Anhang 1.

In O. Schell, Bergische Sagen, Elberfeld 1897 bei Baedecker findet sich eine am Vohwinkeler Gebiet sich abspielende Sage.

Dort, wo von Elberfeld kommend die Straße in Hammerstein das Vohwinkeler Gebiet (gegenüber der heutigen Restauration Adolf Becker) berührt, lag in alten Zeiten das sogenannte Teufelshäuschen. Diese Wirtschaft war weit und breit berüchtigt, weil dort immer bis tief in die Nacht hinein Karte gespielt wurde. Eines Abends saß wieder eine kleine Gesellschaft dort eifrig dem gewohnten Laster fröhnend. Da trat ein unbekannter Gast herein und gesellte sich zu den Spielern. Nachdem man einige Zeit gespielt, bemerkte der Unbekannte, ob man sich nicht einen Scherz erlauben und zusehn wolle, wen zuerst der Teufel kriege. Alle waren einverstanden, und man spielte weiter. Nach einiger Zeit entfiel einem Spieler eine Karte, und als er sich bückte, sie aufzunehmen, sah er zu seinem Entsetzen, daß der Fremde einen Pferdefuß hatte, also der leibhaftige Gottseibeiuns sein müsse. Kaum hatte er diese Beobachtung gemacht, als der Teufel durch das Fenster entwich. — —

Die Bergischen Heimatbücher, II. Bd., Heimatliche Sagen von August Lomberg, Elberfeld 1922 bei der Bergischen Druckerei und Verlagsanstalt, bringen eine zweite Sage, die an Schloß Hammerstein anknüpft, unter der Ueberschrift: Der Nonnenraub zu Gräfrath.

Im 13. Jahrhundert begehrte der wilde und verwegene Ritter Wolfgang von der Kronenburg, gelegen im Burgholz bei Elberfeld, die schöne Mechthilde von Kettler jenseits der Wupper auf Schloß Hammerstein zur Gattin. Ob der Abweisung ergrimmte der Ritter, zog gegen den Herrn von Hammerstein, wurde aber zurückgeschlagen. Neue Kämpfe befürchtend, ließ der Vater seine Tochter Nonne im Gräfrather Kloster werden.

Das steigerte die Wut des Verfolgers. Es reifte in ihm der Plan, Mechthilde mit Gewalt aus dem Kloster zu entführen. Gelegentlich des Festes der hl. Katharina, der Schutzpatronin des Klosters, führte der arge Geselle sein schändliches Vorhaben aus. Die verfolgenden Klosterknechte schlug er zurück. Mechthilde barg er auf der Kronenburg. Klagend wandte sich der Herr von Hammerstein an den Erzbischof zu Köln, der den Räuber mit dem Kirchenbann belegte. Als Wolfgang sich weigerte, Buße zu tun, nahm die hl. Feme sich des Frevels an. Sie verurteilte den Kirchen- und Frauenschänder zum Tode und vollzog schließlich das Urteil an ihm in seiner eigenen Burg.

In diesem Zusammenhang wird noch einmal aus die geheiligte und heilbringende Quelle bei Lüntenbeck in vorchristlicher Zeit hingewiesen (vgl. Abschnitt 3 bei Lüntenbeck). — —

Von Volksgebräuchen sind mit Bezug auf Vohwinkel folgende mitzuteilen. Wie sonst im Bergischen wird auch hier Mäten es en goden Mann am 10. November von den Kinderscharen gesungen. — Aehnlich wird der Niklastag gefeiert. — Auch der Trauerflor wird hier an des Hauses Tür gehängt; sobald ein Todesfall eingetreten ist. — In Vohwinkel sollen früher die Kinder, wenn eine Taufe, eine Trauung die Kirche verließ, ein Seil über die Straße gespannt und erst nach einem Geldgeschenk den Teilnehmern der kirchlichen Handlung den Weg freigegeben haben.

Anhang 2.

