gemeinde in Ronsdorf. Es folgte eine halbjährige Vakanz. Und gerade während dieser pfarrerlosen Zeit wurde am 25. Juli 1889 der Grundstein der Kirche gelegt. Der Himmel „weinte“ dazu in Strömen.

Am 1. Oktober 1889 übernahm Hilfsprediger August Exner das hiesige evangelische Pfarramt. Bessere Zeiten traten ein. Am 3. Mai 1890 wurde der Friedhof bei Gelegenheit der ersten Beerdigung geweiht. Bisher waren alle Leichen nach Sonnborn gebracht worden. Während des Sommers desselben Jahres begann man mit dem Pfarrhausbau, das im Juni 1891 fertiggestellt und von dem inzwischen zum Pfarrer erhobenen Geistlichen Exner bezogen wurde. Am 7. November 1890 war die Einweihung der neuen Kirche durch Generalsuperintendent Dr. Baur. Es nahmen außerdem teil der Präses der Provinzialsynode, der Superintendent Plümacher, der nunmehrige Oberpräsidialrat Freiherr von Estorff, der als hiesiger Landrat vormals so eifrig für eine Gründung der Vohwinkeler Kirchengemeinde gewirkt hatte. In der Freude, endlich die Kirche zu besitzen, spendeten Gemeindemitglieder über 6000 Mk. für Glocken, Orgel u. a. Auswärtige Gaben liefen ebenfalls ein. Nur die von der Muttergemeinde Sonnborn angebotene Gabe wurde dankend abgelehnt. — Der Kirchplatz mit der Kirche ist 25 a 55,77 qm groß. Die Kirche ist massiv in Ziegelsteinen unter einem Schieferdach aufgeführt, 32,12 m lang und 14,54 m breit. Das evangelische Vereinshausgrundstück umfaßt 18 a 87 qm. Für den Friedhof waren anfänglich 2 ha 8 ar vorgesehen. Pfarrhaus und -garten messen 5 ar 39 qm. Und die Gemeinde wuchs, so daß eine Gemeindeschwester zur Pflege der Kranken angestellt werden mußte (1893). Die Mittel wurden durch freiwillige Geschenke aufgebracht. Das Gemeindehaus erfuhr 1894 einen Erweiterungsbau, der die Gemeindeschwester, den Hilfsprediger und den Konfirmandensaal aufzunehmen bestimmt war.

Am 1. September 1896 trat Kandidat Rudolf Mauritz als Hilfsgeistlicher ein wegen der zahlreichen außerkirchlichen Gemeinschaften und in Hinsicht auf die Zunahme der Gemeinde an sich, die 1897 durch die Evangelischen von Simonshaus, Porten, Höhe u. s. f. (bisher Haan) noch besonders vergrößert wurde.

Im Jahre 1900 wurde das als Gemeindehaus benutzte Gebäude an der Friedrichstraße veräußert und der Bau des Gemeindehauses an der Solinger Straße in Angriff genommen. Die Einweihung fand am 4. August 1901 statt. In diesem Gemeindehaus fanden von da an die verschiedenen kirchlichen Vereine Aufnahme. Es dient auch heute noch zur Abhaltung von Bibelstunden und sonstigen kirchlichen Veranstaltungen. Es enthält eine Küsterwohnung wie auch Wohnung für die Gemeindeschwester.

Unter dem nachfolgenden Pastor Albert Liesegang, seit 15. August 1901, wird die Hilfsstelle in eine zweite Pfarrstelle umgewandelt, am 1. Februar 1907, und ihr Inhaber zum gleichberechtigten zweiten Geistlichen gewählt.

