Geschichte der Volksschulen Vohwinkels.


Schule Karlstraße. Vorbemerkungen aus Sonnborns älteren Schulverhältnissen nach zur Nieden, Geschichte der reform. Gemeinde zu Sonnborn a. W., Langenberg 1887: Vor dem Jahr 1631 war ein gewisser Petrus Holthausen aus Elberfeldt legitime und ordinarie als Schuldiener eingestellt, auf Wunsch aber entlassen worden. Zum Nachfolger wird am 22. Februar 1631 der Schullehrer Caspar Buntenbeck berufen, dessen Berufungsurkunde a. a. O. abgedruckt ist (S. 65). Der Lehrer hatte die Nutznießung des zum Thurn gelegenen Vicarie-Gutes; die Schule lag damals am Thurn. Ferner gab jedes Schulkind monatlich 60 Albus und jährlich 6 Alb Holzgeld). Sodann erhielt der Lehrer „bei jeder Leich zu genießen im Vorsingen 1 Brod“, außerdem versah er den Küsterdienst, was ihm folgendes einbrachte: Schirp zu Lüntenbeck gibt jährlich 3 Rthlr., Boltenberg jährlich 2 Brod, 1/2 Scheffel Hafer, Bugenhofen 1/2 Scheffel Hafer, 2 Brod, die Taubengrotenbeck jährlich eine alte Schüb auf Ostern, wan die Eier geholt werden, dabei 1 Brod von 12 Pfund, wan jemand daselbst stirbt, wird von Alters genannt ein Lüdbrod (Läutbrod). Adolf auf der Bieß eine alte Raderschüb (?) und ein Lüdbrod. — Vom Glocken-, Uhrwerk-Schmieren und Mittagsläuten 2 Rthlr. — Für das Vorlesen in der Kirche 2 Rthlr. — Wenn fremde Leichen hier begraben wurden, gebührte dem Küster vom Läuten ein Brod von 12 Pfd. — Im Ganzen betrug des Schullehrers Einnahme:

Sieben achtentheil Malter Hafer 1 Rthlr. 25 Alb
18 Brode und 2 Pfd., jedes 2 Alb 2 " 21 " 8 Hl.
An Geld mit dem Kystereigut, wo er wohnte 21 " 2 "
dazu 1 " 3 "
Summa 24 Rthlr. 49 Alb 11 Hl.

Während der Vakanz 1644 übernahm der Pastor Johannes Ovenius den Unterricht der Kinder zusammen mit Peter Offermann. Ob dann ein neuer Lehrer eingetreten ist, wird nicht weiter berichtet. 1671 hilft wieder der Pastor, jetzt Heinrich Ovenius, aus bis 1672. Da wird Engel - Hummelsiepen zum Schullehrer erwählt. Im Jahre 1696 gibt Pastor Halfmann der Schule bezw. dem damaligen Schulmeister Theodor Butzmühlen „zum besseren anwahß der Jugend in der Lehre“ Praecepta und Regulen d. i. eine Schulordnung, die a. a. O. zu lesen ist (S. 82). 1698 wurde ein neues Schulhaus erbaut, wo, wird nicht berichtet. Das Jahr 1770 brachte abermals eine Vakanz. Es trat als Schulhelfer ein Heinrich Saurenhaus, ein mit guten Kenntnissen ausgerüstetes Gemeindeglied von Obersonnborn. 1772 wurde vom Sonnborner Konsistorium Wilhelm Schlickum in die erledigte Schullehrerstelle berufen, nach wenigen Jahren aber (mit Gewalt) aus der Stelle entfernt. Es folgten 1784 Johann Melchior und 1816 Hummeltenberg. Sonnborn hatte 3300 Seelen und nur eine einzige Schule, die darum auch die besuchteste der Gegend war. Erst 1838 wurde eine neue Schule erbaut, sogar mit drei Klassen, und Hummeltenberg Hauptlehrer.

Danach setzt die Geschichte der ersten evangelischen Schule Vohwinkels ein. Sie wird nach Akten des Landratsamtes E. XVII 6 dargestellt.

Im Jahre 1848 war von Vohwinkeler Einwohnern ein Plan aufgestellt, einen neuen Schulbezirk in der Nähe Vohwinkels zu errichten. Die politischen Ereignisse und die Verdienstlosigkeit der Zeit aber hatten den Plan vereitelt.

Da überreichten am 30. Januar 1850 Carl Wilh. Hohstadt, F. Volkmann, Ferd. Ackermann, Nathanael Garnich, alle aus Vohwinkel, als Beauftragte und Bevollmächtigte der Familien des westlichen Teiles der Gemeinde Sonnborn dem Schulvorstand Sonnborn den geziemenden Antrag, eine neue Schule bezw. einen neuen Schulbezirk für Vohwinkel zu errichten Dieser Antrag nahm auf den Plan von 1848 bezug. Der erneute Antrag wurde begründet mit der großen Entfernung von Vohwinkel nach Sonnborn und Gräfrath, mit dem geringen Schulbesuch, besonders bei schlechtem Wetter oder im Winter, mit der Schädigung der Gesundheit der Kinder, mit dem zu frühen Aufbruch und der zu späten Heimkehr der Kinder zum (vom) Unterricht während der dunklen Jahreszeit, mit der nassen Kleidung während desselben, mit dem Mangel an warmer Speise, mit der Unruhe bei den Eltern. Der beabsichtigte Vohwinkeler Schulbezirk habe 129 schulpflichtige Kinder in Aussicht, deren Weg nach Vohwinkel auf 8 - 10 Minuten abgekürzt werden könnte, statt daß sie 40 Minuten zu laufen brauchten. Der Sonnborner Schulbezirk behalte trotzdem noch Kinder genug für seine vorhandenen Schulräume; hiermit falle ein Erweiterungsbau der Schule Sonnborn fort. Dem Antrag stehe das Kaiserliche Dekret vom 17. Dezember 1811 zur Seite, nach dem auf je 80 bis 100 Kinder eine Primärschule kommen solle. Es wird eine gemeinsame Beratung vorgeschlagen.

Am 26. März 1850 antworteten im Auftrage des Schulvorstandes Sonnborn dessen Mitglieder Pfarrer Herminghaus, C. S. Wyland, I. Heyderhoff unter Anerkennung des Rechtes der Antragsteller, für ihre kleinen und zarten Kinder einzutreten, dennoch ablehnend. Andere Teile der Gemeinde wie die Höfe Wieden, Schickenberg, Steinberg, Saurenholz, Frankenholz, wären noch mehr berechtigt, eine in der Nähe ihres Ortes gelegene Schule zu fordern, da sie weitere Wege nach Sonnborn bezw. zu den Schulen in Düssel und Langensiepen hätten als Vohwinkel. Auch sei die Kunststraße zwischen Vohwinkel und Sonnborn bei weitem besser zu begehen, als die Landwege jener Güter und Gemeinden nach Sonnborn, viele Kinder könnten auch zwischen 11 1/2 und 1 Uhr nach Hause gehen, um warmes Mittagessen einzunehmen. Die Pfarrgemeinde habe alte Schulden, die getilgt werden müßten, und dürfe neue Schulden, namentlich so große wie Neugründung und Neueinrichtung einer Schule jetzt nicht auf sich nehmen. Dem Antrag stände schließlich noch entgegen, daß der Staat und die Kirche das Schulwesen nach der neuen beschworenen Verfassung noch nicht geordnet hätten, daher gewartet werden müsse, bis die göttliche Vorsehung günstigere und ruhigere Zeitverhältnisse verleihen würde.

Schon am 24. April 1850 wurde der Antrag auf Gründung einer neuen Schule in Vohwinkel von denselben Deputierten wiederholt unter Beleuchtung der Antwort des löblichen Schulvorstandes zu Sonnborn vom 26. März. Nicht die Pfarr-, sondern die Zivilgemeinde Sonnborn müsse die neue Schule gründen, daher falle der Grund betr die Schulden der Kirchengemeinde fort. Vor allem sei noch zu erwidern, daß es die heiligste Pflicht der Eltern sei, darauf zu sehen, daß ihre Kinder christlich unterrichtet und erzogen würden, ja selbst die Gemeinde und der Staat haben darüber zu wachen und sollen alles, was sich dem hindernd und beschwerend in den Weg stelle, beseitigen. — Diesmal ging der Antrag an den Schulpfleger, Pfarrer Jaspis. Doch da folgte Ablehnung durch den Landrat. — Elberfeld, am 10. Juli 1850.