Eine Erinnerung. Der rheinische Dichter Wilhelm Schäfer, der am 20. Januar 1868 in Ottrau geboren ist, dürfte vielen Vohwinkelern aus ihrer Schulzeit noch in Erinnerung sein; denn der ehemalige Volksschullehrer, der seine Ausbildung auf dem Seminar Mettmann genossen hatte, hatte •seine Lehrerlaufbahn an der evangelischen Schule an der Kaiserstraße (jetzt Karlstraße) begonnen. Die Schulchronik erzählt darüber: „Der von der Königl. Regierung an hiesige Schule überwiesene Lehrer Wilhelm Schäfer aus Gerresheim übernahm am 1. Mai 1888 den Unterricht in der 5. Klasse“. Ende April 1891 ging Lehrer Schäfer nach Elberfeld, wohin er als Klassenlehrer gewählt war. Als Schriftsteller ist er bekannt geworden durch Herausgabe der Zeitschrift „Die Rheinlande“, durch seine 33 „Anekdoten“ 1908 und seine Romane, deren letzter einer der Pestalozzi-Roman „Lebenstag eines Menschenfreundes“ gewesen ist. —

Zum Folgenden vergl. „Bergische Heimat“ Monatsschrift. Verlag Ernst Scholl in Ronsdorf. Nr. 11. 1927. Vohwinkel herbergt innerhalb seiner Stadtgrenzen den Dichter Dr. Emil Uellenberg. Obwohl in Elberfeld am 28. März 1874 geboren, ist er doch schon mit dem 5. Lebensjahr nach Vohwinkel gekommen und hat da auch seine erste Schulbildung erhalten. Sein Vater besaß schon seit 1868 in Vohwinkel weite Ländereien, auch eine Feldbrandziegelei und Bauhandlung. Das vielen noch erinnerliche alte Kirschsiepen war sein Eigentum.

Deshalb und in sicherer Voraussicht des kommenden Aufstiegs des Ortes wurde er, der im Sonnborner Gemeinderat saß, ein unermüdlicher Förderer Vohwinkels in allen öffentlichen Angelegenheiten. Als er 1879 hierher übergesiedelt war, sah er als sein Hauptlebenswerk die Selbständigmachung Vohwinkels an, verbunden mit dem Aufschluß und Ausbau eines Kernstücks der jetzigen Stadt, anschließend an das heutige Rathaus nach Westen zu. Nach dem Tode von Emil Uellenberg sen. (1894) ehrte sein Mühen und Sorgen um die Entwickelung des Ortes der Gemeinderat Vohwinkels dadurch, daß er zwei Straßenzüge nach ihm benannte (Emil- und Uellenbergstraße). Hier wohnen noch heute drei seiner Söhne, darunter der Dichter Dr. Emil Uellenberg auf seinem wunderschön hergerichteten väterlichen Grundstück. Dem anfangs eingeschlagenen Apothekerberuf blieb Dr. Uellenberg nicht treu; er verkaufte seine Apotheke 1914 und wandte sich völlig der Literatur zu — wie Sudermann! 1895 war sein erster Gedichtband „Dornen und Rosen“ erschienen. 1897 ein zweiter „Mitten im Leben“. 1902 verfaßte er die Dichtung „Zum Strande der Seligen“. Von 1909 an wurde er Herausgeber des Kalenders für das Bergische Land, selbst ihn vornehmlich mit lyrischen Stoffen versorgend. 1912 sammelte er seine verstreuten Gedichte in dem Band „Drei Ringe“. — Dann begab er sich auf das Gebiet des Erzählers und Romanschriftstellers. Seine Feder bescherte uns die drei bekannten Heimatromane „Das Kreuz auf Dornawyl“, „Adolf Clarenbach“, „Die Stimme in der Wüste“, eine geschichtliche Darstellung, wie das Christentum an sich, dann wie das evangelische Christentum sich im Bergischen Lande ausgebreitet und in der Tat erwiesen hatte. In dieselbe Reihe gehört ein kleineres Büchlein „Wie Luther nach Worms zum Reichstag fuhr“. Andere größere Erzählungen berühren Norderney, ,,Die Irre von Norderney“, „Die sterbende Insel“, und das deutsche Allgäu „Das Licht im Moore“, und geben Kunde, daß unser Dichter eine Zeitlang Vohwinkel verlassen und anderswo im lieben Vaterlande gelebt und geschrieben hatte. Aber sein Beruf ist es geblieben, den deutschen Menschen dichterisch zu gestalten, selbst deutsch seiend und deutsch schreibend. Er glaubte an Deutschlands Größe und Weltbedeutung.

