Die Berufsschule
hat einige Vorgängerinnen in der Umgegend Vohwinkels. Aus den Akten der reformierten Pfarrschule zu Sonnborn 1825-1869, Tgb-Nr. 364, Elberfeld, den 9. Januar 1855, geht das zunächst hervor.
„Bei einer gestern vorgenommenen Revision der Fabrikschule in Hammerstein fand ich unter den Kindern, welche dort unterrichtet werden, vorzugsweise die folgenden vor, welche in völlig ungenügender Weise in den Elementar-Wissenschaften Lesen und Schreiben unterrichtet waren, so daß ihre Entlassung aus der Schule den gesetzlichen Bestimmungen gemäß nicht hätte erfolgen sollen.
Lesen konnten fast gar nicht ... (es folgen 6 Namen). Im Schreiben zeigten sich mehr als mangelhaft ... (2 Namen).
Euer Hochehrwürden die eingezogenen Arbeitsbücher dieser Kinder anliegend übersendend, ersuche ich eine nochmalige genaue Prüfung mit denselben in Gegenwart der Ortsbehörde vornehmen und demnächst nach Umständen die Wiederentlassung der Kinder aus der Fabrik veranlassen, andernfalls aber dafür sorgen zu wollen, daß diesen Kindern ein Nachhilfeunterricht täglich erteilt werde. Zugleich ersuche ich für die Zukunft bei Ausstellung der Atteste mit größerer Vorsicht gefl. zu Werke gehen zu wollen. Als erst 10 Jahre alt, also gleichfalls wieder zu entlassen (§ 1 des Gesetzes) wurden mir unter den Knaben Ferdinand K. und unter den Mädchen Mina H. bezeichnet.
Von den Resultaten der getroffenen Anordnungen erbitte ich mir von Euer Hochehrwürden und von der Ortsbehörde innerhalb 10 Tagen gefl. Anzeige.
An den Pfarrer Herrn Herminghaus, Hochehrwürden zu Sonnborn, per Couvert durch die Ortsbehörde.
(gez.) Der Königliche Landrat von Diest.“
Daraufhin wurde für Montag, den 15. Januar, Termin festgesetzt, dessen Verlauf unbekannt ist.
Am 18. Januar 1856 weist die Regierung bei der Verfügung betr. eine katholische Schule in Sonnborn hin auf den möglichen Eingang der Fabrikschule in Hammerstein. —
War diese Fabrikschule immer noch eine Elementarschule, deren Kinder teilweise oder größtenteils in der Fabrik mitarbeiteten, so wurde November 1891 durch die Lehrer Held und Hüttemann in Obersonnborn eine richtige Winterfortbildungsschule ins Leben gerufen. Die Anfangsschülerzahl betrug 26. Unterricht war an zwei Abenden je zwei Stunden lang. In dem Bericht wird erfreut hervorgehoben, daß sich die der Schule entwachsenen Kinder ordnungsgemäß verhalten haben. —
Im Jahre 1892 entstand in Vohwinkel selbst eine private freiwillige Handwerker-Fortbildungsschule, die die Gemeinde einmalig subventionierte.
Die letzt erwähnte Schule wurde sicherlich durch die Vohwinkeler gewerbliche Fortbildungsschule ab- und aufgelöst. Durch Ortsstatut vom 18. August 1898 wurden nämlich sämtliche in der Gemeinde in handwerksmäßigen Betrieben beschäftigte Arbeiter bis zur Vollendung des 17. Lebensjahres dem Fortbildungszwang unterstellt. Die Fortbildungsschule wurde am 1. Mai 1899 mit 1 Klasse und 25 Schülern eröffnet. Leiter der Schule war Rektoratschullehrer Flötgen. Außerdem unterrichteten Volksschullehrer und Beamte des städtischen Baubüros, denn schon mußte eine besondere Abteilung für Bauhandwerker eingerichtet werden. Damit war die Fachgliederung begonnen worden.
