12. Vohwinkels kommunaler Aufstieg.

von 1988 bis 1913.


Sobald Vohwinkel am 1. Juli 1888 selbstständige Landbürgermeisterei geworden war (vergl. Abschn. 9) begann sein außergewöhnlicher Aufstieg. Dies beweisen

Zahlen

wohl am klarsten. Im Jahre 1888 hatte Vohwinkel 3315 Einwohner, im Jahre 1902 waren es schon 10247, und 1913 zählte man 15688.

Auch der Flächenraum der Gemeinde ist in diesem Zeitabschnitt gewachsen. Während er bei der Abtrennung von Sonnborn im Jahre 1888 1154,92 ha groß war, erfuhr er bald darauf, am 1. April 1890, durch Abgabe des Gutes Buchenhofen an die Stadt Elberfeld eine Verkleinerung und sank auf 1114,53 ha herab. Der Unterschied wurde jedoch ausgeglichen, sogar überholt, als durch Allerh. Erlaß vom 26. Mai 1893 die Gemeinde Haan geteilt wurde (Haan-Gruiten). Schon 1890 hatte Haan Bestrebungen auf Verleihung der Städteordnung aufgenommen gehabt. Das hatte zu einem Antrag der Bewohnerschaft des an Vohwinkeler Gebiet grenzenden östlichen Teiles von Oberhaan auf Errichtung einer eigenen Landgemeinde für dies Gebiet oder auf Eingemeindung nach Vohwinkel geführt. Nachdem sich der Gemeinderat Vohwinkels mit der Eingemeindung einverstanden erklärt hatte, endeten die Verhandlungen mit jenem Erlaß, der die Eingemeindung aussprach. Durch Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten wurde als Tag der Umgemeindung der 1. April 1894 festgesetzt. Damals kamen die Ortschaften Simonshaus, Porten, Görtscheidt, Höhe, Bremkamp, Schlüssel, Engelshöhe, Rauenhöhe an Vohwinkel, das nun 1212,63 ha zählen konnte. Eine Entschädigung oder Abfindung wurde von keiner der beiden Seiten gezahlt. — Seit 1908 wird der im Grundsteuerkataster infolge Neuvermessungen amtlich nachgewiesene Flächenraum mit 1223 ha 51 ar 90 qm angegeben.

Der Haushaltsplan belief sich insgesamt 1889/90 auf 68000 Mk., 1907 auf 540000 Mk. und 1914 schon auf 1126200 Mk.

Vermögen und Schulden verteilten sich wie folgt: 1889 92560 Mk. Vermögen (und zwar Barvermögen, Immobilien, Mobilien, Reservefonds der Sparkasse) gegenüber 56729,40 Mk Schulden. 1908 2860183,25 Mk. Vermögen gegenüber 1292229,21 Mk. Schulden, was auf den Kopf der Bevölkerung (14359) einen Vermögensbetrag von 109,15 Mk. nach Abzug der Schulden ergab. 1913 standen 3102709,58 Mk. gegenüber 1203261,45 Mk., so daß die Gemeinde Vohwinkel damals fast 2 Millionen Mark Reinvermögen besaß.

Der Reservefonds der Sparkasse, der mit der Sparkasse Sonnborn 1888 auf Vohwinkel übernommen war, belief sich auf rund 5000 Mk. Er stieg dauernd und betrug 1913 690204,94 Mk.

Es werde hier auf zwei andere schon vorher behandelte Kapitel hingewiesen, in denen ebenfalls Zahlen sprechen, Zahlen, die den starken Aufstieg Vohwinkels erweisen, auf Abschnitt 7, „die Bildungsanstalten“, insofern als im Jahre 1889 in der Gemeinde erst 12 und im Jahre 1913 aber schon 46 Volksschulklassen, dazu noch 2 höhere Schulen vorhanden waren, — und auf Abschnitt 11, „Fortentwickelung des Verkehrs“, der die Vermehrung der Eisenbahnen um Vohwinkel herum, die Entstehung der Straßenbahnen und der Schwebebahn in diesem Zeitabschnitt eingehend darstellt.

In Ansehung dieser Entwicklung wurde von der Gemeinde Vohwinkel alle Vorsorge für die Zukunft auch auf den übrigen Verwaltungsgebieten getroffen. Durch neue Verträge mit Elberfeld im Jahre 1903 wurde die Versorgung der Gemeinde Vohwinkel mit Gas und Wasser bis zum 31. Juli 1920 sichergestellt. Ab 1. August 1905 nahm die Gemeinde die Gas- und Wasserleitungen, soweit sie in Vohwinkeler Gebiet lagen, in eigene Verwaltung und führte nunmehr als Großkonsument der Stadt Elberfeld den Betrieb für eigene Rechnung. Das Gas- und Wasserwerk Vohwinkels mit Werkstatt und sonstigen Nebenräumen wurde errichtet. In dem Jahre 1905 wurde ferner mit Elberfeld der Vertrag abgeschlossen, nach dem Elberfeld der Gemeinde Vohwinkel auf 15 Jahre elektrischen Strom für Kraft- und Lichtzwecke zu liefern hatte. Hier sprechen wiederum Zahlen. 1907 gab es 21 Anschlüsse und einen Stromverbrauch für private Beleuchtung von 2669 und für gewerbliche Zwecke von 7785 Kilowattstunden, Sa. 10454. Für 1913 lauten dieselben Zahlen 111 Stromabnehmer von 20704 bezw. 116219, Sa. — 136928 Kilowattstunden.

Eine andere Vorsorge für die Entwickelung der Gemeinde Vohwinkel betraf die Verbesserung und Erweiterung des Straßennetzes. Die Festsetzung der Fluchtlinien, die Ueberbrückung der Rinnsale, die Kanalisation, die Versorgung mit helleuchtenden Straßenlaternen, die Kleinpflasterung u.a.m. gingen damit Hand in Hand.

So wurde alles hergerichtet für die erhoffte Bautätigkeit, die sich 1897 zu regen begann. Von 1898 bis 1903 wurden 593 Bauerlaubnisse erteilt. Im Jahre 1900 war außerdem zur Förderung des Arbeiter-Wohnungswesens ein Gemeinnütziger Bauverein e. G. m. b. H. ins Leben gerufen worden, der immer recht vorsichtig gearbeitet hatte. Das war gut, denn so konnte er den unvermeidlichen Rückschlag ertragen. Mit Schluß des Jahres 1904 trat eine merkbare Ruhe in den baulichen Unternehmungen ein. Nicht unwesentlich hatte auch die ungünstige Lage des Geldmarktes hierzu beigetragen gehabt, und die vielen leerstehenden Wohnungen waren das beste Heilmittel gegenüber der bisherigen Bauwut.

Erst 1908 ging die Eisenbahnverwaltung als erste wieder daran, eine Anzahl Mehrfamilienhäuser an der Königstraße für ihre Beamten zu errichten. Die private Bautätigkeit folgte. 1913 war sie in vollem Gange, als 103 Baukonzessionen ausgegeben wurden.

Verwaltung.

Dem starken und schnellen Aufstieg der Gemeinde mußte der Verwaltungsapparat angepaßt werden.