Aus Anlaß einer Vakanz (Hauptlehrer Hummeltenberg, gestorben 1852) und bei der gegenwärtigen Lage der Sache erneuern dieselben Deputierten am 19. März 1853 ihr Gesuch von 1850, daß nun für die 146 von 169 überhaupt vorhandenen schulpflichtigen Kindern Vohwinkels und Umgegend eine Schule ebenda geschaffen werde. Ihnen ständen auch die gesetzlichen Bestimmungen zur Seite laut Gesetz vom 17. Dezbr. 1811, nach denen auf je 100 Kinder, wovon wirklich 80 die Schule besuchen, eine Primärschule gegründet werden soll, um so mehr, wenn die Kinder mehr als 30 Minuten von der Schule entfernt wohnen.

Ergab die vom Schulpfleger, Pfarrer Jaspis, daraufhin gehaltene Besprechung eine Zustimmung des Schulvorstandes Sonnborn zu dem Antrag Vohwinkels, so waren doch noch allerlei Fragen zuvor zu erledigen, ehe an die Sache selbst herangegangen werden konnte, die durch Abtrennung von Sonnborn neu zu bestimmenden Einkünfte der Lehrer in Sonnborn und Vohwinkel, Aufbringung der Mittel für die Schullasten durch Heranziehung der Interessenten in Vohwinkel u. s. w. In Hinsicht auf den letzten Punkt verpflichteten sich dann die Vohwinkeler Interessenten, auf die Dauer von zunächst drei Jahren ein Schul- nebst Lehrerwohnzimmer zu stellen, sowie die nötigen Utensilien auf ihre Kosten zu beschaffen, wofern die Gemeinde Sonnborn ihnen nur das Normalgehalt für den Lehrer zukommen lassen wollte.

In diesem Augenblick erhob sich unerwartet ein Gegner des Projekts der Einrichtung einer Schule in Vohwinkel, nämlich der Bürgermeister Schnittert in Haan. Zunächst gab er seiner Ansicht Ausdruck, daß durch Bewilligung des Normalgehaltes die beabsichtigte Privatschule in Vohwinkel gewissermaßen als Normalschule angesehen werden könnte, wodurch die Gemeinde auch der Neubaupflicht unterworfen werden könnte, wenn es den Interessenten nicht mehr gefallen sollte, ihrerseits für die übernommenen Lasten weiterhin zu sorgen. Und wie Vohwinkel könnten auch die übrigen von Sonnborn abgelegeneren Gemeinden kommen und für sich besondere Schulen fordern.

Schließlich wäre noch zu beachten, daß der Schule Ober-Haan durch die Errichtung der Vohwinkeler Schule starker Abbruch geschehen würde. Auf den künftigen Lehrer in Vohwinkel eingehend, stellte der Bürgermeister die Frage auf, wovon dieser Lehrer leben wollte, wenn er nur das Normalgehalt erhielte und die Interessenten ihm nicht dazu noch das Schulgeld von der aufgeführten Schülerzahl (169) garantierten. Das entscheidende Wort spreche der Gemeinderat, ob er das Normalgehalt bewilligen wolle oder nicht. Er, der Bürgermeister, sei überzeugt, daß der Gemeinderat das Gehalt verweigern werde.

Alldem entgegen nahm sich jetzt der Landrat von Diest - Elberfeld der Vohwinkeler Schulsache ganz energisch an, sodaß der Bürgermeister von Haan sich genötigt sah, in einer langen Eingabe vom 8. September 1853 nochmal all das zusammenhängend darzustellen, was gegen das Projekt spreche. Als Neues erfahren wir dort, daß die Vohwinkeler Deputierten inzwischen tüchtig vorangeschritten wären, indem sie den Hilfslehrer Seynsche aus Elberfeld bereits contrahiert und demselben auch schon das Normalgehalt oder eine Privatentschädigung von 50 Rthlr. zugesichert hätten.

Hierzu bemerkt der widerstrebende Bürgermeister, er bedauere den Gehilfen Seynsche, daß er sich in ein solches unbestimmtes Verhältnis eingelassen habe, denn von Dauer sei das Projekt gewiß nicht. Wenn Sonnborn aus 3300 Einwohner oder für 380 Schulkinder bisher erst eine Schule besitze, sei das darauf zurückzuführen, daß Sonnborn von neun Elementarschulen umgeben wäre, von denen keine einzige über 1/4 Stunde von der Gemeinde entfernt ist, und welche, solange sie bestehen, von Kindern der Gemeinde Sonnborn besucht worden sind und heute noch besucht werden. Diese Schulen sind 1. u. 2. die evang. und kath. Schule zu Gräfrath, 3. die Schule in Oberhaan, 4. u. 5. die evang. und kath. Schule in Düssel, 6. die Schule in Langensiepen, 7. die auf dem Katernberg, 8. die Schule im Nützenberg und 9. die vom Arrenberg. Wenn aber jetzt oder später sich das Bedürfnis ergeben sollte, trotzdem noch eine zweite Schule in Sonnborn zu erbauen, so käme eine katholische Schule in Sonnborn selber, oder eine Schule in Wieden in Betracht, keineswegs in Vohwinkel, wo doch nur die wenigen der Station nahe wohnenden Familien eine Erleichterung für ihre Kinder erfahren würden. Dann aber auch ist das Lokal in Vohwinkel, wo sich das neue Unterrichtslokal aus einer alten Scheune des Hermann Wülfing hergestellt befindet, durchaus nicht gefahrlos zu nennen. Es liegt dicht an der Eisenbahn und an dem sehr frequenten Stationsorte Vohwinkel, wo sich täglich von morgens früh bis abends spät eine Menge Fuhrwerke aller Art bewegten und zwar an solchen Orten, die den Kindern nicht allein zugänglich, sondern auf dem sie sich zu bewegen angewiesen sind, da den Interessenten nur diese Nutzung des Gebäudes und des dahin führenden Weges, nicht aber dieser Umgebung zusteht, mithin ein Spielplatz für die Kinder nicht vorhanden ist, was schon viele Eltern, die ihre Kinder solchen Gefahren nicht gerne aussetzen, veranlassen wird, ihre Kinder nicht dahin, sondern nach Sonnborn zur Schule zu schicken.

Der Bürgermeister hatte sich in einem getäuscht, als er der Meinung Ausdruck gab, daß der Gemeinderat das Normalgehalt für den Vohwinkeler Lehrer nicht bewilligen werde. Am 22. September 1853 sprach sich der Gemeinderat zu Haan mit 6 : 2 Stimmen für die Bewilligung eines jährlichen Normalgehalts ad 66 Taler aus, jedoch nur für die Dauer von 3 Jahren.

Im Vertrauen auf ihre Sache und vielleicht auch auf die Einsicht des Gemeinderats Haan gegenüber seinem widerstrebenden Bürgermeister hatten die Deputierten weiter gearbeitet. Bald nach der Sitzung des Gemeinderats überreichten sie dem Landrat eine Urschrift über die für die Schullokalmiete und die Utensilien freiwillig gezeichneten Beiträge, eine Karte mit dem Entwurf des neuen Schulbezirks, die Liste der aufzunehmenden Kinder und einen schriftlich ausgesprochenen Wunsch zur Lehrerwahl. Das Schriftstück betr. den Lehrer für Vohwinkel lautete wörtlich: Der Unterzeichnete bescheinigt hiermit, daß folgende Glieder der hiesigen evgl. reform. Gemeinde fungierende Glieder des Presbyteriums gewesen sind, nämlich: Diederich Paschmann, Friedrich Volkmann, Karl Wilh. Hohstadt, Nath. Garnich, Friedr. Korten. I. Gottfried Lehmann, Karl W. Ackermann, Peter Hausmann, Friedr. Wilh. Holthausen, Peter Drienhaus. Vorstehende sind nach der beigeschlossenen Charte wahlberechtigte Mitglieder des Vohwinkeler Schulbezirks und erklären durch ihre eigenhändige Unterschrift, daß der Lehrer Johannes Seynsche in Elberfeld, dem sie mit voller Ueberzeugung als einem tüchtigen und würdigen Lehrer hiermit ihre Stimme geben, von der hohen Schulbehörde ihnen möge bestätigt werden. Sonnborn, den 30. September 1853. gez. Herminghaus, Pfarrer und Unterschriften.