Auch die weitere Entwickelung ließ sich günstig an. Im Jahre 1901 wurde der Zeichenunterricht in verschiedenen Fachklassen mit getrennten Berufen eingeführt. Um einen geregelten Schulbesuch zu erreichen und gegen ein unbotmäßiges Benehmen der Schüler die nötige Handhabe zu besitzen, wurde am 13. Februar 1901 eine Schulordnung erlassen. Es war und ist nicht zu verkennen, daß die Fortbildungsschulpflicht mancherlei Störung und Unliebsamkeiten für die Arbeitgeber mit sich bringt, aber die Tatsachen beweisen, daß bei gutem Willen die Störung angesichts des Nutzens, den sowohl die Schüler als Handwerk und Gewerbe in seiner Gesamtheit von der Einrichtung haben, zu beheben und nicht unüberwindlich ist. Es bedurfte anfangs erst einer langen Reihe polizeilicher und gerichtlicher Bestrafungen, bevor der Widerstand beseitigt und ein geregelter Unterrichtsbetrieb gesichert werden konnte.
Einen Beschluß von hervorragender grundsätzlicher Bedeutung faßte die Gemeindevertretung in der Sitzung vom 1. Juli 1903, indem sie den Schulzwang auf sämtliche gewerblichen jugendlichen Arbeiter, auch auf die in den Fabriken beschäftigten, und auf die jugendlichen Kaufleute ausdehnte.
Die sich erneut ergebenden Schwierigkeiten mußten mit Geschick und gesetzlicher Macht überwunden werden. Wenn dann im nächsten Jahr 1904 noch die sogenannten ungelernten Arbeiter und die den kaufmännischen Berufen Angehörenden zum Schulbesuch verpflichtet wurden, hatte die Fortbildungsschule für männliche Jugendliche ihren vollen äußeren Ausbau erlangt. Endlich, mit Wirkung vom 1. April 1912, wurden durch Aenderung der Ortssatzung der Schulpflicht auch die Mädchen unterworfen.
Der inneren Ausgestaltung galt ab 1905 die besondere Sorge und Arbeit des Schulleiters und seiner Helfer. Erleichtert wurde sie, als dem vorgenannten Lehrer Flötgen mit Genehmigung des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe ab 1. April 1905 die hauptamtliche erste Lehrerstelle übertragen wurde. Konnte doch jetzt der theoretischen Fortbildung des gewerblichen Nachwuchses eine ganze Manneskraft zugewendet werden! Durfte ein noch innigeres Zusammengehen von Werkstatt, Arbeitsstätte und Schule erwartet werden!
Eine zweite innere Förderung brachte die gleichzeitige Schaffung eines eigenen Klassenraums. Bei dem Wachsen der Schule war es eine Unmöglichkeit geworden, die Unterrichtszeit für die Fortbildungsschule derart zu gewinnen, daß weder eine Kollision mit der Volksschulzeit, noch eine zu große Störung in der Arbeitszeit der einzelnen Berufsgruppen eintrat. Das stundenlange Sitzen der 14-17-jährigen Fortbildungsschüler auf den Kinderbanken war ein anderer dringend Abstellung heischender Uebelstand. So wurde der erste direkte Fortbildungsschulraum geschaffen, hauptsächlich als Zeichensaal, doch auch sonstigen Unterrichtszwecken der oberen Klassen dienend. Als 1906 zunächst von den Angehörigen des dekorierenden und des Bekleidungsgewerbes das Ansuchen, die Unterrichtsstunden auf den Vormittag zu verlegen d. h. Tagesunterricht einzuführen, gestellt wurde, ergab sich als Folge die unumgängliche Notwendigkeit der Herrichtung von Räumen, die allein für Zwecke der Fortbildungsschule bestimmt waren. Man ging sogleich an die Lösung der Aufgabe heran. Zum Schlusse des Schuljahres bezogen sämtliche Klassen das neue Fortbildungsschulgebäude an der Karlstraße, wo sie 2 Zeichensäle, 2 Unterrichtszimmer, 4 Modell- und Lehrmittelräume, 1 Lehrer- und 1 Amtszimmer des Schulleiters vorfanden, denen bald noch eine Schülerwerkstatt unter dem Dach desselben Hauses angereiht wurde.
Eine langsamere Vergrößerung erfuhr der Lehrkörper. 1906 wurde der zweite hauptamtliche Lehrer eingefügt. Die kaufmännischen Klassen erforderten 1914 einen eignen Lehrer. 1923 wurde die erste Lehrerin eingestellt. 1929 sind es insgesamt 8 hauptamtliche einschl. Direktor und 3 nebenamtliche Lehrkräfte, die an der Berufsschule arbeiten.