Vor allem reichten die Büroräume nicht mehr aus, die im Haus Nr. 257 III (Kaiserstr. 40), vergl. Abschnitt 9, untergebracht waren. Der Gemeinderat mietete schon 1889 das Unterhaus Kirchstraße Nr. 15, legte sich aber nur auf die Dauer von fünf Jahren fest.

Am 19. März 1891 wurde der Ankauf eines Grundstücks an der Kirchstraße beschlossen, das zur späteren Errichtung eines Rathauses dienen sollte. Der Platz hatte eine Größe von 116 1/2 Ruten. In der Sitzung des Gemeinderates vom 23. Januar 1896 wurde eine Kommission bestellt, die die Frage der Notwendigkeit des Baues eines Rathauses und in Verbindung mit ihm eines Polizeigefängnisses prüfen sollte. Die Kommission bejahte die Frage. Das Rathaus wurde begonnen und in demselben Jahr noch bis nahe zur Sockelhöhe aufgeführt. Wilhelm Hüttenmeister war sein Erbauer. 1897 war der Rohbau vollendet, und im Herbst 1898 konnte das Haus teilweise in Benutzung genommen werden. Am 18. Mai 1899 fand die erste Gemeinderatssitzung in dem fertiggestellten neuen Rathaus statt. Landrat Scherenberg als Vertreter der Regierung überwies das Haus seiner Bestimmung mit dem Wunsche, daß die Beschlüsse, die darin gefaßt, die Arbeiten, die darin getan würden, der Gemeinde zum Segen gereichen möchten. Im Anschluß an diese Eröffnung des Rathauses fand im großen Saal des Hotels Deutscher Kaiser ein Festessen statt, an dem sich etwa 250 stolze Vohwinkeler Bürger und Bürgerinnen, dazu eine Anzahl Herren aus Elberfeld und der Landtagsabgeordnete Dr. von Böttinger beteiligten. Die Festrede hielt Bürgermeister Bammel. Er gab einen Ueberblick über die bisherige Geschichte der Gemeinde und ihres Gebietes und schloß die Rede so: „Möge das Haus allezeit sein ein Wahrzeichen der Einigkeit und der Kraft, möge es Jahrhunderte überdauern, und mögen Recht und Gerechtigkeit stets in ihm ihre Stätte finden“. In dem Rathaus hatte auch der Bürgermeister seine Wohnung erhalten. — Doch nur wenige Jahre reichten die neu hergestellten Büroräume aus. Schon 1903 ging man an einen Erweiterungsbau, der April 1904 vollendet und bezogen wurde. Gleichzeitig kaufte die Gemeinde das Grundstück zwischen Rathaus und Wilhelmstraße an, dadurch die Möglichkeit schaffend, das Rathaus später ganz bedeutend erweitern zu können.

Aus der Raumerweiterung läßt sich ein Schluß auf die Verwaltung selber ziehen. Die Beamtenschaft wurde ebenfalls immer größer und zahlreicher. Der Bürgermeister, die beiden Beigeordneten und die 18 Gemeinderatsmitglieder blieben lange Jahre hindurch unverändert. Erst am 6. Januar 1904 genehmigte die staatliche Aufsichtsbehörde die Bestellung eines dritten Beigeordneten. Weil im Jahre 1906 die Einwohnerzahl Vohwinkels über 10000 angewachsen war, mußte eine Vermehrung der Zahl der zu wählenden Mitglieder des Gemeinderats erfolgen. Die Ergänzungswahlen wurden getätigt. — Die sich vergrößernde Gemeinde verlangte schärfere Aufsicht und straffere Führung der Geschäfte. 1890 wurde darum der zweite Polizei Exekutivbeamte etatsmäßig angestellt und in Wieden stationiert und im nächsten Jahr 1891 als erste etatsmäßige Beamtenstelle, die des Gemeindesekretärs, errichtet. Für den sich ausdehnenden Sparkassenbetrieb schuf Gemeinderat mit gleichem Beschluß die Stelle eines Gemeinde- und Sparkassen-Rendanten und später die Stelle eines Gegenbuchführers bei der Kasse. — Die allmählich einsetzende Bautätigkeit verlangte Aufsicht und Leitung. 1896, gerade zum Rathausneubau, wurde beschlossen, daß ein Gemeindebaumeister etatsmäßig angestellt werden sollte. — 1898 gab dem Ort den zweiten Nachtwächter.

Die Beamtenschaft nahm immer mehr zu. Eine besondere Vermehrung und Beförderung erfuhr vor allem die Polizei. Die örtliche Lage der Gemeinde am Kreuzungspunkt wichtiger Straßen und Bahnen, die günstigen Erwerbsverhältnisse, die starke Bevölkerungszunahme und die infolgedessen sehr rege Bautätigkeit, die Nähe der Großstädte, die Fluktuation der Bevölkerung stellten an die Polizei, die administrative und die exekutive, besonders hohe Anforderungen. Für die nächsten Jahre sollte als noch mehr belastender und schlimmerer Umstand hinzukommen die Erweiterung des Vohwinkeler Staatsbahnhofs. Daraus ergab sich die über das gewöhnliche Maß weit hinausgehende Inanspruchnahme des Polizeipersonals. Es mußte fortlaufend vermehrt werden. — Auch die Sparkasse stellte schon 1903 ihren dritten Beamten ein. 1905 wurden zwei neue etatsmäßige Beamtenstellen bei der Verwaltung geschaffen. — Beachtung forderte immer mehr die Arbeit im Gas- und Wasserwerk. 1905 wurde ein Rohrmeister angestellt. — Die Aufsicht über die Straßen übernahm seit 1908 ein Straßenmeister. Von Anfang an hatte die Gemeinde als Verkehrsknotenpunkt dem Ausbau und der Sauberhaltung der Straßen ihre Fürsorge gewidmet. Ein Statut (1903) regelte die Kehricht- und Müllabfuhr. 1904 wurde der erste Sprengwagen angeschafft. Das Kleinpflaster fand immer mehr Anerkennung und Anwendung. Doch verlangten die Neupflasterungen eine von Jahr zu Jahr kostspieligere Reinigung. Kehrmaschinen mußten das vollbringen. Die öffentliche Straßenreinigung wurde 1913 auf den Bezirk Tesche ausgedehnt, weshalb der dritte Sprengwagen gekauft werden mußte. Der Straßenmeister war höchst nötig geworden. — Den Fortschritt in der Verwaltung zeigt auch noch der Umstand, daß die Gemeinde im Jahre 1901 die erste Schreibmaschine für das Büro anschaffte, und daß von ihr im Jahre 1912 der Postscheckverkehr bei der Gemeindekasse eingeführt wurde.

Als Uebergang zum nächsten Abschnitt werde auf die (etwa 1909) einsetzende Fürsorge der Gemeinde für die Beamtenschaft hingewiesen. Angesichts der in den letzten Jahren stattgehabten Verteuerung der Lebenshaltung wurde im Anschluß an die Erhöhung der Gehälter der Reichs- pp. beamten und Lehrer eine teilweise Erhöhung der Gehälter der Gemeindebeamten vorgenommen. In demselben Jahre wurde gleichzeitig ein Unterstützungsverein für kommunale Beamte ins Leben gerufen. Zur Fortbildung der Beamten entstand im Jahre 1910 die Verwaltungsfachschule.

Wohlfahrtspflege.