Am 28. September d. Js. hatte eine Konferenz stattgefunden im Anschluß an eine örtliche Besichtigung, die folgendes feststellte: von den 169 Vohwinkeler Kindern besuchen zur Zeit etwa 90 die Schule zu Sonnborn, etwa 50, durchgängig evang., die kath. Schule zu Gräfrath, der Rest die Schulen zu Düssel, Meiseich u. s. w. 100 Kinder könnten sofort in dem Lokal Unterkunft finden, für 120 und mehr Kinder müßte ein Erweiterungsbau eintreten, was Interessenten auf sich nehmen wollen. Bei der gefährlichen Lage des Schullokals wird der Zugang zur Schule mit einem kleinen Umweg völlig nach hinten gelegt.

Endlich am 4. Oktober 1853 ging der Antrag des Landrats an die Kgl. Regierung zu Düsseldorf ab, über den Widerstand des Bürgermeisters von Haan hinweg.

Unter dem 14. Oktober 1853 — I. S. V. No. 4412 — genehmigt die Kgl. Regierung, Abtl. des Innern in Düsseldorf, „daß in dem Schulbezirk von Sonnborn vorläufig auf drei Jahre eine von dem Lehrer Seynsche zu Elberfeld zu haltende Privatschule in dem von den Interessenten bereitgestellten Lokale zu Vohwinkel errichtet und dem genannten Lehrer das von dem Gemeinderat der Spezialgemeinde Sonnborn gewährte Normalgehalt ausgezahlt werde.

Die Eröffnung der Privatschule mag mit der Eröffnung des Schulhalbjahres, dem 1. Novbr., im Jahre stattfinden. Danach wollen E. H. das Weitere hinsichtlich der Beaufsichtigung dieser Schule und der Kontrolle des Schulbesuchs in derselben, den bestehenden Vorschriften gemäß, anordnen und daß und wie solches geschehen uns berichtlich anzeigen. — An den Kgl. Landrat Herrn von Diest, Hochwohlgeboren zu Elberfeld.

Damit nimmt die Sache „Schule Vohwinkel“ ihren Lauf.

Eine Verfügung der Regierung von 1854 forderte Beschleunigung des schon vorgesehenen Schulbaues in Vohwinkel. Schule und Ort Vohwinkel waren günstig vorangekommen. Die bekannten Interessenten waren vorstellig geworden, ihre bisherige Privatschule durch eine Bezirksschule ersetzt zu sehen, wozu sie gleichzeitig unentgeltlich einen Bauplatz von 50 Ruthen Größe und die Ueberlassung der vorhandenen Schulutensilien gegen Rückvergütung von 110 Rthr. anboten; sie wollten sogar ein Kapital von 1200 Rthr. aufbringen und für einige Zeit zinsfrei hergeben.

Die Verhandlungen begannen und ließen von vorneherein erkennen, daß sofort eine zweiklassige Schule notwendig wäre, wenn auch zuerst ein Schulsaal für 150 Schüler in Benutzung genommen werden würde, der zweite Saal dem Lehrer vorläufig überlassen bleiben sollte. Bauplatz und Schule sollte 4484 Rthlr. kosten. Sie verlangten die Ausführung des Gruitener Schulbauprojekts, das die Klassenzimmer nicht über-, sondern nebeneinander vorsieht.

1855 dringen sie auf den Baubeginn, da es zu befürchten steht, daß der Unterricht unterbrochen wird, weil das jetzige private Unterrichtlokal von dem Eigentümer so schwach hergestellt ist, daß es zur Vermeidung von Gefahren schon vor einiger Zeit hat gestützt werden müssen und voraussichtlich bald der Baufälligkeit wegen verlassen werden muß.

Am 13. Januar 1856 berichtete der neue Bürgermeister Bilcke - Haan, daß der Bau so weit fortgeschritten sei, daß die Abnahme durch den Kreisbaumeister zu Elberfeld erfolgen könne. Auch über die Lehrerwahl sei man einig: Seynsche, mit dem Seminarzeugnis Nr. 1 versehen, seit 1853 Lehrer der 120 Vohwinkeler Kinder, habe sich als ein tüchtiger, fleißiger und treuer Lehrer bewährt und sei mit dem besten Erfolg begleitet gewesen; die Kinder hängen an ihm mit Liebe und Verehrung. Der Schulbezirk werde auch weiterhin von Haus 85 bis 130 gehen. Das Lehrergehalt sei etatsmäßig fest u. s. w. Statt der Privatschule könne nun die gemeindliche Elementarschule genehmigt werden.

Die Genehmigung der Regierung traf am 19. Januar 1856 ein. Beigefügt war ein Exemplar der Hirschberger Bibel als Geschenk S. M. an die evgl. Schule in Vohwinkel zur Aushändigung durch den Herrn Schulpfleger.

Das war der Freudentag Vohwinkels, als am Dienstag, den 23. Mai 1856 die neuerbaute Schule geweiht und bezogen wurde. Was man jahrelang erstrebt hatte, war da endlich erreicht!

Eine besondere Freude galt dem Lehrer. Johannes Seynsche, aus dem Seminar entlassen mit dem Zeugnis Nr. 1, ehemals Hilfslehrer an der Thomashofener Schule in Elberfeld, gewählt von den wahlberechtigten Mitgliedern des Vohwinkeler Schulbezirks unter dem Vorsitz des Pfarrers Herminghaus - Sonnborn zum ersten Lehrer der neugegründeten und genehmigten ,,Privat-Volksschule“ in Vohwinkel, feierlich dahin eingeholt am 31. Oktober 1853, damit er den Unterricht am Tage darauf beginne, bewährt als ein tüchtiger, fleißiger, treuer und erfolgreicher Lehrer, von den Kindern geliebt und verehrt, von den Eltern hochgeachtet, wurde nun auch der erste Lehrer der ,,gemeindlichen Elementarschule“ in Vohwinkel. 130 Kinder waren ihm anvertraut, die er in einer Klasse heranbilden sollte. Neu war das Schulhaus, günstig gelegen an der Chaussee, Rebstöcke rankten am Giebel empor, ein Brunnen, mit einem Kostenaufwand von 1000 Rthlr. 1857 erbaut, befand sich auf dem Schulhof und wird noch 1881 erwähnt, und neben dem Schulhaus ein recht großer Garten, — das war die Wirkungsstätte für Johannes Seynsche. Rüstig griff er die schwere Arbeit an. Der damalige Schulpfleger, Pfarrer Taube - U-Barmen, trat ihm hilfreich zur Seite. Die Schulgemeinde förderte ihn nach Kräften. 1859 wurde eine Lehrerin für die Näh- und Strickschule in Vohwinkel vom Gemeinderat Sonnborn bewilligt, sie erhielt 5 Thlr. Entschädigung. Und die Schülerzahl nahm ebenso an Weisheit wie an Zahl zu. Um den Lehrer zu entlasten, wurden 1859 etwa 40 Kinder in die neu errichtete katholische Schule nach Sonnborn umgeschult. Wenig half diese Maßnahme. Im Jahre 1861 war ihre Zahl wieder gestiegen, auf 150. Die II. Klasse mußte eingerichtet werden, deren Raum ja bereits beim Bau vorgesehen war. Hilfslehrer Hesselmann trat als zweiter Vohwinkeler Lehrer ein.