Während des großen Krieges sang er der deutschen Heldenseele hohes Lied. Und nach dem Kriege hielt er fest an dem Glauben, daß Deutschland das Herz der Erde ist. Im Jahre 1920 kehrte er in unsern Ort zurück, die Heimat zog ihn her. Als Vohwinkel zur Pflege des heimatlichen Sinnes vom 18.-20. Juli 1925 seine ersten Heimattage veranstaltete, führte Dr. Uellenberg einen Abend aus, ihn mit seinen neusten Dichtungen füllend. So erschien denn auch in demselben Jahre sein Bergisches Balladenbuch ,,Das Gespenst der Grafen von Berg“. Lebendig sind diese wuchtenden Stoffe gebildet, fein psychologisch erfaßt und wohl gegliedert aufgebaut. Ein Urteil werde hergesetzt:


Kaiserplatz in Vohwinkel
Kaiserplatz in Vohwinkel

Haus Linde bei Vohwinkel
Haus Linde bei Vohwinkel


„Wie noch keinem Dichter vor ihm gelingt dem streitbaren Sohn des Bergischen Landes das Kampfbild der vielbesungenen Bauern- und Ritterschlacht bei Worringen; plastisch, lebenatmend, voll realistischer Wildheit stürmen die Schlachtbilder über die blutfressende Erde .... (Albert Herzog in der „Badischen Presse“). Emil Uellenbergs Lobpreis der Stadt seines Lebens und seines Schaffens (1927) beschließe die Schilderung seiner Person und seines dichterischen Wirkens:

Mein Vohwinkel !


O seliges Wandern,
so jungfrisch und frei
durch Felder und Auen
im Frühling, im Mai !
Ich zieh meine Straße
zu dir hingewandt,
du Perle der Heimat
im Bergischen Land.
Welch glückhaftes Rasten
in deinem Bereich !
Hier find ich die Arbeit
und Schönheit zugleich.
Uns alle umschlingt ja
dein farbenfroh Band,
du Perle der Heimat
im Bergischen Land.
 
Schon winken die Täler
und waldigen Höh'n
mit Türmen und Burgen,
so deutsch und so schön.
Ich grüßte dich jubelnd
mit Herz und mit Hand,
du Perle der Heimat
im Bergischen Land.
Und wär ich einst fern dir
in Leid oder Glück,
so treibt mich die Sehnsucht
zu dir stets zurück
Du bleibst mir, ob längst schon
die Jugend auch schwand,
die Perle der Heimat
im Bergischen Land.


Auf dem Gebiet der Malerei betätigen sich in Vohwinkel 2 Künstler, deren Namen sind Besenthal und Gondorf.