Diese Lehrkräfte arbeiten 1929 in 10 Knaben- und 10 Mädchenklassen, die von 383 Schülern und 219 Schülerinnen (602) besucht werden. Eine Klasse für Minderbegabte ist hinzuzurechnen.
Ihr Direktor ist seit 1. März 1909 Herr Nies.
Neben dem lehrplanmäßigen Unterricht liefen noch fakultativer Unterricht in der französischen Sprache (1913), in Stenographie und freihändigem Zeichnen und fakultative Ausbildungskurse für Metallarbeiter und Handwerker und in Buchführung.
Die so sehr angewachsene Schule fand neue und ausreichendere Unterkunft ab August 1922 in der verlassenen evangelischen Schule Vohwinkels an der Kaiserstraße, wo ihr auch fernerhin Ausdehnungsmöglichkeiten gegeben sind. Allerdings liegt die Küche der Mädchen leider noch immer in der weit abgelegenen Schule der Yorkstraße.
Selbstredend sind auch die Kosten der Schule gestiegen. Die Ausgaben im Rechnungsjahre 1902 beliefen sich auf 3262,69 Mk. Der Staat leistete einen Beitrag, Schulgeld kam ein, so daß ein Zuschuß der Gemeinde in Höhe von 1788,69 Mk. erforderlich war. — Im Jahre 1926 betrug dagegen die Gemeindeaufwendung für die Berufsschule 20200 Mk. und 1929 sogar 34900 Mk.
Anmerkung: 1928 beliefen sich die Kosten eines Berufsschülers nach den Ansätzen des Haushaltungsplanes gemessen auf 38,59 Mk.
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An die Berufsschule sind angeschlossen die Volksbücherei und die Jugendpflege.
Die
Volksbücherei wurde im Jahre 1901 mit einem Bücherbestande von 145 Bänden als Fortbildungsschulbibliothek gegründet. Durch Umwandlung dieser Schulbibliothek in die ,,Leihbibliothek Vohwinkel“ versuchte man die Bücherbestände dem Lesebedürfnis der Allgemeinheit zugängig zu machen. Die Zahl der Bände wuchs jetzt sehr schnell bis auf 2031 im Jahre 1906. Zu dieser Zeit übernahm der Gemeinderat durch Beschluß vom 1. Mai 1906 die Leihbibliothek unter der Bezeichnung „Vohwinkeler Volksbücherei“ mit Wirkung vom 1. April 1906 in Eigentum und Unterhaltung der Gemeinde. Es war hierdurch die Möglichkeit gegeben, der Bücherei die erforderlich gewordenen größeren Betriebsmittel zuzuführen. Damit wurde zugleich der Erfolg der Bücherei wesentlich gefördert. Im Dezember 1907 erhielt die Bücherei zwei eigne Ausgaberäume in dem neuen Fortbildungsschulgebäude Karlstraße 13. Am 1. November 1912 wurde die Ausgabestelle Tesche eröffnet, die 10 Jahre bestanden hat. Als nämlich die Berufsschule in die Kaiserstraße verlegt wurde, nahm sie die Volksbücherei mit und richtete ihr dort in einem großen Raum eine Zentralstelle ein. Das war für die Volksbücherei eine vorteilhafte Veränderung. War die Leserzahl 1921 heruntergegangen, so hob sie sich von nun an zusehends. Eine Bücherei-Kommission half tatkräftig mit. Doch bleibt es das Verdienst des nur ehrenamtlich tätigen Berufsschuldirektors Nies und seiner Helfer, das Hauptsächlichste zu solchem Aufstieg beigetragen zu haben. Durch ihren Leiter fand die Volksbücherei auch die Mitgliedschaft des unter Führung der Staatlichen Beratungsstelle für Volksbüchereien zu Düsseldorf stehenden Verbandes Niederrheinischer Büchereien.