Dem Pfarrer Exner, der hier 1905 im Amte starb, folgte am 1. Juli 1906 Pfarrer Schmidt, der nach noch nicht zehnjähriger Tätigkeit am 19. November 1915 ebenfalls aus diesem Leben und Amte abberufen wurde. Nach einer Vakanz wurde Pastor H. Trummel gewählt, der am 18. September 1916 sein Amt antrat und bis 1924 verwaltete. Die Pastoren Schmidt, Trummel und Liesegang waren die Geistlichen, die der Gemeinde während der schweren und harten Kriegszeit tröstend, helfend, glaubend zur Seite gestanden haben. Als Pastor Liesegang am 16. Dezember 1921 gestorben war und Pastor Trummel 1924 die hiesige Stelle gegen die in Beyenburg eingetauscht hatte, ist an des Ersteren Stelle zunächst Pfarrer Adolf Diederich (am 5. November 1924 berufen nach Essen a./R.), dann Frühjahr 1925 Pfarrer Friedrich Mummenhoff gewählt und an des Letzteren Stelle Pfarrer Dr. Thumm gesetzt.

Wie unter den Geistlichen war auch in der Gemeinde Jahr für Jahr bis zu dem Höhepunkt des Krieges ein großes Sterben. Die Gemeindevertretung sah ein, daß der Friedhof bald nicht mehr ausreichen würde. Sie nahm nach Kriegsende 1914 eine günstige Gelegenheit wahr und kaufte ein anschließendes Stück von 2 1/2 ha hinzu und ging daran, einen Waldfriedhof einzurichten, und will endlich eine stattliche, stimmungsvolle Friedhofskapelle erbauen.

Ein besonderes Ereignis erlebte die evangelische Kirchengemeinde Vohwinkels, als am 14. November 1925 die neuen Kirchenglocken zu ihrem Platz eingeholt wurden, fast ein Jahrzehnt, nachdem die alten Glocken der Kriegsnot des Vaterlandes geopfert waren. Die größte, die b Glocke, hat einen Durchmesser von 180 cm und wiegt 64 Ztr. Sie trägt die Inschrift: „Seid fröhlich in Hoffnung. Der Krieg schlug mich nieder, die Liebe schuf mich wieder“.

Die mittlere, die c-Glocke, mißt 160 cm Durchmesser, hat ein Gewicht von 44 Ztr. und die Inschrift: „Seid geduldig in Trübsal“. Die dritte, die d-Glocke weist einen Durchmesser von 140 cm auf, wiegt 32 Ztr. und hat die Inschrift: „Haltet an am Gebet“. Gegossen waren sie in der Glockengießerei F. W. Rinker in Sinn (Dillkreis). Eine außerordentlich zahlreiche Festmenge begleitete den Zug. Die katholischen Schwesterglocken begrüßten mit warmem Klang die jüngeren Geschwister, und die kleine Glocke der evangelischen Kirche sang ihr Begrüßungs- und Abschiedslied den großen Nachfolgerinnen entgegen. Nach oben lenkte der Pastor Blick und Herz der Teilnehmenden, nach oben fuhren die Glocken, des ewigen Weltenlenkers Lob und Preis und Ruhm hinzutönen über die des äußeren und inneren Friedens ach so bedürfende Menschheit und Lande!

Den letzten Fortschritt der evangel. Gemeinde brachte 1928 der Erwerb des Grundstücks Kirchstr.12 mit Garten, das für den zweiten Geistlichen, das Gemeindeamt, die Vereine und die Kleinkinderschule hergerichtet worden ist.

Zur Geschichte der evangelischen kirchlichen Vereine.

Evgl. Männer- und Jünglingsverein, gegr. Februar 1884. § 2 der Satzungen: „Die christlichen Jungmännervereine haben das Ziel, junge Männer miteinander zu verbinden, die Jesus Christus nach der Heiligen Schrift als ihren Gott und Heiland anerkennen, in ihrem Glauben und Leben seine Jünger sein und gemeinsam danach trachten wollen, das Reich ihres Meisters unter den jungen Männern auszubreiten.“ (Pariser Basis von 1855.) Unterabteilungen: Männerabteilung, Jungmännerabteilung, Jugendabteilung, Turnabteilung, Männerchor, Posaunenchor, Guitarrenchor, Christliche Pfadfinderschaft, Frauenhilfe.