Zu dieser Zeit umfaßte nach den Akten des Landratsamtes (E. XVII. 8 — vom 20. Juni 1861) der evangelische Schulbezirk folgende Gehöfte zwischen Gräfrath und Sonnborn: Kluse, Roßkamp, Schieten, die Stackenberger Höfe, Miebachs und Kämpers Haus, Dasnöckel, Nockerhäuschen, die Bies, Nocken, Sonnenberg, Bollenheide, Mühlenpfad, unter der Eiche, Buchenhofen, Frohnetal, Schrödersbusch, Vogelsang, Hackland, Hammerstein. 1867 schieden die Kinder des Obersonnborner Bezirkes aus. Nichtsdestoweniger waren Herbst 1869 schon 260 Schüler vorhanden, daher die Errichtung der dritten Klasse ernstlich erwogen wurde. „In jüngster Zeit waren in Vohwinkel die zwei Fabriken Serrer und Neviandt entstanden. Andere industrielle Etablissements, Ringöfen, Eisenbahnwerkstätten und dergleichen standen in Aussicht. Endlich sind in letzter Zeit mehrere Häuser gebaut worden“. — Zunächst half man sich, indem man ein Lokal von 21 5/6 Fuß Länge, 15 1/2 Fuß Breite, 7 1/2 Fuß Höhe für eine Klasse von 94 Schulkindern schräg gegenüber der bisherigen Schule von den Geschwistern Cleff (Cleef) anmietete und etwa 30 Kinder aus fremden Schulbezirken zum Beginn des nächsten Semesters auswies.

Die Cholera und Pockenepidemie tat dem Wachstum der Bevölkerung keinen Einhalt. 1873 hob dann der Erweiterungsbau an, gleich mit zwei Räumen und darüber liegender Lehrerwohnung. Es ging tatsächlich nicht so weiter, denn zu allem kam der Lehrermangel hinzu. Wird doch berichtet, daß Johannes Seynsche 1873 in Summa 308 Kinder von August 1873 bis Ostern 1874 ganz allein unterrichten mußte und unterrichtet hatte, wo eigentlich vier Lehrkräfte am Platze gewesen wären! In dem Lehrer Baumecker gewann man nach der schlimmen Vakanz wenigstens eine neue Kraft. Seine Frau arbeitete mit und übernahm aushilfsweise dazu den Handarbeitsunterricht, der damals zuerst in den Gesamtunterricht eingefügt war. Endlich erhielt 1875 die Schule die in. Klasse endgültig.

Aus demselben Jahr werden die Lehrergehälter u. a. berichtet:
Gehalt des Hauptlehrers Seynsche 1500,— Mk.
    "   für Lehrer Baumecker (II. Kl.) 1050,— "
   "   für seine Frau (III. Kl.) 900,— "
für Heizung und Bereinigung 225,— "
 "   Dinte und Federn 90,— "
 "   Lehrmittel und Reparaturen 300,— "
an Stricklehrerin Wegmann 120,— "
für Lehrerkonferenzen 37,50 "
 "   4 Strick- und Nähschulen 36,— "

Die Lehrer kamen und gingen. Johannes Seynsche allein blieb dauernd auf seinem Posten. Eine kleine Erleichterung erfuhr er, als am 27. August 1878 etwa 48 Kinder in die neue Schule Grotenbeck geschickt wurden. Welche Freude des Schulleiters und der Bewohnerschaft Vohwinkels im allgemeinen, als am 1. Novbr. desselben Jahres im Gustav Stöckerschen Saal das 25-jährige Bestehen der ersten Schule Vohwinkels festlich begangen wurde! — Schon 1879 kehrten 14 Kinder aus der ebenfalls überfüllten Grotenbecker Schule zurück. Auch von Schöller ausgewiesene Kinder mußten aufgenommen werden. Doch erst 1881 kam es zur Angliederung der IV. Klasse. Die Schule zählte 375 Kinder. Um einen V. Raum bei 393 Schülern zu gewinnen, mietete man 1883 ein Nebenlokal bei der Witwe Wulfing an. 1887 erstand die VI. Klasse bei 460 Schülern. Die Gründung der Schule Tesche im Jahre 1890 brachte einige Entlastung. Als 1894 mehrere Teile der Bürgermeisterei Haan zu Vohwinkel geschlagen wurden, eröffnete man die evangelische Schule Halbenberg und legte dorthin noch eine Parallelklasse der evangelischen Schule Vohwinkel, denn es waren in dem Jahre 110 Neulinge hinzugekommen. Hauptlehrer Seynsche hielt es an der Zeit, seine Pensionierung zu beantragen. Ehe er in den Ruhestand treten konnte, verschied er am 31. Januar 1895 mitten aus seiner Amtstätigkeit nach fast 42jahriger überaus gesegneter Schul- und Gemeindearbeit.

Sein Nachfolger wurde am 1. Mai 1895 der Hauptlehrer Friedrich Wilhelm Meyer, der allmählich zum Rektor aufrückte (1902). Gleichzeitig wurde der Umbau und ein Anbau beschlossen derart, daß auch die Schulbücherei und die Schuldienerwohnung untergebracht werden konnten. 1897 war alles fertig. Die Schule hatte jetzt 8 Klassenräume. Am 1. Mai 1899 wurde die erste technische Lehrerin angestellt. Leider verlangte die Entwicklung Vohwinkels nun ein großes Opfer von der Schule. Zur Vergrößerung des Ortes mußte das Schulgrundstück verkleinert werden. Es wurde der Schulgarten am 22. April 1897 an Interessenten zu Bauzwecken verkauft. Auch der auf dem Restgrundstück errichtete Feuerwehrturm beengte weiterhin die Schule in ihrer Arbeit. Als 1900 die Schwebebahn erbaut wurde, hoben überdies die Klagen über die gar zu große Störung des Unterrichts durch sie, durch den sonstigen Straßenlärm (bis 400 Fuhrwerke mit Schellengeschirren passierten täglich an Vormittagen, Drehorgelkonzerte häuften sich an), und die Beratungen begannen, wie diese Mängel und andere (Verdunkelung der Schule durch das Hofgebäude, Kanalgeruch) abzustellen wären. Durch Doppelfenster? (Ausgeführt 1905). Durch Asphaltierung der Straße? oder durch Verlegung der Schule? Allmählich machte sich abermals der Raummangel bemerkbar, denn 1906 mußte bei 551 Schülern die IX. Klasse eingerichtet werden.

Unter solchen wenig angenehmen Umständen übernahm, nachdem Rektor Meyer zum Kreisschulinspektor in Schubin Bez. Bromberg ernannt war, am 1. April 1910 Rektor Schiebuhr die Leitung der Schule, der seit 1907 als Hauptlehrer und seit 1908 als Rektor auf der Tesche gewirkt hatte. In seine Zeit fallen auch die Kriegsund Nachkriegsjahre. Trauer überschattete die Schule, als die Todesnachrichten ihrer Lehrer und Kriegshelden Kalversberg, Krautmacher, Brinkmann eintrafen. An den Kriegsheimarbeiten, wie Strümpfestricken, Erntehilfe, Sammlung von Liebesgaben, Metall, Altpapier, Nesseln, Laubheu u. a., Einrichtung von Kriegsgärten, Werbung und Zeichnung von Kriegsanleihen, Ausfertigung der Brot- u. a. Karten u. s. w. beteiligte sich diese Schule, sowie sich alle übrigen Schulen aufs lebhafteste und beste beteiligt und betätigt haben. Eine herzerhebende, mutstärkende Stunde erlebten die Schulen, als sie am 17. Februar 1915 zur Nagelung des „Eisernen Schwertes“ anruckten. Andererseits erfuhr diese Schule mit den übrigen Schulen die Teilnahme an den noch möglichen Hilfeleistungen, die der Feinde grausame Barbarei (Blockade), an dem deutschen Volk, besonders an den deutschen Frauen und Kindern verübt, notwendig machte, nämlich die Wohltat der Aussendung der „Pommernkinder“, später die der Quäkerspeisung, der Erholung auf Haus Linde. Was bedeutete bei solcher allgemeinen Not die Abtrennung einer Klasse (1920) nach evangelisch Halbenberg, das Herabsinken der Schülerzahl auf 381 (1920), die Herabminderung der Klassen und Lehrkräfte 1925 auf sieben? Es ließ sich ertragen.