Sie wurde weiter angeschlossen an die Gesellschaft für Volksbildung Berlin und an die Deutsche Dichter Gedächtnisstiftung in Hamburg. Von diesen Seiten her erhält sie hunderte von Bänden fortlaufend überwiesen. 1929 weist sie einen Bücherbestand von 10249 Bänden auf. Der Gemeindezuschuß beträgt jetzt 5200 Mk. Die Leser entrichten einen Beitrag, nicht für die Entleihung der Bücher, sondern als Entschädigung für alle entstehenden Drucksachen, die in ihrem Interesse gefertigt werden. Ein zuletzt Dezember 1924 ausgegebenes Bücherverzeichnis leitet jeden Leser übersichtlich zu rechter Auswahl an und wird durch einen 1929 erscheinenden Nachtrag ergänzt. — —
Die
Jugendpflege treibt die Berufsschule seit etwa 1909, als ihre Lehrer die ersten Wanderungen mit den Fortbildungsschülern unternahmen. Bald hatte sich eine Schwimmabteilung, eine Turnabteilung gebildet. Die Fortbildungsschulbücherei sorgte für Förderung auf geistigem Gebiet durch besten, von dem Schulleiter selbst stets verausgabten Lesestoff. Seit 1910 flossen kommunale und staatliche Beihilfen, so daß das Jugendwerk Erweiterung erfahren konnte. Die wirtschaftliche Pflege trat hinzu durch Eröffnung einer Werkstatt für Holzarbeiten, durch Berufsberatung und Vermittelung und Nachweis von Arbeitsstellen, sowie durch die Einrichtung einer Schulsparkasse. Das so allseitig gepflegte Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern, Erwachsenen und Jugendlichen hat schließlich auch das sittliche Verhalten in guter Weise beeinflußt. 60 % sämtlicher Berufsschüler, -innen sind von der bürgerlichen Jugendpflege durch Schule, Gemeinde, Vereine erfaßt. 1925 wurden zur geistigen Bildung die Lichtbildervorträge eingeführt. Und endlich 1926 ist das Jugendheim erstanden, das nun alle und alles zusammenzufassen vermag.
Ein
Ortsausschuß für Jugendpflege war schon am 22. September 1911 entstanden und hat sich über den Krieg hin erhalten. Er arbeitet ohne Ansehen der Konfession und der Partei. 1929 umfaßt er 32 angeschlossene Vereine. Im März 1912 wurde in der Schule Tesche eine Schüler- (Jugend) Herberge eröffnet, 1925 auf Mädchen erweitert, 1929 daselbst der Ausbau der Jugendherberge geschaffen.
Ein besonderes Wort gelte an dieser Stelle der
Volkshochschule.
Mit dem letzten Vierteljahr des Kalenderjahres 1919 traten in der Gemeinde Vohwinkel die Volkshochschulkurse ins Leben. Die ersten Vorbereitungen wurden durch die Sitzung vom 25. August 1919 getroffen, zu der Vertreter der als Hörer in Betracht kommenden Kreise, wie auch Vertreter der Lehrenden im weitesten Sinne geladen waren. Man beschloß die Veranstaltung von Volksunterhaltungsabenden und Volkshochschulkursen und wählte einen Arbeitsausschuß, der bald danach den Direktor des Lyzeums, Dr. Püttmann, als ehrenamtlichen Leiter an die Spitze stellte. Das aufgestellte Programm, die Neuheit der Sache am Ort lockten, es ergab sich ein sehr reger Besuch.
Als 1921 versucht wurde, die Kurse auch Sommer über fortzusetzen, trat der erste Fehlschlag ein. Danach verminderte sich die Zuhörerschaft aus den Arbeiterkreisen. Unermüdlich war der Arbeitsausschuß tätig, die Volkshochschule im Gange zu halten. Der erhebliche Rückgang im Jahre 1925 nötigte, andere anziehende Einzelveranstaltungen nebenher aufzunehmen. Es nutzte nicht mehr. Am 18. November 1926 wurde die Volkshochschule als städtische Einrichtung vorläufig geschlossen. Es sollte der Versuch gemacht werden, in kleinem, interessiertem Kreise die Arbeit fortzusetzen, in der Hoffnung, daß sich einmal wieder eine öffentliche Volkshochschule entwickeln wird.
Ueber die Programme der verlaufenen Jahre dieser Bildungsarbeit geben die städtischen Verwaltungsberichte genaue Auskunft.
Der städtische Bildungsausschuß aber arbeitete in anderer Weise fort. Er begann in der aufs beste hierzu geeigneten neuen Aula des Realgymnasiums Musikabende zu veranstalten, bei denen große Künstler der Heimat und der Ferne mitwirken. Vorträge aus verschiedenen Gebieten, die zur Zeit aktuell sind, ergänzen die Bestrebungen, der Einwohnerschaft im Orte selbst allerlei Bildungsmöglichkeiten zu bieten.