Evgl. Arbeiter- und Volksverein, gegr. 1887, hat als Vereinsziel: Fürchtet Gott, ehret den König, habt die Brüder lieb! oder: Christlich, national, sozial! Unterabteilung: Gemischter Chor.

Evgl. Frauenverein Vohwinkel und Tesche. Der Verein tritt mit Gründung der Kirchengemeinde auf. Er steht im praktischen Gemeindedienst. Er näht für die Weihnachtsbescherung bedürftiger Gemeindeglieder und für arme Konfirmanden. Er übernimmt die Arbeit des Tischdeckens und Kaffeekochens bei allen Gemeinde- und Vereinsfesten. Er hilft Schwachen, Kranken, Alten.

Deutscher Evgl. Frauenbund, gegr. 1927, vertritt die evgl. Fraueninteressen in der Oeffentlichkeit, schult die evgl. Frau für ihre Aufgaben im Staat. Mit dem Frauenverein zusammen betreibt der Verein eine Hauspflege für erkrankte Familienmütter.

Evgl. Jungmädchenbund, gegründet als evgl. Jungfrauenverein 1884. Der Bund versammelt seine Mitglieder zu Bibel-, Näh- und Unterhaltungsstunden. Unterabteilungen: Nähstube, Lautenchor, Gesangabteilung, Turnabteilung.

Der evgl. Kirchenchor dient der Gemeinde bei Festgottesdiensten.

Der evgl. gemischte Chor Tesche, gegr. 1907. Sein Zweck ist Pflege christlichen Gesanges und christlicher Gemeinschaft, Tröstung alter und kranker Gemeindeglieder durch Gesang.

Der Knaben-Bibelkreis wurde am 15. Dezember 1915 durch P. Dr. Schmidt - Schöller gegründet. Er sucht die studierende Jugend Deutschlands für Jesus zu gewinnen. Daneben gibt es einen Schüler-Arbeitskreis (A. K.), dessen Unterabteilungen sind B. K. Orchester, die jüngere Abteilung (Quarta-Obertertia), die ältere Abteilung (Untere sekunda - Oberprima).

Der Mädchen Bibelkreis, gegr. am 30. März 1917, ist ein Zweig des Leipziger Reichsverbandes 'Deutscher Mädchenbibelkreise, die das Ziel haben, höhere Schülerinnen zur Betrachtung des Wortes Gottes und christlicher Geselligkeit zusammenzuschließen. Neben der Erwachsenenleitung ist ein vierköpfiger Schülerinnenvorstand mit weitgehenden Befugnissen eingesetzt.

Evgl. Schulgemeinde Vohwinkel, gegr. Januar 1919. Ihr Ziel ist, die Erhaltung und den Ausbau der evgl. Bekenntnisschule nach Dörpfeld'schen Grundsätzen (Elternrecht und Gewissensfreiheit) zu erkämpfen und zu fördern.

Der evgl. Lehrerverein des Kreises Mettmann-Süd ist zur Zeit Dörpfelds aus den „pädagogischen Kämpfen“ hervorgegangen und 1906 neu belebt. Der Verein erstrebt Förderung der Erziehung auf Grund des Wortes Gottes, Erhaltung der auf dem Boden der gewissensmäßig einigen Schulgemeinde ruhenden Bekenntnisschule mit biblisch-christlichem Religionsunterricht, Pflege und Förderung christlicher Erziehungswissenschaft und ihrer Hilfswissenschaften.

Diese elf Vereine samt ihren Unterabteilungen mit ihren rund 2700 Mitgliedern sind seit 1927 zu einer Arbeitsgemeinschaft evgl. kirchlicher Vereine zusammengeschlossen, welche die Wahrung gemeinsamer Interessen der Oeffentlichkeit gegenüber und die Förderung gemeinsamen Zusammenarbeitens zur Aufgabe hat. Vorsitzender ist der jeweils jährlich wechselnde Vorsitzende des Presbyteriums.


Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

Vereinigung mit Elberfeld

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