13. Der Weltkrieg und seine Folgen
für Vohwinkel.
1914—1920.
Das Gemeindeleben im ersten Drittel des Jahres 1914
bewegte sich in den hergebrachten Bahnen. Die Verwaltung war auf die Fortführung des bisher Erreichten bedacht.
Am 25. Februar 1914 beschlossen die Gemeindeverordneten die Dienstwohnung des Bürgermeisters im Rathaus für Bürozwecke in Benutzung zu nehmen, dafür aber dem Bürgermeister an der Hohenzollernstraße ein Eigenheim mit Garten als Dienstwohnung zu erbauen. Im Juni d. Js. wurde der Bau begonnen und 1915 vollendet.
Ein zweiter Bau wurde ebenfalls im Juni d. Js. angefangen. Nachdem am 20. Mai d. Js. das Projekt des neuen, vergrößerten Realschulgebäudes, das für die künftige „ausgebaute“ Anstalt vorgesehen war, genehmigt und am 17. Juni d. Js. eine Anleihe von 200000 Mk. aufgenommen war, erfolgte die Grundsteinlegung Roonstr. 52 (Hammerstein). Erst 1922 konnte das Gebäude bezogen werden. Doch noch 1924 setzten sich seine wechselvollen Geschicke, die es während der Kriegszeit erlebte, fort.
Innerhalb der Verwaltung trat eine Veränderung ein. Als der bisherige Spar- und Gemeindekassen-Rendant gestorben war, beschloß man am 20. Mai 1914, die Kassen voneinander zu trennen. Es wurden die besonderen Posten eines Sparkassen-Rendanten und eines Gemeinde-Empfängers eingerichtet und mit Beamten, die vorhanden waren und sich bewährt hatten, besetzt. — Die Sparkasse wies eine Zunahme der Sparer und Spargelder auf und ließ einen hohen Reingewinn für den Jahresabschluß erwarten.
Die gewöhnlichen Musterungen der Militärpflichtigen wurden in unveränderter Form abgehalten.
Unter die Steuern wurde eine neue aufgenommen, denn mit dem 1. April 1914 trat das Gesetz über den einmaligen außerordentlichen „Wehrbeitrag“ vom 3. Juli 1913 in Wirksamkeit. In der Gemeinde Vohwinkel wurden 279 Beitragspflichtige mit einem Beitragssoll von 124197 Mk. veranlagt.
Die Schulen blühten. 46 Volksschullehrkräfte und 5 technische Lehrerinnen zählte die Gemeinde. Hinzu kamen die zwei höheren Schulen und die Fortbildungsschule. Es gab 2621 Volks-, 457 höhere und 428 Fortbildungsschüler.
Im Armen- und Versicherungswesen trat eine Verschiebung oder Verschlechterung nicht ein.
Der Gesundheitszustand der Bevölkerung ließ sich im allgemeinen günstig an- Es praktizierten hier 1 Kreisarzt, 4 praktische Aerzte, 1 Zahnarzt, 1 Kreiskommunalarzt, 1 Kreiszahnarzt.
Die Wohlfahrtspflege ging anfangs des Jahres 1914 ihre gewohnten Bahnen.
Der Ortsausschuß für Jugendpflege; dem sich 4 neue Vereine zu5 gesellt hatten (Fußballklub Alemannia, 2 evangelische Jungfrauenvereine, 1 katholischer Jungfrauenverein) veranstaltete noch am 26. Juli 1914 ein gemeinsames Spielfest, das wohl gelang.
Das Vereinswesen schritt fort. In hiesiger Gemeinde gab es damals allein 5 Kriegervereine mit insgesamt 500 Mitgliedern.
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Da wurde am 31. Juli 1914 auch für den Bezirk des VII. Armeekorps der Kriegszustand erklärt. Von jetzt ab war den Anordnungen und Aufträgen der Militärbefehlshaber Folge zu leisten. Am 1. August 1914, nachmittags 6 1/2 Uhr, überbrachte ein Telegraphenbote den Mobilmachungsbefehl, den der Bürgermeister sofort an die vor dem Rathaus versammelten Bürger bekanntgab, die ihn mit Begeisterung aufnahmen.