Die höheren Schulen
werden durch das Reformrealgymnasium und das Lyzeum repräsentiert.
Das Reformrealgymnasium. Sein Vorläufer war die Privat-Rektoratschule, die für Knaben unter Rektor Schulz, danach Steffens und für Mädchen unter Leitung von Fräulein Hirsch, später Goecke, von Landrat Röhrig und Emil Wellenberg d. Ae. u. a. im Hause Königstraße 59 eingerichtet wurde. Schon 1867 ist die Knabenschule wegen Mangel an Beteiligung eingegangen. Die Mädchenschule blieb im Saal der Wirtschaft von der Hütten (Brüwer).
Erst 1892 konnte der Versuch der Gründung einer höheren Privat-Knaben-Schule als Vorbereitungsanstalt von Knaben für die Obertertia einer Real-, bezw. Oberrealschule, durch Hinzunahme fakultativen Latein-Unterrichts auch eines Real- bezw. Gymnasiums erneuert werden. Ihr Leiter war Herr Franz Philipps, ihr Lokal in der Kaiserstraße bei der Firma Kolk & Wagenmann. Zwei Elementarlehrer halfen. Ein Kuratorium führte die Geschäfte. Mit 9 Schülern wurde der Anfang gemacht. Ihre Zahl stieg, die Schule wurde zweiklassig. Ein Akademiker trat in den Lehrkörper ein.
Und es ging so weiterhin aufwärts! Am 1. April 1897 wurde die Schule eine öffentliche Rektoratschule mit 3 Klassen unter dem Rektor Philipps. Sie bekam auch eine eigne Baracke, die bis 1928 auf dem Grundstück des Lyzeums gestanden hat. Das neue Schulgebäude an der Karlstraße wurde am 30. April 1902 bezogen.
Den weiteren Fortschritt bezeichnete der Beschluß des Gemeinderats vorn 6. Dezember 1906, die Schule zu einer reinen Realschule auszubauen. Der Beschluß wurde genehmigt.
Am Ende des Schuljahres 1908/09 erteilte die Schule erstmalig das Zeugnis der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst an sämtliche 11 Untersekundaner. Ostern 1911 ging der letzte Jahrgang der Lateinschüler ab.
Ostern 1910 war Rektor Philipps in den Ruhestand getreten. Zum Nachfolger wurde der bisherige Leiter des Prinz Georg-Reform-Gymnasiums i. E. zu Düsseldorf, Dr. Münch, gewählt, der nur kurze Zeit als Direktor hierorts tätig war. Schon am 1. Oktober 1912 wurde er durch den Oberlehrer Heinrich Anspach aus Remscheid ersetzt.
Aus den folgenden Jahren ist ein steter Aufstieg der Realschule zu vermerken. Neben dem Unterricht wurden eingerichtet eine Schülerkapelle, gegründet 1906 (unter Feuerwehr-Kapellmeister Mahron), der Handfertigkeitsunterricht (eingeführt 1910), Schülervereine (seit 1911) mit sportlich-hygienischen Interessen zur Förderung des Verantwortlichkeits- und Ehrgefühls, der Selbständigkeit und des Selbstverwaltungsgedankens (vergl. Schülerkapelle, Wandervogel, Germaniabund, Abstinentenbund deutscher Schüler).
1914 unterbrach der Krieg sowohl die Schularbeit wie überall sonst als auch den zweiten Neubau der Realschule, der an der Moltkestraße in Hammerstein errichtet wurde. Landschaftlich in hervorragend schöner Lage sollte der Bau eine Zierde des Ortes werden. Es waltete über ihm aber ein Unstern. Während der Kriegszeit kam er wohl unter Dach, mußte aber als Vorratspeicher und Kriegsküche und Notwohnraum hergegeben werden. Als er 1922, notdürftig vollendet, von der Realschule bezogen war, kamen die Franzosen und nahmen ihn für sich als Kaserne in Beschlag. Die Realschule suchte im Lyzeum Zuflucht. Erst nach dem Abzug der fremden Besatzung 1924 wurde der Bau aufs beste und feinste (Aula!) wiederhergestellt in Würdigung seiner neuen Aufgabe, dem aus der Realschule (Erlaß vom 17. Januar 1925) fortentwickelten Reformrealgymnasium als Wirkungsstätte zu dienen. So verließen denn Ostern 1929 die ersten Abiturienten die Anstalt.