Otto Besenthal, geboren am 21. Juli 1887 im Kreise Uelzen, Bezirk Lüneburg, gegen seinen innersten Wunsch ins Lehrfach gewiesen, z. Zt. Studienrat am hiesigen Realgymnasium, hatte sich auf der Kunstschule in Düsseldorf unter Maler Prof. Schönnenbeck und Radierer Wimmer vorgebildet, war danach mit zwei Studiengenossen zu Fuß studierend durch die Schweiz nach Italien gewandert und ist in Vohwinkel seit 1913 als gymnasialer Zeichenlehrer tätig. Ein geborner Niedersachse, bleibt Otto Besenthal seiner heimatlichen Heide, der See, ihren Schifferhäfen und Fischerdörfern treu; immer wieder trägt er Feldstuhl und Staffelei dorthin. Dennoch dankt er auch seiner zweiten, der bergischen Heimat manches feine Motiv. Liegt doch Vohwinkel so wohlig eingebettet im Grünen, in Wäldern, die sich stundenweit dehnen. Eine milde Landschaft breitet sich wellig und mit Korn und Obstbäume bestanden nach dem Rhein hin drüben im Westen aus. Aus solcher reizvollen, wechselnden Natur schöpft Otto Besenthal bei uns. An den Menschen ging er ebenfalls nicht achtlos vorüber. Frisch schaut er zu und frisch wirft er z. B. den bergischen Jungen hin mit schmissigem Strich, der ein Menschenantlitz wie gemauert und doch mit lockeren, weichen Uebergängen auf der Leinwand erstehen läßt. Gerade das ist ein besonders schätzenswerter Reiz in den Oelgemälden Besenthals. — Daneben bevorzugt er das Aquarell, mit dem er innig vertraut ist und feinste Wirkungen erzielt. Der nasse Pinselhieb legt sich weich über das grobe Korn der Papierfläche und holt die verschwimmenden Stimmungen einer abendlichen Flußlandschaft oder den zitternden Hauch über aufgebrochenen Ackerfurchen trefflich heraus. — Besondere Erwähnung verdient Besenthal als Radierer. Manches gelungene Blatt birgt er in seiner Mappe wie Alte Bockmühle in der Heide, Fischerdorf, Tor in Düssel; jedes zeigt deutlich, daß der Künstler die sogenannte kalte Nadel liebt, deren satter, rauher Strich ohne Aetzung auskommt und höchste Sicherheit des Auges und der Hand voraussetzt. Darum sind seine Radierungen, unter Glas und Rahmen, ein wohltuender, warmer Schmuck manches Heims seiner Mitbürger.

Auch Hubert Gondorf wohnt in Vohwinkel, ein geborner (2. Sept. 1881) Bergischer (Höhscheid bei Solingen). Er schreibt: „Schon als Knabe war Zeichnen und Malen mein größtes Vergnügen und Kunstmaler zu werden stets mein Traum und meine Sehnsucht. Doch ich hatte niemand, der mich verstand. Und so blieb es mir überlassen, mir den Weg selbst zu ebnen.“ Gondorf ist im Gegensatz zu Besenthal nur Maler. Er malt draußen, wo sich die Hänge sachte in langen Wellen aufrollen und allmählich in die silbrige Ebene vor Düsseldorf verlaufen. Die Düssel mit all der zarten Lieblichkeit ihrer Talbildung ist seine Leidenschaft; sie zu schildern, wird er nicht müde. Seinem frohen Kinderauge erschließt sich die herbe Heimat in einem Reichtum, daß er da noch Schönheiten und Reize zu schauen vermag, wo wir nur Alltäglichkeiten zu sehn glauben. Und damit wurde ihm das Göttergeschenk zuteil, mehr für sich zu malen als für uns andere. — Vohwinkel verdankt ihm viele Bilder aus seiner Mitte, „Alte Schmiede an der Kaiserstraße“, „Gut Disselhaus mit Realschule“, „Am Rottscheidt“, wie auch aus seiner Umgebung „Am Kinderbusch bei Vohwinkel“. Ein anderer Maler hätte wohl die Nüchternheit der Fabriken im Hintergrund trostlos sachlich herausgestellt. Gondorf sieht dies alles mit der Landschaft, als einen wesentlichen Teil der bergischen Landschaft, und sogleich verliert der Vorwurf das sonst Feindliche solcher Motive. In der Galerie des Elberfelder Museums sind seine Bilder zu finden.




Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

Vereinigung mit Elberfeld

Suche


WUPPERTAL VOHWINKEL