Neue Hoffnung beseelte die Schule, als sie 1922 nach der stillen Karlstraße umziehen konnte, als auch ihr im selben Jahre der Konrektor bewilligt wurde, als ihr nun genügend Lehrkräfte und Raum und Platz und helles Licht und reine Luft und volle Ruhe zur Verfügung standen, ihre Arbeit zu leisten an der Bildung der deutschen Volksjugend für eine bessere deutsche Zukunft. Diesem hohen Ziel strebt auch der neuste (1927) Rektor der Schule, Gustav Schlipköter, zu.

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Wenn hiermit die Darstellung der Geschichte der evangelischen Schule Vohwinkels geschlossen wird, so werde ihre Länge und Weite entschuldigt mit dem Hinweis, daß es sich bei ihr um die „erste“ Schule Vohwinkels gehandelt hat. Die Geschichte der übrigen Schulen soll kürzer gefaßt werden, sie wird chronologisch nach der Zeit der Entstehung der Schulen durchgeführt.

Schule Obersonnborn. Ihre Geschichte geht ebenfalls auf eine ältere Zeit zurück. In den Akten des Landratsamtes E. XVII. 7, findet sich ein Gesuch, datiert vom 31. August 1864, unterschrieben von Heinrich Saurenhaus zu Saurenhaus u. a., an den Schulpfleger Pfarrer Dürselen in Ronsdorf im Anschluß an eine vor einigen Monaten bei dem Bürgermeister Bücken Haan geführte Beschwerde über die großen Schulversäumnisstrafen, die Errichtung einer eigenen Schule im „oberen Sonnborn“ für 70 evangelische und 10 katholische schulpflichtige Kinder zu befürworten. Die Schulversäumnisse seien natürlich bei den sehr schlechten Wegen und der weiten Entfernung der Schulen (zu Sonnborn, Vohwinkel, Düssel, Oberdüssel, Katernberg). Pfarrer Gottlieb-Sonnborn trat noch aus dem besonderen Grunde für die gewünschte Schule ein, weil es sich bei der Konfirmandenlehre herausstellte, daß die Kinder des oberen Sonnborns an Kenntnissen hinter den andern sehr zurückstanden.

Die Gemeinde Sonnborn beschloß jedoch am 13. September 1865, die Errichtung einer neuen Schule in Obersonnborn vorläufig und, bis es durchaus notwendig erscheine, auszusetzen.

Der in diesem Bericht stark angegriffene Pfarrer Gottlieb - Sonnborn ruhte nicht, sondern reichte am 26. November 1866 ein Gesuch ein um Bewilligung von 120 Thlr. für Lehrergehalt und von 50 Thlr. für Anmietung eines Schullokals in einem Gehöft am Neuen Hagen, also zur Gründung einer Privat-Elementarschule, worauf der Gemeinderat zu Sonnborn für zwei Jahre einging.

Da protestierte Elberfeld gegen diese Schule, weil die Stadt nicht um Erlaubnis angegangen sei, in dem ihr zugehörigen Hause Bergerheide Nr. 5 die Schule aufmachen zu dürfen. Pfarrer Gottlieb fand ein anderes Schullokal im Frankenholz auf Sonnborner Gebiet und eröffnete mit Genehmigung der Regierung die Schule mit Lehrer Hinkelmann und mehr als 60 Kindern am 13. Mai 1867.

Der Schulbezirk Obersonnborn (Akten des Landratsamis E. XVII. 7 — vom 28. September 1868) wird durch die alte Kohlstraße in einen größeren nördlichen und einen kleineren südlichen Teil geteilt. Der nördliche ist ein Hochplateau mit zwei Einsenkungen bei im Frankholz und bei Kütenhaus, der südliche eine sanfte Abdachung desselben von der alten Kohlstraße nach der Elberfeld Mettmanner Chaussee. Der nördliche Teil ist durch rauhes Klima und sterilen Boden charakterisiert, der südliche liegt gegen Norden geschützt und ist fruchtbar. Im nördlichen wohnten damals 151, im südlichen (Steinberg und Piep miteingerechnet) 239 Seelen.

Am 1. Mai 1869 wurde die Schule zu einer öffentlichen Schule erhoben. Als Bauplatz für das neue Schulgebäude wurde gewählt ein Stück des Steinwegschen Ackerlandes, Parzelle 95 Flur II, weil es am günstigsten gelegen ist. 1871 wurde das Schullokal bezogen, die zunächst einklassige Schule dem Lokalschulinspektor Pfarrer Vowinkel - Sonnborn (1874) unterstellt, der Schuletat (1875) wie folgt festgesetzt:
Gehalt für Lehrer Hinkelmann 1350 Mk.
    "   für Stricklehrerin Gantenberg 105 "
Für Heizung und Bereinigung 75 "
  "  Dinte und Federn 30 "
  "  Lehrmittel und Reparaturen 330 "

Im Jahre 1879 mußte für 97 Schüler Halbtagsunterricht eingerichtet werden. November 1881 war der Anbau für eine II. Klasse fertiggestellt, wurde aber erst 1890 in dauernde Benutzung genommen, als in Obersonnborn eine einklassige katholische Schule unter Lehrer Held (vergl. Wieden) erstand.

Den Lehrer Hinkelmann, der im Dienste am 27. Mai 1890 starb, löste nach einer Zeit der Vertretungen am 1. April 1891 Lehrer Hüttemann ab. Aus seiner Tätigkeit ist besonders noch seine Fürsorge für die Schulentlassenen hervorzuheben, er richtete mit Lehrer Held eine Winterfortbildungsschule ein.

Als Lehrer Spiecker am 1. Januar 1896 die Schule übernahm, wurde im Sommer dieses Jahres endlich auch der II. Lehrer angestellt. Die Schülerzahl stieg auf 114. — Die katholische Schulklasse wanderte auf die Tesche.

Aus den nun folgenden Jahren ist nichts Bemerkenswertes zu erwähnen. Erster Lehrer Spiecker rückte Herbst 1922 zum Konrektor in Vohwinkel auf, sein Nachfolger in Obersonnborn wurde Erster Lehrer Hemscheid.

Evangelische Schule in der Grotenbeck, jetzt Yorkstraße. Sie erstand zweiklassig infolge der Ueberfüllung der Schulen in Sonnborn und Vohwinkel. Am 29. August 1878 eingeweiht, wurde sie für zunächst 165 Schüler bestimmt. Ihr erster Lehrer war der Hauptlehrer Busch aus Elberfeld, den 15 zweispännige Wagen mit Vorreitern feierlichst einholten. Lehrer Eichholz wirkte als II. Lehrer.

Schon 1879 war die neu erbaute Schule gegenüber der wachsenden Schülerzahl zu klein, die Kinder von Bruch und Stackenberg mußten nach Vohwinkel zurückgeschickt werden. Als eine abermalige Ueberfülle im Jahre 1885 eintrat, wurden 75 Kinder nach der erweiterten Pfarrschule in Sonnborn umgeschult. Grotenbeck behielt 135 Schüler in seinen zwei Klassen.

Dem Wachstum der Ortschaft nachgebend, erbaute die Gemeinde 1899 zwei weitere Klassenräume. Als jedoch schließlich sogar die VI. Klasse hinzukam, mußte ein ganz neues Schulgebäude aufgeführt werden, zumal auch die katholischen Schüler der Grotenbeck nach einer eigenen Schule trachteten. Der Neubau mit 6 Räumen und Rektor- und Lehrerzimmer und eine Haushaltungslüche wurde in der Yorkstraße aufgeführt und 1907 bezogen.

Als 1910 noch die VII. Klasse eröffnet werden mußte, war wieder ein Notstand da. Weil aber die katholische Schule nicht über drei Klassen hinausgelangte, konnte sie an die evangelische Schule einen Raum abgeben.

Der 1911 zum Rektor ernannte Hauptlehrer Busch amtierte bis 1. Oktober 1913, wann er nach 45 Amtsjahren in den Ruhestand trat. 35 seiner Jahre hatte er der Jugenderziehung in der Grotenbeck gewidmet gehabt. Als sein Nachfolger wurde 1914 Rektor Jung gewählt.