Die Verwaltung des öffentlichen Armenwesens wurde auf Grund der Bestimmungen des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz vom 8. März 1871 und der Gemeindeordnung vom 23. Juli 1845 einer besonderen Kommission (Armenkommission) übertragen, deren Geschäftsgang die Geschäftsordnung vom 7. August 1888 regelte. Sie bestand aus dem Vorsitzenden (Bürgermeister oder Beigeordneter) und 22 aus der Bürgerschaft zu wählenden Armenpflegern. Es wurde nach dem sogenannten Elberfelder System gearbeitet. Jedem Armenpfleger wird ein räumlich genau abgegrenzter Bezirk übertragen. Die in diesem Bezirk wohnenden Hilfsbedürftigen unterstehen seiner speziellen Fürsorge und Aufsicht. Tritt ein Fall der Hilfsbedürftigkeit ein, so wird der Bedürftige nach Feststellung seiner Personalien durch das Bürgermeisteramt an den Armenpfleger seines Bezirks verwiesen, der, falls Aufschub nicht angängig ist, nach eigenem Ermessen Art und Höhe der Unterstützung bis zur nächsten monatlichen Sitzung der Kommission anordnet. Gelegentlich dieser Sitzung wird der Fall sodann durch Beschluß des Kollegiums geregelt.

In der Gemeinderatssitzung vom 21. März 1889 wurde die Gründung eines „Eisernen Armenfonds“ beschlossen, seine Statuten in der Sitzung vom 6. Juni d. Js. festgestellt. Dem Fonds sollten allerlei kleine zufällige Einnahmen, wie Strafgelder für versäumte Sitzungen, für versäumte Schiedsmanntermine u. s. f. zugeführt werden. Die Verwendung des Fonds stand laut Statut dem Gemeinderat zu mit der Maßgabe, daß er ihn bei der Sparkasse rentbar anlegen müsse.

Noch eine dritte Maßnahme traf die Gemeinde zu Gunsten des Armenwesens. Gemäß Beschluß des Gemeinderats vom 14. Januar 1892 wurde auf der Tesche ein etwa drei Morgen großes Grundstück gekauft, um auf ihm ein Armenhaus zu errichten. Die Grunderwerbskosten wurden dem Eisernen Armenfonds entnommen. Die Anstalt ist Herbst 1893 bezogen worden. Als es sich um die Belegung der Anstalt handelte, verachteten so viele bisher Unterstützte auf die Unterstützung, daß Zinsen und Amortisation der Bausumme allein durch die Ersparnis bisher gewährter Unterstützungen reichlich gedeckt waren.

Zur Vergrößerung des Armenhauses wurde 1896 eine etwa 2 Morgen große Fläche hinzugekauft. Auch dabei mußte der Eiserne Fonds helfen. Weil in dem Armenhause auch verwaiste und verwahrloste Kinder untergebracht wurden, stellte die Gemeinde am 22. Oktober 1896 eine Pflegeschwester ein. Mit der Zeit ergab sich aus der Verwaltung des Armenhauses ein Anstalts-Kuratorium, das schwer arbeitete. Die Wirkung der ganzen Veranstaltung in erziehlicher Hinsicht war unverkennbar, und in finanzieller Beziehung hatte sie zu wesentlicher Herabsetzung der Ausgaben für Armenzwecke geführt.

Freiwillige Wohlfahrt leisteten eine Reihe mit der Zeit und dem Wachsen der Gemeinde gegründeter Vereine.

1893 begann der Zweigverein vom Roten Kreuz seine Tätigkeit.

Im Herbst dess. Jahres bildete sich die Ortsgruppe des Bergischen Vereins für Gemeinwohl, der zunächst skrophulöse Kinder in Solbäder entsandte. Danach schuf die Ortsgruppe die Handfertigkeitsschule, die 1901 aus die Gemeinde übernommen wurde, und 1907 die Koch- und Nähschule, die nach Einrichtung der Pflichtfortbildungsschule für Mädchen auf diese Schule überging (1922). Als neuzeitliche Betätigungsgebiete waren allmählich hinzugekommen die Ausgabe von Bade- und Brausekarten an bedürftige Schüler, die Unterstützung der Schulwanderungen, Beihilfen für Liegekuren auf Haus Linde, Anlage und Pflege von Schulgärten.

Im August 1897 wurde die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz gegründet aus Anlaß des im Steeler Einschnitt vorgekommenen Eisenbahnunglücks. Ein von Steele heranbrausender Zug stieß auf einen ausfahrenden Personenzug. — 1906 kaufte die Gemeinde einen Krankentransportwagen.

Der Anregung des Zweigvereins vom Roten Kreuz folgend, entstand 1901 der Vaterländische Frauenverein. Ihm schloß sich 1910 eine besondere Fürsorgestelle für Lungenkranke an. Im übrigen folgt er den bekannten Statuten. Während des Weltkrieges hat der Verein seine Sonderaufgabe treu und groß gelöst.

Auf Grund des am 1. April 1901 in Kraft getretenen Gesetzes über die Fürsorgeerziehung Minderjähriger führte die Gemeinde die Generalvormundschaft ein, die bald einen recht erheblichen Umfang annahm. 14 Mündel befanden sich als Pfleglinge in der oben erwähnten Vohwinkeler Pflege- und Erziehungsanstalt.

Das Jahr 1907 leitete eine besondere Säuglingspflege ein. Organisiert wurde diese Fürsorge, als im Herbst 1912 zwei Kreisfürsorgerinnen angestellt wurden, deren eine in Vohwinkel, die andere in Velbert wohnte. Ihre Tätigkeit erstreckte sich auf pflegerische Ueberwachung der unehelichen und sonst gefährdeten Säuglinge sowie der Haltekinder unter 6 Jahren und auf kostenlose Erteilung von Auskunft an alle ratsuchenden Mütter über Pflege und Ernährung ihrer Kinder (Mutterberatungsstunden seit 1913).

Der Kreiskommunalarzt überwachte das Ganze. Die Hebammen wurden abwechselnd zu Hilfeleistungen herangezogen. Die örtlichen Organisationen (Vaterländischer Frauenverein u.a.) sollten auf dem Gebiete der Säuglingspflege tätig sein durch Stellung von Hauspflegerinnen zur Vertretung der Wöchnerinnen in der Führung des Haushaltes während der ersten Zeit nach der Niederkunft, durch Ausgabe von Körben mit Wäsche für Wöchnerinnen und Säuglinge und durch Lieferung von Milch an sie, soweit die Gemeinden die Milchlieferung nicht von sich eingeführt hatten. — Solche Fürsorge bewirkte, daß die Säuglingssterblichkeit abnahm.

Das Waisenratswesen wurde derart eingerichtet, daß durch Beschluß des Gemeinderats die Geschäfte einer besonderen Kommission übertragen wurden, der außer den Pfarrern beider Konfessionen neun Waisenräte angehörten, seit 1913 auch die Kreisfürsorgerin. Jeder der Waisenräte verwaltete einen festgelegten Bezirk. Ihre Hauptaufgabe war, die in ihrem Bezirk wohnenden Mündel zu beaufsichtigen und darüber zu wachen, daß wegen ihrer körperlichen Pflege und Erziehung nichts versäumt würde.