Anmerkung: 1928 beliefen sich die Kosten eines höheren Schülers nach den Ansätzen des Haushaltungsplanes gemessen auf 392 Mk.
Das
Lyzeum. Das Lyzeum ist ebenfalls aus der vorerwähnten Privat-Rektoratschule hervorgegangen (vergl. Reformrealgymnasium). Durch Verfügung der Kgl. Regierung in Düsseldorf erhielt Fräulein Anna Goecke, die seit Ostern 1886 an jener Rektoratschule unterrichtet hatte, die Erlaubnis zur Einrichtung einer privaten höheren Mädchenschule in Vohwinkel. Sieben ihrer bisherigen Schülerinnen meldeten sich zum Eintritt in die neu zu gründende Anstalt. Zwei kleine Erdgeschoßräume der damaligen „Schönen Aussicht“ in der Karlstraße wurden als Klassenzimmer gemietet. Ein aus 4 Vohwinkeler Herren bestehendes Kuratorium, an dessen Spitze der damalige Landrat Röhrig stand, übernahm die Leitung der äußeren Angelegenheiten sowie die Garantie für den pekuniären Bestand der Schule, die in den nächsten Jahren erfreulich gedieh. Zu den Töchtern der in Vohwinkel ansässigen Familien fand sich bald Zuwachs aus der Umgegend.
Größere Räume wurden gemietet. Die neuen Bestimmungen des Ministers Bosse für das Mädchenschulwesen vom 31. Mai 1894 übten einen weiteren Einfluß auf die Entwicklung der Privat-Töchterschule aus. 1897 wuchs die Schülerinnenzahl auf 40 an. Der Bestand der Schule war somit erwiesen. In demselben Jahre beschloß die Gemeinde Vohwinkel, diese Mädchenschule ebenfalls auf den Etat der Gemeinde zu übernehmen. Fräulein Goecke wurde zur Schulvorsteherin ernannt, die Schule eine öffentliche höhere Töchterschule. Auch ihr stand ein von dem Gemeinderat gewähltes Kuratorium zur Seite. Gleichzeitig wurde ihr eine Vorschule für Knaben und Mädchen angegliedert und eine dritte Lehrkraft genehmigt.
Mit dem schnellen Wachstum Vohwinkels hielt die Entwicklung der Schule gleichen Schritt. Ostern 1903 wurde die 100. Schülerin angemeldet, Ostern 1911 das zweite Hundert überschritten. Am 1. Mai 1902 bezog die Mädchenschule das bisherige Lokal (Baracke) der Knabenschule in der Brucherstraße mit seinen 4 Räumen. Herbst 1904 erhielt auch sie ein eigenes Schulhaus, das schon 1908 ausgebaut werden mußte. Daneben wurde die Baracke weiter benutzt. Dezember 1909 erfolgte die Anerkennung der Schule als höhere Lehranstalt. Fräulein Goecke wurde ,,Frau Direktorin“.
Die neuen Bestimmungen für das höhere Mädchenschulwesen vom 18. August 1908 hatten neue Anstrengungen der Gemeinde erfordert aber, wie dargestellt, auch die Anerkennung gebracht. In richtiger Fortentwicklung wurde die Schule ab 1. Oktober 1912 ein „Lyzeum i. E.“. Die erste Klasse wurde 1914 aufgesetzt.
Der Krieg griff auch in dies Schulgetriebe hart ein. An sämtlichen Kriegsfeiern und Kriegsarbeiten nahm die Schule regsten Anteil. — Besonderes Leid erfuhr sie, als am 1 April 1917 ihre Direktorin Goecke mit Rücksicht auf ihren schwachen Gesundheitszustand in den Ruhestand trat. Oberlehrerin Schulte führte das Lyzeum so lange, bis endlich als neuer Direktor am 1. April 1919 Dr. Püttmann - Elberfeld einzog. Gleichzeitig begann der Abbau der Vorschule infolge gesetzlicher Einrichtung der sogenannten Grundschule bei den Volksschulen.
1926 hatte das Lyzeum die Klassen VI -VII nebst 1 Parallelklasse. Der Lehrkörper zählte 11 vollbeschäftigte Lehrkräfte. Ein weiterer Anbau an das Hauptgebäude ist im Jahre 1928 Tatsache geworden. Schließlich wurde Ostern 1929 noch eine Frauenschulklasse aufgesetzt, nachdem die nötigen Umbauten im Gebäude vollzogen waren.