Unter ihm stieg die Schule auf 8 Klassen (1920). Weil aber die Schülerzahl zurückging, wurde 1925 die VII. Klasse abgebaut, so daß die Schule heute siebenklassig ist.

Katholische Schule zu Vohwinkel auf dem Rottscheidt. Zunächst einiges aus der Chronik der katholischen Schule zu Sonnborn. Die Remise des „Kaiserlichen Hofes“ zu Sonnborn (heute die Apotheke), der zur Einrichtung einer katholischen Kapelle und Pfarrwohnung angekauft war (4. Mai 1854), wurde zu einem Schulsaal umgebaut. Am 7. Januar 1857 eröffnete Lehrer Gerhard Glasmacher dort die erste katholische Schule mit 107 Schülern, darunter auch evangelische gewesen sind. Zum katholischen Schulbezirk Sonnborn gehörten aus der heutigen Bürgermeisterei Vohwinkel die Ortsteile Saurenhaus, Sandfeld, Wieden, Nösenberg, Buntenbeckerhäuschen (1867 an Schöller), Tesche, Siegersbusch (1867 an Schöller), Krutscheid, Simonshaus, Gürtscheid, Rottscheid, Nocken, Sonnenberg, Unter den Eichen und der von diesen Ortschaften eingeschlossene Teil mit Hammerstein, Grotenbeck, Vohwinkel u. s. w. — 1862 trat eine Rückentwickelung ein, da die Baumwollspinnerei in Hammerstein sich gezwungen sah, einen bedeutenden Teil ihrer Arbeiter zu entlassen; teilweise zogen die Arbeiter auch freiwillig fort, um an anderen Orten mehr zu verdienen. Die Schülerzahl ging bis auf 97 im Jahre 1865 herunter. Doch erholte sich die Schule allmählich, 1876 zählte sie in 3 Klassen bei 2 Lehrern 225 Schüler. Im Mai 1880 gab sie 89 ihrer Schulkinder und eine Lehrerin an die neu eröffnete katholische Schule in Vohwinkel auf dem Rottscheidt ab, behielt selbst 184.

Vergl. nun die Akten des Landratsamts XVII. 8. Wir gehen in der Geschichte der Schule nochmals weit zurück. Haan, 21. 2. 1861: „Im Jahre 1807 bestand in Sonnborn weder eine katholische Schule noch eine Kapelle. Die katholischen Kinder, welche die Schule besuchen wollten, mußten entweder nach Gräfrath oder nach Düssel gehen. — Jetzt (seit 1859) ist es anders, es besteht für die Gemeinde Sonnborn eine eigene, zweiklassige katholische Schule, auf welche die Kinder hingewiesen sind.“ — Allerdings brachte die Entscheidung der Königl. Regierung zu Düsseldorf vom 28. August 1861, wonach die Ortschaften aus der Gemeinde Sonnborn und Haan, welche seither zum Bezirk der katholischen Schule zu Gräfrath gehört haben, auch ferner bei demselben zu verbleiben haben, eine stärkere Belastung der Gemeindekasse mit sich. Denn in Gemäßheit der Instruktion vom 21. Juni 1812 hatten sonach die Ortschaften von Sonnborn und Haan, „der überschießende District“, zu den Bedürfnissen der Mairie, worin der Hauptteil des Schulbezirks gehört (Gräfrath), zu concorrieren und sich demgemäß auch an den Kosten der Erweiterung der Schule zu Gräfrath zu beteiligen. — Vohwinkel angehend, wird unter dem 19. November 1863 angegeben, daß auf der Kluse, Bies, Schieten, Dasnöckel 88 katholische Knechte und Mägde einschl. Kinder vorhanden gewesen waren. Daß in dieser Zeit aus der Vohwinkeler Schule 40 katholische Kinder nach Sonnborn abwandern mußten, ist schon an anderer Stelle erwähnt worden.

Dies erweist, wie schwierig bisher die Errichtung der katholischen Schule in Vohwinkel selbst gewesen ist, und erklärt, weshalb erst am 3. Mai 1880 die hiesige katholische Schule auf dem Rottscheidt gegründet und bezogen werde konnte. Das Grundstück, auf dem die Schule erbaut wurde, hatte der Witwe Mathias Wülfing gehört, war 26 a groß, kostete 6660 Mk., während der Schulbau die Summe von 39600 Mk. gefordert hatte.

Der Schulbezirk umfaßte Vohwinkel mit Hasnacken und dem Kaffeedreck, Siegersbusch, Osterholz, Krutscheidt, Kirschsiepen, Rottscheidt, Halbenberg bis zur Kluse, Braken, Bies, Roßkamp, Dasnöckel, Stackenberg, Bruckerhäuschen, Bruch bis zum Wege Pfannkuchen und bis zum Wege nach Nathrath und Hoffnung. Er ist in den Jahren unverändert geblieben, wenngleich einzelne Ortsnamen verschwunden sind. 158 Kinder in 2 Klassen wurden dem Lehrer Hermkes und einer Lehrerin anvertraut. Die Handarbeitslehrerin war die dritte Kraft (vergl. evgl. Schule). In dem nächsten Jahre wurde die Lehrerin durch einen Lehrer ersetzt.

Die Schülerzahl nahm stetig zu. Das Gebäude wurde 1883 durch Aufhebung der zweiten Lehrerwohnung innen ausgebaut und immer von neuem durch Anbauten erweitert. Im Jahre 1909 erreichte die Schülerzahl mit 719 Kindern in 12 Klassen ihren Höhepunkt, obschon 1902 der katholische Schulbezirk Halbenberg abgetrennt war. Die Zunahme der Schülerzahl hängt mit dem Wachstum Vohwinkels ebenso zusammen, wie sie mit der Gründung der selbständigen katholischen Kapellengemeinde (1896) und mit dem Bau der katholischen Kirche (1907) inmitten der seit 1901 bestehenden katholischen Pfarrgemeinde zusammenzubringen ist. Die hohe Schülerund Klassenzahl vermochte sich nicht zu halten. Ab Herbst 1910 sank die Zahl der Klassen auf 10, die der Schüler auf 571. Das Herabgehen der Geburten und die Notwendigkeit, dem absterbenden Halbenberg zu helfen, hat schließlich 1926 die Schule in Rottscheidt auf 8 Klassen festgelegt.

Leiter der Schule war Rektor Hermkes bis 1913, danach Rektor Möllerfeld.

Die in Vohwinkel nächst gegründeten Schulen waren die am 1. Mai 1890 gleichzeitig eröffneten Schulen auf der Tesche und in Wieden, von denen die Geschichte der Schule Wieden weiter zurückreicht.

Schule Wieden (Akten des Landratsamts E. XVII 6). Am 8. August 1854 erließ die Kgl. Regierung zu Düsseldorf, Abteilung des Innern, ein Excitatorium wegen Errichtung einer Schule zu Wiedenhäuschen an den Kgl. Landrat Herrn von Diest in Elberfeld. Dessen Antwort lehnt die Schule ab, weil Ende des vergangenen Jahres die Errichtung einer Privatschule zu Vohwinkel genehmigt war, die jetzt schon laut Beschluß des Gemeinderates von Sonnborn in eine zweiklassige förmliche Elementarschule erweitert werde. Dadurch werde auch einem Teile der Wiedener Schulkinder geholfen, denn der Weg, eine Chaussee, sei für alle gut gangbar. Mehrere andere Kinder wohnten auch nahe bei andern Schulen. Für den Rest von 34 Kindern sei die Schule Wieden wohl wünschenswert in Hinsicht auf die schlechten Wege, aber nicht so notwendig wie gerade jetzt die Schule für das mehr als Wieden aufstrebende Vohwinkel. — Die Schulsache Wieden fand an Bürgermeister Schnittert-Haan eine starke Stütze, der wiederum die Förderung der Schule in Vohwinkel ablehnte. Doch endete sie die Regierung zu Düsseldorf, indem sie am 5. September 1856 dem Stephan Schieffer und Genossen zu Wiedenhäuschen endgültig kundtat, daß mit der Schule zu Vohwinkel, die erstehen müsse, ja auch den meisten Kindern aus der Umgegend von Wieden geholfen sei.