Nach dem Vorbilde anderer benachbarter Städte, in denen sich die Einrichtung bewährt hatte, wurde auch für die Gemeinde Vohwinkel ein Jugendfürsorgeausschuß gegründet, dessen erste Satzungen vom 28. April 1909 datieren. Seine Aufgabe ist es, sich der jugendlichen, d. i. der im strafmündigen Alter bis zu 18 Jahren stehenden, Rechtsbrecher in geeigneter Weise anzunehmen. Er hat in Straf- und Fürsorgeerziehungsfällen Gutachten abzugeben, die den Gerichtsurteilen als Unterlagen dienen, vornehmlich in dem Punkt, ob diese Jugendlichen die zur Erkenntnis der Strafbarkeit ihrer Handlungen erforderliche Einsicht besessen haben. Verneinendenfalls folgt entweder Einstellung des Strafverfahrene, oder es wird auf Bewährungsfrist erkannt.

Im Anschluß an den Erlaß des Herrn Ministers der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten vom 18, Januar 1911 wurde in Vohwinkel am 22. September 1911 ein Ortsausschuß für Jugendpflege gegründet. Er wollte in aufbauender Tätigkeit das Werk des Elternhauses und der Schule fortsetzen und eine geistige, sittliche und körperliche Ertüchtigung der Jugend herbeiführen, damit sie würdig und fähig sei, das religiöse, nationale und kulturelle Erbe der Väter zu bewahren und immer weiter auszugestalten. In erster Linie handelte es sich darum, alle bestehenden, im vorigen Sinne arbeitenden Vereine, soweit sie Jugendliche in sich schlössen, in ihren Bestrebungen kräftig zu unterstützen und auszubauen, unter Wahrung ihrer Selbständigkeit und Eigenart. Der Ortsausschuß wollte demnach nur Anregungen und Ratschläge geben, die Kleinarbeit blieb den einzelnen Vereinen nach wie vor überlassen. Außer den Lehrern und Geistlichen waren die Bürger als Mitarbeiter höchst nötig.

Die Mittel für die Arbeit an der Jugend bewilligte die Gemeinde aus den Sparkassenüberschüssen. Der Staat und einzelne Firmen in Vohwinkel gewährten Sonderspenden. Die Gelder wurden für dauernde Einrichtungen verwandt, doch gab es auch einmalige Beihilfen. Als eine allen dienende Dauereinrichtung wurde die Schülerherberge in dem geräumigen Speicher der Schule Tesche im Jahre 1912 geschaffen. Der Ortsausschuß besorgte zur Förderung der Jugendwanderungen eine größere Anzahl Meßtischblätter und veranstaltete gemeinsame Feiern, z. B. die der 100-jährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig, ließ Lichtbilder vorführen (Die Entwicklung der deutschen Flotte), Vorträge halten (z. B die Leibesübungen im Dienste der Jugendpflege) und widmete sich während der Kriegsjahre noch besonders der Rekrutenfürsorge. Allmählich sollte neben der körperlichen auch der geistigen Jugendpflege das gleiche Recht werden.

Der letzte Teil dieses Absatzes über die Wohlfahrtspflege gehöre der Gesundheitsfürsorge im allgemeinen. Vorweg werde die Apotheke genannt, die 1893 erstanden ist, nachdem schon 1878 der erste Arzt sich in Vohwinkel selbst niedergelassen hatte. An Krankenkassen gab es um 1900 hier 7 jeder Art, Orts-, Innungs-, Fabrik-, Gemeindekrankenkassen mit zahlreichen Mitgliedern. Das Krankenversicherungsgesetz vom 25. Mai 1903 brachte einige Veränderungen z. B. die, daß mehrere Kassen gemeinschaftlich einen besonderen Kassenarzt anstellten. Die ,,Allgemeine Ortskrankenkasse“ kam ab 6. April 1908 zur Ausführung. Die Erkenntnis, daß eine große Kasse auf die Dauer leistungsfähiger wäre als mehrere kleine, war ausschlaggebend gewesen. Die Reichsversicherungsordnung vom 19. Juli 1911 verlangte die Einrichtung des „Versicherungsamtes“. Der Kreis Mettmann erhielt ein solches Amt für Velbert und für die Restteile des Kreises in Vohwinkel Bei der Krankenversicherung ist der Kreis der versicherungspflichtigen Personen wesentlich ausgedehnt worden. Die Schaffung einer Landkrankenkasse für die hiesige Gemeinde wurde jedoch abgelehnt, da die in Betracht kommenden Personen der Allgemeinen Ortskrankenkasse angegliedert und mit deren Leistungen zufrieden waren. Als Folgeerscheinung der R. V. O. ist für Vohwinkel zu buchen, daß einige Fabrikkrankenkassen aufgelöst oder geschlossen wurden — Zum Versicherungswesen gehören noch die Invaliden- und Altersversicherung und die Unfallversicherung. — Die Ausführung der ersteren war durch Ortsstatut vom 24. März 1898 den Krankenkassen übertragen worden. — Das Privat-Versicherungswesen umfaßte seit etwa 1906 private Sterbe- und Unterstützungskassen von Vereinen (evangl. Arbeiterverein), Beamten (Eisenbahner), Angestellten (Schwebebahn). Sie unterlagen den Bestimmungen des Gesetzes über die privaten Versicherungsunternehmungen vom 12. Mai 1901 und waren somit der staatlichen Aufsicht unterstellt.

Außer all diesem Versicherungswesen hat die Gemeinde auch sonst noch für die Gesundheit ihrer Einwohner tüchtig gesorgt.

Auf Grund der Dienstanweisung für die Kreisärzte wurde 1901 eine Gesundheitskommission gebildet, die u. a. die Schlachthäuser, Bäckereien, Konditoreien und offenen Verkaufsstellen eingehender Revisionen unterzog und die Abstellung der vorgefundenen Mängel polizeilicherseits veranlaßte. Da in diesem Jahr 210 Fälle ansteckender Krankheiten gemeldet wurden, beschloß der Gemeinderat, einen geeigneten Desinfektionsapparat auf Gemeindekosten zu beschaffen. Der Apparat bewährte sich. — Die Schlachtvieh- und Fleischbeschau wurde 1903 für den hiesigen Gemeindebezirk dem zeitigen Kreistierarzt übertragen. — 1906 wurde die Badeanstalt Volkmann eröffnet. — Schon 1905 ging die Verwaltung daran, die Kanalisation allgemein durchzuführen Elberfeld bot die Ueberleitung der Schmutzwässer in die eigenen Kläranlagen an. Das Projekt war 1913 noch in der Schwebe. — Jm Jahre 1909 wurde die erste öffentliche Bedürfnisanstalt errichtet.

Feuerwehr.

(Nach der Morgenzeitung vom 12. Mai 1928, Beilage.)