Anmerkung: 1928 beliefen sich die Kosten einer höheren Schülerin nach den Ansätzen des Haushaltungsplanes gemessen auf 465 Mk.
Die Landwirtschaftliche Schule
will jungen Landwirten eine geeignete Ausbildung in den Grundlehren der Landwirtschaft und deren Hilfswissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der dem Schulbezirk eigentümlichen Verhältnisse geben.
Aus dem Kreisblatt für Elberfeld-Barmen-Mettmann Nr. 7 des Jahres 1864 setzen wir folgende Notiz her: „Jahresbericht des landwirtschaftlichen Casinos Mettmann. Die durch Vermittelung desselben im Kreise Mettmann ins Leben gerufenen 5 landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen zu Mettmann, Haan, Vohwinkel, Schoeller, Heiligenhaus haben im ganzen erfreuliche Resultate gegeben, wenn auch bei mehreren derselben die geringe Teilnahme seitens der ländlichen Bevölkerung nicht genug bedauert werden kann. Der Mangel an Betätigung ist dann auch die Veranlassung, daß nur diejenige in Heiligenhaus für diesen Winter wieder eröffnet worden ist, und zwar in Verbindung mit einer Abendschule. Es bleibt jedoch zu hoffen, daß das segensreiche Institut der Fortbildungsschulen sich auch in unserer Gegend eine immer größere Anerkennung verschaffen werde und sich recht bald geeignete Lehrkräfte und willige Schüler für die Sache gewinnen lassen. Mettmann, 27. Januar 1864. gez. Frh. v. d. Goltz. G. Benninghoven. Behrens.“
(Das Casino Mettmann war 1862 ins Leben getreten mit 75 Mitgliedern. Wie das Unterhaltungsblatt für Stadt und Land vom 16. Oktober 1864 erweist, vermittelte es auch die Anwerbung von Dienstboten in Hessen, Nassau und Westfalen.)
Diese gute Sache ist nicht zugrunde gegangen. Sie blieb wenn auch in etwas abgeänderter Form bestehen. 1879 war für die Kreise Mettmann, Solingen und Düsseldorf-Land in Wülfrath die „landwirtschaftliche Winterschule“ gegründet worden. Am 1. April 1900 wurde sie nach Vohwinkel verlegt in der Hoffnung, daß sie hier besser vorankommen werde. Die Hoffnung hat nicht getäuscht.
Ihr hiesiger erster Direktor Jösting hatte bei der Aufnahme einen solchen Andrang von Schülern, daß er einen Teil wegen Raummangels abweisen mußte.
Am 31. Mai 1906 fand die Einweihung des von der Gemeinde Vohwinkel neu errichteten und dem Kreis Mettmann für die Zwecke der Schule zur Verfügung gestellten Schulgebäudes an der Hohenzollernstraße statt. Das Gebäude enthält 2 Schulräume, 1 Bibliothek, 1 Demonstrations- und 1 Direktorzimmer, 1 Laboratorium und oben 2 Wohnungen. Der hinter dem Hause liegende Garten, etwa 400 qm groß, soll landwirtschaftlichen Versuchszwecken dienen.
Während des Sommerhalbjahres waren und sind der Leiter der Anstalt und seine Helfer seit 1906 vorzüglich als landwirtschaftliche Wanderlehrer (Pflanzenbau- Obstbau-, Bienenzucht, Düngungs-, ländlicher Buchführungskurse u. a.) innerhalb der Grenze des Schulbezirks tätig. Doch wurden und werden von ihnen auch während des Winters Versammlungen besucht und Vorträge und Besprechungen gehalten.
Trotzdem am 1. Juli 1908 eine gleiche Schule in Ratingen und 1919 eine solche in Opladen errichtet wurden, erfuhr die Schule in Vohwinkel nie eine Einbuße an Schülern.
Am 1. Juli 1912 trat als neuer Direktor Herr Dr. phil. Ulrich, am 1. Juli 1913 Herr Hagert, am 23. Oktober 1922 Herr Breuer ein.