Jahrzehnte vergingen. Endlich wurde am 1. Mai 1890 eine einklassige katholische Schule in dem Gebäude der evangelischen Schule Obersonnborn für 50 Schulkinder unter Lehrer Held aufgetan. Es war eben nicht mehr möglich, diese Kinder bei den argen und gefahrvollen Wegen noch weiter nach Sonnborn oder Düssel zu schicken. Mitten durch Gebüsch führte der Weg, und der Lüntenbecker Weiher hatte bereits ein Opfer gefordert. Der Winter machte den Schulbesuch geradezu unmöglich.

Bald (1896) wanderte die katholische Schule von Obersonnborn fort (siehe da). Sie fand in dem Saal der Witwe Küller auf der Tesche eine wenig angenehme Unterkunft. Ob Kälte oder Hitze, der Aufenthalt daselbst war für Lehrer und Kinder eine gesundheitschädigende Zumutung. Welch eine Freude, als am 25. November 1899 die neu erbaute Schule in Wieden eingeweiht werden konnte! Das Volksfest bei Kimmel gab dieser Freude beredten Ausdruck.

1902 verließ Lehrer Held Wieden, um die Schule auf dem Halbenberg zu übernehmen. An seine Stelle trat Lehrer Meuter. Bei 88 Kindern richtete er im Jahre 1905 Halbtagsunterricht ein. Das Jahr 1906 brachte dann den leider nur einstöckigen Anbau und einen neuen Lehrer, Eul, gestorben im Amt 1918, dem Erster Lehrer Stang folgte. 1929 tritt Flüchtlingslehrer Greipel die Schulleitung an.

Im Jahre 1923 ist die Schule in Ansehung von 119 Schulkindern 3-klassig geworden, befindet sich aber seit Ostern 1928 im Rückgang.

Evangelische Schule auf der Tesche. Der Schulbau wurde 1889 auf dem Grundstück Stöcker-Nathrath, schön gelegen an einem Wäldchen, angefangen. Auch ein Garten gehörte zu ihr. Die Ueberfülle in der Vohwinkeler evangelischen Schule und die Gefahr des Ueberschreitens der Bahngeleise, ein Zustand, der bis 1908 dauerte, waren die Veranlassung des Baus. Am 1. Mai 1890 eröffnete diese Schule Lehrer Eichholz, bisher an der Schule Grotenbeck, mit 72 Kindern. Natürlich war die Schule zu klein, die Kinder vom Hasnacken blieben bei der Schule in Vohwinkel. Zur Aushilfe wurde schon 1893 für die II. Klasse der Saal bei dem Wirt Bremkamp „in der Kuhl“ angemietet, der Neubau schon am 1. August ds. Js. bezogen. Eine 3-klassige Schule mit 2 Lehrern richtete man 1896 ein, weil die Schülerzahl auf 180 gestiegen war. Danach begann die Eisenbahnverwaltung die Beamten- und Arbeiterhäuser auf der Tesche zu erbauen, während die private Bautätigkeit der Firma Coeding und Schlipköter sich die Aufgabe stellte, ebenfalls die Tesche aufzubauen. Der Aufschwung Vohwinkels war von da ab ganz gewaltig, doch beklagte sich die Tesche immer von neuem, dabei übergangen zu werden. Aber auch sie bekam ihren Anteil, wie dies an dem Wachsen ihrer Schule bemerkbar ist, die von 1902 ab fast Jahr um Jahr um eine Klasse vermehrt und vergrößert werden mußte. 1908 hatte sie 6 Klassen.

Hauptlehrer Eichholz starb 1906. Sein Nachfolger wurde 1907 Hauptlehrer Schiebuhr, Rektor ebenda seit 1. April 1908, den infolge seines Abganges zur evangelischen Schule in Vohwinkel am 1. Juli 1910 Rektor Hof ersetzte. 1928 trat Lehrer Bühler als Rektor ein.

Die Schule ist nun 8-klassig mit 2 Parallelklassen. Dies rührt daher, weil die Stadt Vohwinkel auf dem Tescher-Berg, der zum Bahnhof absteigt, eine ganz neue Siedlung angelegt hat und sie kräftig fördert. Hiermit ist die Schule Tesche die aussichtsreichste der Schulen Vohwinkels geworden. Als solche hat sie auch 1929 als erste von allen Volksschulen einen Anbau mit Turnhalle, Zeichensaal, Schulräumen und einer Jugendherberge erhalten.

Evangelische Schule Halbenberg. Daß sie ebenfalls wegen Ueberfülle der evangelischen Schule Vohwinkels und der Eingemeindung von Porten und Höhe am 1. Juni 1894 eingerichtet werden mußte, ist schon vorher gesagt worden.

Ihr eigenes Gebäude wurde am 4. Mai 1895 eingeweiht, Lehrer Kesper stand ihr vor. Von 65 ist sie allmählich auf 219 Schüler im Jahre 1921 gestiegen, daher sie auch seit 1904 von einem Hauptlehrer geleitet wird und 1905 einen Anbau erhalten hatte.

Der Schulbezirk umfaßt Halbenberg, Braken, Bies, Kluse, Roßkamp, Schlüssel, Engels-, Rauhen-, Schäfershöhe, einen Teil der Solinger- und seit 1920 auch der Königstraße.

Was das Schulleben auf dem Halbenberg besonders gestaltet, ist das Wirken des schon 1895 erstandenen Schulvereins. So konnten dort erfreuende und erfolgreiche (Weihnachtsbescherung) Schulfeste gefeiert werden. Es konnten der Tierschutz-, Flottenverein, der Bergische Verein für Gemeinwohl, die Obstbaumpflege wohl gedeihen. In den Grenzen des Schulbezirks liegt die Badeanstalt Volkmann. Die Höhenlage reizt auch zu andern turnerischen und sportlichen Uebungen und Betätigungen. 1927, 1928, 1929 errang die Turnergruppe dieser Schule bei den Reichsjugendwettkämpfen das „Banner“ der Stadt Vohwinkel.

1917 wurde Hilfsschulleiter Bernhard, 1924/25 Lehrer Scheidt Hauptlehrer.

Katholische Schule auf dem Halbenberg. Erst eine Zeitlang später ist sie erstanden. Sie wurde am 4. August 1902 mit Lehrer Held, der von Wieden herübergewechselt war, und 96 Kindern, aber zunächst unter Leitung von Rektor Hermkes - Rottscheidt gegründet. Ihr Bezirk deckt sich im großen und ganzen mit dem der dortigen evangelischen Schule. Als im Dezember 1902 der II. Lehrer einzog, wurde die Schule selbständig.

Auch sie besitzt einen rührigen Schulverein, der den Schulleitern Held (bis 1922), Brockers (bis 1927), Meier (ab 26. 4. 1927) kräftig zur Seite steht.

An einem Uebelstand krankt die Schule bedenklich, an Schülerschwund. Ostern 1927 hatte sie nur noch 47 Kinder in den 2 Klassen! Da half Rottscheidt schwesterlich aus und gab aus seinem Bestand von der Königstraße 22 Schüler her, hoffend, dadurch die katholische Schule Halbenberg zweiklassig erhalten zu können.

Katholische Schule Grotenbeck. Sie wurde als letzte der Vohwinkeler Volksschulen gegründet, am 1. April 1907, zuerst Filialklasse von der Schule Rottscheidt unter Lehrer Schützendorf mit 59 Kindern, dann seit 1910 selbständige Schule unter Erstem Lehrer Heuer, der mit Errichtung der 3. Klasse 1912 Hauptlehrer geworden ist. Sein Nachfolger ist seit 1928 der Erste Lehrer Herold.

Der Schulbezirk deckt sich mit dem katholischen Pfarrbezirk Sonnborn, soweit derselbe in die Grenzen Vohwinkels hineinreicht. Leider hindert dieser Umstand eine Verständigung mit der Mutterschule Rottscheidt in Ansehung dessen, daß die Schule Grotenbeck ebenfalls an Schülerschwund in doppelter Hinsicht leidet.