Die Vohwinkeler Feuerwehr wurde eigentlich schon im Jahre 1887 am 25. November gegründet. In der am 2. Dezember ds. Js. folgenden Generalversammlung aber wurde die Wehr konstituiert in Stärke von 12 Steigern und 24 Spritzenmannschaften. Ihr Präses war Bürgermeister Heinrichs in Sonnborn. Die Ausrüstungsgegenstände erhielt die Wehr erst im Februar 1888. Die anfängliche Begeisterung schien aber bald nachzulassen. Auch unter Bürgermeister Bammel, der inzwischen als Präses der Wehr gefolgt war, waren die Kinderkrankheiten lange nicht zu überwinden. Aus diesen Tagen ist zu berichten, daß von der Gemeinde Vohwinkel, die inzwischen selbständig geworden war, die Errichtung eines Steigerturms ablehnt wurde. Der Turm konnte erst im Sommer 1891 auf eisenbahnfiskalischem Gelände an der Bahn, da, wo jetzt die Siedlung steht, errichtet werden. 1896 wurde der Turm zum Marktplatz verlegt, wo er bis 1907 blieb, um dann hinter dem Rathaus neu errichtet zu werden. In das Jahr 1892 fällt auch die Gründung der Feuerwehrkapelle unter Albert Marohn. Im Jahre 1893 kam ein vom Gemeinderat gewählter Brandrat zu dem Beschluß, daß die freiwillige Feuerwehr Vohwinkel ihren Aufgaben nicht mehr gewachsen sei und daher eine durchgreifende Neuorganisation erfolgen müsse. Die Leitung der Wehr wurde 1893 dem Fabrikbesitzer Hermann Wülfing, dem nachmaligen Ehrenvorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes Mettmann, übertragen. Die Wehr nahm nun einen sehr erheblichen Aufschwung. Auch während des Krieges vermochte die Wehr schlagfertig zu bleiben, nicht zuletzt durch den Bürgersinn der alten und jungen Vohwinkeler.

Nach dem Kriege konnte der Feuerwehrdienst in der alten Weise wieder aufgenommen werden. Die Bürger aus dem Bezirk Wieden-Sandfeld bildeten 1921 einen dritten Löschzug der Wehr, der sich einen eigenen Steigerturm auf dem Sandfeld erbaute. 1919 schon war die Aufstellung einer großen 5 PS starken elektrischen Alarmsirene auf dem Rathausturm erfolgt. Im Jahre 1923 wurde ein Feuerwehrhaus in der Wilhelmstraße errichtet. In ihm erhielten auch 6 Feuerwehrleute mit ihren Familien Wohnung. In den anschließenden Häusern wurden weitere 5 Wehrleute untergebracht, so daß die Schlagfertigkeit der Wehr erheblich gesteigert wurde. Der Wehr, die heute 100 Mitglieder stark ist, stehen zur Verfügung: 1 Motorspritze mit 1000 - 1500 m/l Leistung, 2 automobile Mannschaftswagen mit Geräten, 1 pferdebespannter Mannschaftswagen mit Geräten, 1 mechanische Dreiradleiter mit Schlauchhaspel, 2 Saug- und Druckspritzen, 4 Standrohrkarren, 2 Gerätekarren, etwa 1200 Meter Hanfschläuche.

Die größte Zahl der Brände seit Bestehen der Wehr wiesen die Jahre 1898 bis 1900 auf. Es waren zweiundzwanzig, während in den folgenden Jahren bis 1929 nur noch 10 hinzugekommen sind. — Zu wiederholten Malen leistete die Wehr Hilfe bei größeren Unfällen, so beim Eisenbahnzusammenstoß am Steeler Einschnitt 1897, bei dem Explosionsunglück der Fabrik Nau & Schlüter auf der Tesche am 5. März 1917, beim Einsturz des Fabrikneubaues Thienhaus A.-G. an der Königstraße Sommer 1922 und beim Umsturz eines Straßenbahnwagens in der Königstraße ebenfalls 1922.

Rechtswesen.

In der Sitzung vom 13. Februar 1889 beschloß der Gemeinderat, den Versuch zu machen, bei Gelegenheit der Einführung des Grundbuches für die Gemeinden Vohwinkel und Haan ein Amtsgericht mit dem Sitz in Vohwinkel zu erlangen. Der Versuch hatte keinen Erfolg. Nachdem die Gemeinde Haan neuerdings wieder den Antrag gestellt hatte, vom Amtsgericht Mettmann abgezweigt und dem Amtsgericht Ohligs zugeteilt zu werden, wurde 1897 eine Kommission vom Gemeinderat zu Vohwinkel gewählt, die die Einrichtung eines Amtsgerichts in Vohwinkel betreiben sollte. Diesem Gericht sollten die Bürgermeistereien Vohwinkel, Haan und Gruiten zugewiesen werden. Auch der zweite Versuch mißlang.

Im Jahre 1906 beabsichtigte ein Rechtsanwalt sich in Vohwinkel niederzulassen. Um das zu ermöglichen, bewilligte der Gemeinderat einen Zuschuß von 600 Mk. jährlich, vorläufig auf die Dauer von 3 Jahren. Am 13. Februar 1908 wurde derselbe Beschluß für weitere 3 Jahre gefaßt. Schon am 15. Mai 1909 verließ der Rechtsanwalt den Ort.

Ab 1. September 1909 wurde hier der erste Kgl. Notar eingesetzt. Das Notariat ist geblieben.

Um aber minderbemittelten Kreiseingesessenen zum Schutze ihrer Rechte Auskunft und Rat zu erteilen, ihnen auch nach Möglichkeit bei der Verfolgung ihrer Rechtsansprüche durch Anfertigung von Schriftsätzen behilflich zu sein, richtete der Kreis am 1. November 1906 in Vohwinkel und Velbert, in letzter Zeit auch in Neviges, je eine öffentliche Rechtsauskunftstelle ein, die unentgeltlich Auskunft gab und noch heute gibt. Es erübrigt sich, näher darauf einzugehen, weil dies eine Sache des Kreises gewesen ist und noch ist.

Obschon ebenfalls eine Kreisangelegenheit, muß noch das Gewerbegericht an dieser Stelle erwähnt werden. Die Gemeinde Vohwinkel bildete zusammen mit der Gemeinde Haan und der Bürgermeistern Gruiten die Abteilung Vohwinkel des Gewerbegerichts für den Kreis Mettmann, das am 10. März 1892 vom Kreistag errichtet war. Arbeitgeber und Arbeitnehmer waren paritätisch vertreten. Die Klagen der Arbeitnehmer gegen die Arbeitgeber überwogen gewiß nicht nur in Vohwinkel in allen Jahren, z. B. im Jahre 1908 in Vohwinkel 147 gegen 15 Fälle. Zu den Kosten des Gewerbegerichts hatte die Gemeinde Vohwinkel beizutragen, anteilig, wie für das Kreisgewerbegericht.

Das Wirtschaftsleben.

Durch Gemeinderatsbeschluß vom 25. April 1889 wurde die Vohwinkeler Kirmes, die bisher im Monat Oktober stattgefunden hatte, mit Rücksicht auf das um diese Jahreszeit gewöhnlich herrschende schlechte Wetter auf den vorletzten Sonntag im Monat August verlegt. Zufolge Anregung des Presbyteriums der evangel. Gemeinde wurde am 16. Dezember 1897 beschlossen, die Kirmes aufzuheben. Hiermit gab sich ein Teil der Geschäftswelt und Bürger Vohwinkels nicht zufrieden. Einige Gemeindeverordnete brachten daher am 29. September des folgenden Jahres einen Antrag ein, die aufgehobene Kirmes in Vohwinkel wieder einzuführen, fielen aber mit 9 gegen 9 Stimmen durch, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gegeben hatte.