Der Krieg bewirkte, daß 1914 der Unterricht nur am Vormittag erteilt wurde, damit die jungen Leute nachmittags zu Hause helfen konnten. Er unterbrach völlig den Unterricht von 1915-1918. Als 1919 die Anstalt wieder eröffnet wurde, hatten sich 168 im Alter von 18-28 Jahren befindliche junge Leute angemeldet, doch nur 73 konnten berücksichtigt werden, die Schulräume sind zu klein. 1921 wurde ein Sommersemester eingelegt. Danach mußte die II. Schulklasse eingerichtet werden. Die Besuchszahl beträgt gewöhnlich 80, davon mehr als die Hälfte aus dem Kreis Mettmann.
Die Kleinkinderschulen Vohwinkels.
Die erste evangelische Kleinkinderschule wurde am 1. Oktober 1885 in einem gemieteten Lokal der Witwe Wülfing an der Bahnstraße eröffnet. Die erste Kleinkinderschullehrerin war Fräulein Leckenbusch, die bis 1928 ihren Dienst versehen hat. Durch Erhebung eines geringen Schulgeldes und vor allem durch Sammlung freiwilliger Beiträge wurde die Schule finanziell getragen. Nachdem die Kleinkinderschule in das Steinküller'sche Haus auf dem Rottscheidt, dann in das für sie bestimmte Vereinshaus an der Friedrichstraße übergesiedelt war, in dem damals auch die Gottesdienste der Gemeinde gehalten wurden, fand sie von 1901 an in dem neuen Gemeindehaus auf der Solinger Straße eine bleibende Stätte. Die Kirchengemeinde finanzierte nun den Betrieb dieser Kleinkinderschule ebenso wie den der zweiten auf der Tesche. 1929 erhielt sie schmucke große Räume und Garten in dem neuen zweiten Pfarrgrundstück.
Die zweite evangelische Kleinkinderschule auf der Tesche wurde am 1. April 1908 in einem gemieteten Raum auf der Flurstraße eröffnet. Seit 1909 leitet Schwester Selma Atzler diese Kleinkinderschule. Am 11. Januar 1928 siedelte die Schule in das von der Kirchengemeinde für sie neu erbaute Haus in der Lärchenstraße über. Beide Schulen sollen künftig dem Unterricht der Frauenschulklasse des Lyzeums dienstbar gemacht werden.
Der katholische Kindergarten besteht seit 1900 in einem Hintergebäude des St. Josephshauses, Friedrichstraße. Das ganze Grundstück, südlich der Pfarrkirche gelegen, unmittelbar an das Kirchenterrain anstoßend, war von Rektor Dr. Steinberg 1897 zunächst persönlich gekauft worden, um es der katholischen Gemeinde für die Zukunft zu sichern, später aber der Pfarrgemeinde überlassen. In dem Vorderhaus fanden die Armen Schwestern vom hl. Franziskus, deren Mutterhaus sich in Aachen befindet, eine Wirkungsstätte. Sogleich nach ihrem Einzug hatte sich diese Schwesternschaft der noch nicht schulpflichtigen Kinder angenommen. In einem Hinterhaus, in dem sich früher eine Schreinerwerkstätte befand, hatte sie einen Kindergarten eingerichtet, der noch heute segensreich tätig ist. Sie betreuen durchschnittlich 40-45 Kindlein.
Nähschulen. Dieselbe Schwesternschaft hat in den eigenen Räumen 1919 eine Handarbeitsschule vorzüglich für schulentlassene Mädchen eingerichtet, die der Fortbildung in weiblicher Näharbeit dienen will.
Eine ähnliche Einrichtung betreibt der Vaterländische Frauenverein, jedoch in sehr viel kleinerem Umfange.
Nachtrag
aus dem zwischen den Städten Elberfeld und Vohwinkel am 12. März 1929 geschlossenen Vereinigungs-Vertrag:
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7. |
In der künftigen Schuldeputation ist mindestens je 1 Sitz für Stadtverordnete sowie für des Erziehungs- und Volksschulwesens kundige Personen Bürgern des Stadtteiles Vohwinkel einzuräumen. |
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9.b) |
Folgende Bauvorhaben in Vohwinkel werden durchgeführt. Neubau einer 14-klassigen Volksschule nebst Turnhalle und Erweiterung der 6-klassigen Schule in der Karlstraße auf 12 Klassen. |
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12. |
Das Reform-Realgymnasium und das Lyzeum mit der in Bildung begriffenen Frauenschule in Vohwinkel bleiben erhalten, letztere wird weiter ausgebaut werden. |