An und für sich ist sie von der Höchstzahl 144 im Jahre 1914 auf 79 Schüler im Jahre 1925/27 u. s. f., von 3 auf 2 Klassen heruntergegangen, und sonst verliert sie Schüler an das größere System in Sonnborn. —

Hilfsschule. Unter den Schulen Vohwinkels nimmt sie eine Sonderstellung ein. Sie ist durch Gemeindebeschluß vom 28. Juni 1912 gebilligt und unter Hilfsschullehrer Bernhard am 1. Juni 1913 in einem Klassenraum der evangelischen Schule eingerichtet worden. Sie soll diejenigen Kinder aus allen übrigen Volksschulen Vohwinkels sammeln, die „geistig nicht genügend entwickelt sind, um den normalen Unterricht zu empfangen“ (Min. Erl. vom 16. Juni 1894, U III A 1030) und den Namen führen „Hilfsklasse für schwachbegabte Kinder“. Aus ihrem Lehrplan ist noch hervorzuheben, daß „die Gegenstände, welche vorzugsweise geistige Anstrengung erfordern, zugunsten der auf die Entwicklung körperlicher Geschicklichkeit und praktischer Befähigung gerichteten zurücktreten“. Ihr Ziel „geht auch bei ihrer obersten Klasse wohl an keiner Stelle über das für die Mittelstufe einer normalen Volksschule hinaus“. Die Lehrkräfte werden in einem mindestens ein Jahr dauernden Kursus in Düsseldorf, Essen u. a. Orten vorgebildet und durch Ablegung einer Prüfung für befähigt erklärt.

Da die Hilfsschulklasse die evangelische Schule einengte, andererseits von der Behörde stets gefordert wird, die Hilfsschüler abzusondern, wurde für sie auf dem Platz hinter der evangelischen Schule eine eigene Baracke gebaut und am 10. Juli 1913 bezogen. 24 Kinder, paritätisch zusammengesetzt, erhielten hier zuerst den Unterricht.

Die Baracke hat später mancherlei andern Zwecken dienen müssen, z. B. als Isolierbaracke für Pockenkranke 1917, als Aufenthalt französischer Besatzung 1923, als Jugendheim seit 1926. Die Hilfsschule zog in einen Seitenflügel der Schule Rottscheidt, besitzt aber seit Mai 1928 wiederum eine eigene zweiklassige Baracke mit Nebenräumen in der Nähe des Lyzeums.

Hilfsschullehrer Schuetzler steht ihr seit 1. November 1919 vor, ihm zur Seite seit Ostern 1928 ein zweiter Lehrer. —

Einige Tatsachen allgemeinen Interesses seien hier nachgetragen:

Am 1. April 1908 tritt die „Schuldeputation“ an die Stelle der einzelnen Schulvorstände. Abänderungsgesetz am 7. Oktober 1920.

1910 wird der erste Kreiskommunalarzt als Schularzt mit dem Amtssitz in Vohwinkel eingesetzt. Am 1. Dezember 1919 folgt der zweite in Velbert.

1913 werden die Schulzahnkliniken von der Kreisverwaltung eingerichtet, deren Hauptstelle im Landratsamt zu Vohwinkel ist.

1917 im Frühjahr richteten sämtliche Schulen, ein treffliches Beispiel gebend, die sogenannten Schul- und Kriegsgärten ein. Leider ist diese Schuleinrichtung in der Nachkriegszeit eingegangen. 1929 lebt der Schulgarten wieder auf.

Anmerkung. 1928 beliefen sich die Kosten eines Volksschulkindes nach den Ansätzen des Haushaltungsplanes gemessen auf 130 Mk.

*


Anschließend an das große Kapitel „Volksschulen“ werden noch weitere Bildungseinrichtungen der Gemeinde für die Volksschulkinder erwähnt:

Die Kurse für Knabenhandfertigkeit. Die Schülerwerkstatt für erziehliche Knaben-Handarbeit wurde 1893 durch die Ortsgruppe Vohwinkel des Bergischen Vereins für Gemeinwohl ins Leben gerufen. Sie sollte eine Ergänzung zur strengen Geistesarbeit bieten, indem sie die Kinder durch praktische Arbeit zur praktischen Intelligenz führt. Neben diesem Hauptzweck wird erstrebt Bildung des Auges zur richtigen Erfassung von Form- und Farbenverhältnis, Hebung des Schönheitsgefühls, Sinn für häusliche Beschäftigung, richtige Würdigung der gewerblichen Tätigkeit, Aussöhnung der Klassengegensätze durch das Nebeneinanderarbeiten von vornehm und gering. Ueber den erziehlichen Zweck schreibt die Vohwinkeler Zeitung November 1905 folgendes: „Das Schöne haftet an den Formen, das Moralische an dem Muß! Wo würde im jugendlichen Alter das zwingende Muß wohl liebenswürdiger, wo ungezwungener erkannt als bei Anfertigung eines Gegenstandes, der brauchbar, gefällig oder gar hübsch werden soll! Wie muß hierbei der kindliche Eigenwille zurückstehen vor dem unerbittlichen kleinen Worte, das so vielen späteren Handlungen den Stempel aufdrückt. Wohl dem, der seinem zwingenden Inhalt zu folgen von Jugend auf angelegentlich gewöhnt wurde!“

Im Jahre 1901 wurde die Schülerwerkstatt auf die Rechnung der Gemeinde übernommen, die ihr eigene Räume in der Schule auf dem Rottscheidt schaffte. So konnten die Papp-, Schnitz- und Hobelbankarbeiten tüchtig gefördert werden. Auch die Mädchen, besonders die der höheren Mädchenschule, nahmen ab 1903 regen Anteil. Weil allmählich sechs Kurse nebeneinander herliefen, wurde 1906 eine zweite Arbeitsstätte an derselben Schule eingerichtet.

Die Leitung lag in der Hand von Rektoratschullehrer Flötgen. 1909 trat Lehrer Bernhard vornan. Hilfskräfte, aus dem Gewerbe und namentlich aus der Lehrerschaft standen ihnen ausreichend zur Seite. Der Krieg unterbrach 1914 die Arbeiten, erst 1926 wurden sie, abermals vom anfangs genannten Verein angeregt und unterstützt, unter Führung von Hilfsschullehrer Schuetzler wieder aufgenommen. Der Raum befand sich nun in dem Keller des neu erbauten Realgymnasiums in Hammerstein.

Nur für die Fortbildung der Schülerinnen bestimmt war die Haushaltungsschule, die 1908 in dem eigens hergerichteten Keller der Schule Yorkstraße ausreichend untergebracht war. Mädchen der letzten Schuljahrgänge waren die von einer technischen Lehrerin (Fräulein Kamp) Unterwiesenen, worin, besagt der Name der Schule. 1915 wurde sie infolge der Kriegszustände unterbrochen. Sie erstand wieder 1919 in der andern Form der Berufsausbildung der schulentlassenen Mädchen, demgemäß auch an- und eingegliedert in die städtische Berufsschule, wo am 1. April 1922 die Pflichtfortbildungsschule für Mädchen eingeführt wurde. Fräulein Kamp, jetzt Berufsschullehrerin, wirkt dort weiter in derselben bewahrten Art.

Nehmen wir die Begabtenförderung, welche im Anschluß an den Artikel 146 der Reichsverfassung auch in Vohwinkel 1919 von der sozialdemokratischen Partei beantragt, mit Hilfe der Stadtverwaltung in Form einer Begabten-Klasse, die Lehrer Storch führte, versucht, dann aber fallen gelassen und als Freistellen für Begabte an den höheren Schulen durchgeführt wurde, — hinzu und die Einrichtung des Schulkinos, das ein Gemeinderatsbeschluß vom 27. August 1919 genehmigte und das 1926 zur Hebung aller Bildungsbestrebungen im großen Stadtsaal aufgebaut worden ist, — so haben wir damit die Förderung des elementaren Bildungswesens der Stadt erschöpft.

*

Die Volksschule leitet in Leben und Beruf und zu den höheren Schulen über. Wir reden nun von der Berufsschule und von den höheren Schulen.


Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

Vereinigung mit Elberfeld

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