Einem gleichen Schicksal war 1891 der vor mehreren Jahren in Vohwinkel eingeführte Viehmarkt begegnet. Durch Beschluß vom 15. Januar 1891 wurde er aufgehoben. Er hatte hier keinerlei Bedeutung erlangt.

Nicht viel anders gestaltete sich das Werden des Marktplatzes, der nie ordentlich seinem Namen gedient hat. Am 29. November 1894 (vergl. Abschnitt 2, am Schluß) wurden beschlossen, ein angebotenes Grundstück an der Bahnstraße zum Preise von 77,- Mk. für die Rute zu erwerben. Der Kaufakt wurde erst 1895 abgeschlossen. Das Grundstück ist etwa 110 halbe Ruten groß. Zur Deckung dieses Kaufbetrages und der Kosten der Herrichtung des Grundstücks zum Marktplatz wurde bei der Sparkasse eine Anleihe aufgenommen. Auf dem Marktplatz wurde 1896 der Feuerwehr-Steigerturm errichtet und 1913 die Baracke, die zunächst die Hilfsschule aufnahm, dann den Franzosen u. a. Zwecken diente, schließlich als Jugendheim benutzt wird. Seinen Schmuck erhielt der Marktplatz erst 1923.

Der infolge des Baues der Eisenbahnen wachsende Verkehr stellte besondere Forderungen auf, die nach Unterkunft und Bewirtung der durchreisenden Personen. 1890 übernahm daher Heinrich Brüwer, bisher in der Wirtschaft Stöcker beschäftigt, auf eigene Rechnung das Hotel „zur Post“ und verbesserte es in mancherlei Hinsicht den Verhältnissen entsprechend, 1892 verkaufte Gustav Stöcker nach dem Tode der Ehefrau seine alte und bekannte Wirtschaft (am heutigen Kaiserplatz gelegen) an Wilhelm Clemens, der einen modernen Neubau aufführte.

Damit war Vohwinkel ausgerüstet, den künftigen Ansprüchen der Reisenden genügen zu können. — Aus dem Bericht der Gewerbepolizei erfahren wir, daß in Vohwinkel am Schluß des Jahres 1901 vorhanden gewesen waren 10 Gastwirtschaften, 22 Schankwirtschaften, 4 Kaffee- pp. Wirtschaften, 2 Selterswasserbuden, 7 Stellen, an denen Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus getrieben werden durfte, und 3 Flaschenbierhändler. Im Jahre 1912 gab es hier 34 Wirte, 7 Konditoreien, 2 Flaschenbierverkaufsstellen, was sich bis heute wenig geändert hat.

Ueber Handel und Industrie erstatten wir zunächst einen allgemeinen Bericht aus dem Jahre 1903. „Die Lage von Handel und Industrie war zufriedenstellend. Arbeitseinschränkungen oder Arbeitsentlassungen waren nicht zu verzeichnen. Die Steinbruchbetriebe und Ziegeleien hatten infolge der äußerst regen Bautätigkeit vollauf zu tun; teilweise konnte sogar von den Ziegeleien aus eigenem Fabrikat der Bedarf nicht gedeckt werden. Die vorhandenen Bestände an Steinen aus dem Vorjahre sind gänzlich aufgebraucht. Die Maschinenfabriken waren mit vereinzelten Ausnahmen mit hinreichenden Aufträgen versehen und mußten teilweise zur Vergrößerung ihrer Werkstätten schreiten. Die Betriebsergebnisse bei den Textilfabriken waren durchweg günstig. Arbeitsgelegenheit war bei entsprechenden Lohnverhältnissen hinreichend da“ Im Jahre 1897 war die Matratzenfabrik Gustav Fudickar, gegr. 1887, nach Vohwinkel verlegt worden. Ein Jahr später taten sich auf die Bauunternehmung von Wilhelm Dickel und das Hoch und Tiefbaugeschäft von Louis Steinmetz. 1899 eröffnete das Bankhaus von der Heydt-Kersten & Söhne seine Filiale in Vohwinkel. Die Firma Alexander Schlieper übersiedelte 1900 mit ihrem ganzen Färbereibetrieb von Elberfeld hierher.

An dieser Stelle möge der Werdegang je eines Werkes aus Industrie und Handel als Entwickelungsbeispiel der vielen andern geboten werden (vergl. Amtliches Kreisblatt vom 29. Januar 1927):

„Am Dienstag, den 1. Februar 1927, können die Homannwerke auf ein 25 jähriges Bestehen zurückblicken. — Die Gründung erfolgte am 1. Februar 1902 in Elberfeld, Sandstraße, unter der Bezeichnung „Rheinische Gasapparatefabrik G. m. b. H.“ in gemieteten Räumen. Fabrikationszweige waren Gasherde, Gasapparate, Gasheizöfen, Heizkörperverkleidungen. — Durch Kündigung des gemieteten Grundstückes wurde im Oktober 1903 der Betrieb nach Vohwinkel in eigene, neuerbaute Fabrikationsräume mit einem Flächeninhalt von 2000 qm verlegt. Die Belegschaft bestand zu dieser Zeit aus ca. 20 Arbeitern und Beamten. Nur wenige Jahre gehörten dazu, das Geschäft zu einem in Stadt und Kreis angesehenen zu machen. Im Jahre 1905 ging die erste Vergrößerung durch den Ausbau der Fabrik und Vermehrung der Arbeiterzahl vor sich. — Ab 1906 war die Firma unter der Bezeichnung „Homannwerke G. m. b. H.“ in das Handelsregister eingetragen. — Während der Kriegsjahre beschäftigte sich die Firma ausschließlich mit der Herstellung von Munition und stellte sich sofort nach Beendigung des Krieges auf die Anfertigung von Gasherden, Kohlenherden, kombinierten Herden und Kaminen um. Durch ständige Schaffung von Neuheiten ist sie heute in ihrem Fach führend. — Die Firma heißt seit 1907 „Homann-Werke Wilhelm Homann, Vohwinkel. Alleiniger Inhaber ist Herr Wilhelm Homann hierselbst. Am Jubeltage beträgt die Gesamtfläche der Anlage 30000 qm, wovon 20000 qm bebaut sind, und die Belegschaft hat sich auf 800 Arbeiter und Beamte erhöht.“


(Vergl. Morgen-Zeitung vom 1. März 1929):

„Die Firma Kolk & Wagenmann, offene Handelsgesellschaft in Vohwinkel, Kaiserstraße 29, kann am heutigen Tage ihr 50 jähriges Geschäfts-Jubiläum feiern. Die Firma Kolk & Wagenmann wurde am 1. März 1879 von August Kolk und Albert Wagenmann gegründet und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer Holzhandlung, die weit über die Grenzen des Bergischen Landes bekannt wurde. Im Laufe der Zeit wurde ein Zweigwerk in Benrath am Rhein eingerichtet, das wegen des Transports der Hölzer auf dem Wasserwege bald große Bedeutung für die Firma erlangte. In Ohligs besteht ein weiteres Zweigwerk. Große Lastautomobile schaffen die riesigen Holzmengen in das Innere des Landes und von Werk zu Werk. Die Gründer der Firma waren bis vor wenigen Jahren noch in ihrem Geschäft tätig. Albert Wagenmann starb im Jahre 1922, während ihm sein Mitbegründer zwei Jahre später in den Tod folgte. Die heutigen Inhaber der Firma. Hans Kolk in Vohwinkel, Artur Wagenmann und Walter Jelshorn in Benrath am Rhein haben weiter an dem Ausbau der auf äußerst solider Grundlage aufgebauten Firma gearbeitet. In Vohwinkel werden zur Zeit 22 Angestellte und Arbeiter beschäftigt, während in Ohligs 13 und im Zweigwerk in Benrath am Rhein 55 Angestellte und Arbeiter ihrer Beschäftigung nachgehen, so daß rund 90 Angestellte und Arbeiter in den drei Werfen beschäftigt sind. Das Auskommen und das Zusammenarbeiten zwischen Geschäftsleitung und Mitarbeitern ist als sehr gut zu bezeichnen, sind doch die meisten Personen seit vielen Jahren in treuer Pflichterfüllung in der Firma tätig. Ein besonderes Zeichen des guten Einvernehmens zwischen Geschäftsleitung und Belegschaft ist das gleichzeitige 50-jährige Arbeitsjubiläum des Platzmeisters August Hohstadt, der 1852 in Vohwinkel geboren, am heutigen Tage auf eine 50-jährige Tätigkeit bei der Firma Kolk & Wagenmann zurücksehen kann.“


Im folgenden geben wir kurz die Entstehungszeiten und die entstehenden Firmen an:
1901 W. Kloster, Schuhwarengroßhandlung.
1903 Ferdinand von Hagen Söhne (& Koch seit 1912), Scharnierfabrik.
1904 Starck & Kohl, Tuche, Kleiderstoffe, Baumwollwaren.
1904 Göddertz & Co., Möbelschreinerei im Hammerstein a. d. Wupper.
1905 Hüster & Vogel, Buchdruckerei.
1908 Köhler & Ruminski, Werkzeuge-, Ketten- und Schraubenfabrik auf und an der Stelle von Göddertz & Co.
1919 Ehlenbeck & Platte, Polstermöbelfabrik.
1910 Die 1863 in Dieringhausen Rhld. erstandene Maschinenfabrik H. Schirp wird nach Vohwinkel verlegt und auf dem Grundstück der 1906 abgebrannten Tapetenfabrik Ed. Frische aufgebaut.

Der schon vorher erwähnte Bericht der Gewerbepolizei vom 1. November 1912 gibt uns ein übersichtliches und genaues Bild der damals bestehenden Gewerbetreibenden und selbständigen Handwerker Vohwinkels, das bei 14916 Einwohner insgesamt 534 Gewerbetreibende und Handwerker hatte.

Die Summe der in den einzelnen Industriezweigen und im Bauhandwerk am 1. November 1912 beschäftigten Personen betrug 4360.

Allgemeines.

Am 11. Oktober 1892 wurde der Verschönerungsverein gegründet für Vohwinkel selbst. Diese Liebe zur Naturschönheit und die Naturpflege fand 1910 eine Erweiterung dadurch, daß die Gemeinde Vohwinkel dem über die Grenzen der Heimat weit hinausreichenden Bund für Naturdenkmalpflege beitrat.

Gelegentlich der Hundertjahrfeier 1897 zum Andenken an Kaiser Wilhelms I. Geburtsjahr vereinbarte eine Anzahl patriotisch gesinnter Vohwinkeler Bürger die Errichtung eines Denkmals in Vohwinkel, sie zeichneten zur Schaffung eines Grundstocks ansehnliche Summen. Dank der Opferwilligkeit der Bürgerschaft und auswärtiger Freunde der Gemeinde und der Sache hatten die Beiträge bald eine solche Höhe erreicht, daß mit der Ausführung des Denkmals im Frühjahr 1910 begonnen werden konnte. Der Auftrag ward dem Bildhauer Gustav Rutz in Düsseldorf und von dem Künstler so gefördert, daß die bauliche Abnahme am 13. Oktober 1900 erfolgen konnte. Das Denkmal, ein Siegesbrunnen mit der Germania, hatte einen Kostenaufwand von rund 30000 Mk. verursacht, obwohl der Platz unentgeltlich hergegeben war.

Als Kaiser Wilhelm II. und seine Gemahlin am 24. Oktober 1900 den Städten Elberfeld und Barmen und dem Kreise Mettmann einen Besuch machten, wurde der Gemeinde Vohwinkel die Ehre und Freude zuteil, das Kaiserpaar hier zu begrüßen. Die Majestäten trafen, von Elberfeld mit der Schwebebahn kommend, am genannten Tag mittags gegen 1 Uhr auf dem hiesigen Schwebebahnhof ein und fuhren von dort durch die Kirch- und Solingerstraße zum Denkmal. In ihrer Gegenwart wurde der Siegesbrunnen enthüllt. Der Künstler fand die Anerkennung des Kaisers. Durch die Königstraße nahm das Kaiserpaar dann seinen Weg zum Staatsbahnhof, um die Reise in den Kreis fortzusetzen. Vohwinkel aber blieb die einzige Gemeinde des Kreises, die Kaiser und Kaiserin längere Zeit besucht hatten.

Der vor dem Kreishause errichtete Siegesbrunnen wurde am 27. Januar 1901, dem Geburtstage Kaiser Wilhelms II., unter starker Beteiligung der Bevölkerung, Schulen und Vereine, von der Gemeinde übernommen.

Dem ersten Denkmal folgte im Jahre 1905 das zweite, der Jahn-Gedenkstein, den der Turnverein mit Genehmigung der Bahnverwaltung im Stationsgarten errichtete.

Eingemeindungspläne.

Im Laufe des Jahres 1904 wurden Verhandlungen wegen Einverleibung eines Teiles der Gemeinde Schöller (Siegersbusch) wieder aufgenommen.

Sie führten jedoch nicht zu einem Ergebnis. Es schien ein dringendes Bedürfnis zur Aenderung der bestehenden Grenzen bei keinem der interessierten Teile vorzuliegen. Heute ist auch diese Frage durch die Umgemeindungen im Regierungsbezirk gelöst.

Dagegen wurde seitens des Oberbürgermeisters zu Elberfeld bei den Staatsbehörden im Jahre 1906 ein Antrag gestellt auf Einleitung von Verhandlungen zur Einverleibung der Gemeinde Vohwinkel in den Stadtkreis Elberfeld. Begründet wurde dieser Antrag mit den Behauptungen, daß die Eingemeindung Vohwinkels erstens eine Lebensfrage sei für Elberfeld, zweitens im Interesse Vohwinkels selbst liege, drittens im Staatsinteresse liege. Der Antrag des Oberbürgermeisters Funck erstreckte sich gleichzeitig darauf, die Gemeinde Vohwinkel zum Anschluß an die Kanalisation und Abwasserklärung Elberfelds zu zwingen. — Auf den Antrag Elberfelds erging folgender Bescheid:

Der Regierungspräsident.   Düsseldorf, den 30. Juli 1907.
I. D 5533.

Auf den Bericht vom 25. Mai ds. Js. Nr. 2789.

Der Herr Minister des Innern hat in Uebereinstimmung mit mir ein öffentliches Interesse, welches die Eingemeindung der Landgemeinde Vohwinkel in die Stadt Elberfeld erfordere, und welches daher zum Eingreifen der Aufsichtsbehörde Anlaß geben könnte, nicht als vorliegend anerkannt. Er beabsichtigt daher, in der Eingemeindungsfrage so lange eine abwartende Stellung einzunehmen, als zwischen den beiden Gemeinden selbst über die Modalitäten einer Vereinigung noch keine Uebereinstimmung erzielt ist, und sieht bei der gegenwärtigen Lage der Sache davon ab, eine kommissarische Verhandlung in Erwägung zu nehmen.

An den Herrn Oberbürgermeister gez. Unterschrift.
in Elberfeld


Im Jahre 1910 wurden neue Verhandlungen eingeleitet. Der von den Kommissionen beider beteiligten Gemeinden bis zum Schluß des Jahres 1910 vereinbarte Eingemeindungsvertrag wurde in der Sitzung des Vohwinkeler Gemeinderates vom 5. Januar 1911 nach Vornahme einiger Abänderungen mit 28 gegen 6 Stimmen angenommen. Diese sechs Gemeindemitglieder begannen bereits anderen Tages eine energische Gegenagitation. Der diesseits somit beschlossene Vertrag wurde in der Sitzung der Stadtverordneten zu Elberfeld vom 10. Januar 1911 einstimmig angenommen. Durch Beschluß vom 13. Februar 1911 stimmte der Kreistag des Kreises Mettmann dem Ausscheiden der Gemeinde Vohwinkel aus dem Kreis und der Vereinigung Vohwinkels mit Elberfeld unter den von den Vertretungen beider Gemeinden vereinbarten Bedingungen und der weiteren Bedingung einstimmig zu, daß die Sparkasse der Gemeinde Vohwinkel mit allen Aktiven und Passiven und dem zugehörigen Inventar als Kreissparkasse auf den Kreis Mettmann übergehe.

Nachdem sich die Stadt Elberfeld durch Beschluß ihrer Vertretung vom 11. Februar 1911 auch mit dieser Bedingung einverstanden erklärt hatte, befürwortete auch der Provinziallandtag in der Sitzung zu Düsseldorf vom 8. März 1911 gemäß dem Antrag des Provinzialausschusses nahezu einstimmig die gedachte Vereinigung als im Interesse beider Gemeinden liegend. Das darauf vom Königl. Staatsministerium dem Abgeordnetenhause vorgelegte Eingemeindungsgesetz wurde der verstärkten Gemeindekommission zur schriftlichen Berichterstattung überwiesen. Von ihr aber wurde trotz der beinahe einstimmig gefaßten Beschlüsse sämtlicher beteiligten Körperschaften, trotz der nachdrücklichsten Befürwortung der zuständigen Regierungsorgane und trotz der Gutachten der Handelskammer und des Eisenbahndirektionspräsidenten in Elberfeld die Ablehnung der Gesetzesvorlage beantragt. Zu einer zweiten Lesung des Gesetzesentwurfes ist es damals wegen Schlusses des Landtages nicht mehr gekommen. Das amtliche Kreisblatt verkündete dazu in einem Sonderartikel: „Vohwinkel bleibt Vohwinkel. Trotzdem der Minister versprach, neues Material vorzulegen, wurde § 1 und damit das ganze Eingemeindungsgesetz mit allen gegen 5 Stimmen abgelehnt.“ In später Nachtstunde waren die überall versammelten Bürger durch das Telegramm erfreut worden. Ein kräftiges Hoch wurde ausgebracht auf die Freiheit von Vohwinkel. Den Leuten, die das betrieben hatten (ein Arzt, mehrere Fabrikbesitzer und einige andere Herren), wurde der Dank ausgesprochen. Nun wollten sie als treue Bürger treu zusammenhalten, der alte Hader sollte vergessen sein, und sie wollten mit den bisherigen Befürwortern der Eingemeindung einig sein darin, Vohwinkel höher zu bringen. Der Artikel schloß: Recht muß Recht bleiben!“ — Die Eingemeindungsangelegenheit war aber da noch nicht beendet. Das Abgeordnetenhaus verhandelte in zweiter Beratung am 3. Mai 1912 über den Antrag der verstärkten Gemeindekommission 1) den Gesetzentwurf, betr. die Erweiterung des Stadtkreises Elberfeld anzunehmen; 2) die zu dem Gesetzentwurf eingegangenen Petitionen durch den Beschluß zu 1 für erledigt zu erklären — in großer Tagesordnung. Dafür sprachen die Abgeordneten Dr. Bredt (Marburg, freikons.), Ecker (Wiesen, nat.-lib.), Fleuster (Zentr.), Gantert (fortschr. V.-P.), als Regierungskommissar Frhr. v. Zedlitz u. Neukirch (Geh. Ob.-Reg. Rat), dagegen Frhr. v. Loe (Zentr.), v. Brandenstein (kons.) Es kamen sechs Abgeordnete nicht mehr zum Wort, weil der Antrag auf Schluß der Besprechung angenommen wurde. Das Ergebnis der Abstimmung, die durch Auszählung des Hauses stattfand, war, daß 121 Abgeordnete mit Ja, aber 151 mit Nein gestimmt hatten. § 1 war gefallen, demgemäß § 2 ebenfalls abgelehnt. Der Gegenstand war erledigt. Vohwinkel blieb also Vohwinkel. — (Näheres vergl. Aktenstück „Eingemeindungsbestrebungen Elberfeld gegen Vohwinkel“ I. 1. 16 auf dem Rathaus Vohwinkel.)

Dies die damalige Bürgerschaft so erschütternde Ereignis ist in einer poetischen Darstellung, die sich auf einer Ansichtskarte befand, auf der die Schwebebahn mit dem Jahnstein kombiniert war, folgendermaßen festgehalten:

Die Elberfelder träumten von einem Elberfelder West,
doch bleibt Vohwinkel bestehen als ein selbständiges Nest.
Der Elberfelder Löwe darob wutschnaubend brüllt.
Er hätte seinen Hunger an Vohwinkel gerne gestillt.
Doch wird der Löwe später sich gönnen keine Ruh'.
Vohwinkel, der leckere Bissen, fällt ihm doch einmal zu.


Die Weissagung hat sich am 12. März 1929 erfüllt.

Rückschau.

In dem Verwaltungsbericht Vohwinkels des Jahres 1908 schreibt Bürgermeister Bammel: „Am 1. Juli 1908 waren 20 Jahre verflossen seit dem Tag, als unsere Gemeinde d. i. der nicht nach Elberfeld eingemeindete Rest der früheren Gemeinde Sonnborn, als selbständiges Gemeinwesen in das Leben trat. — —

Die Mehrzahl der Personen, die damals im Vordergrund des öffentlichen Lebens standen, nimmt noch heute regen Anteil an demselben ... Mit Stolz und Freude blicken wir auf die hinter uns liegenden 20 Jahre zurück. 20 Jahre sind an sich ein kurzer Zeitraum im Leben einer Gemeinde, aber sie haben ausgereicht, ohne fremde Hilfe ein Gemeinwesen zu schaffen, das nicht allein seinen öffentlich-rechtlichen Verpflichtungen und Aufgaben allzeit gerecht geworden, sondern darüber hinaus auch auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege hinter anderen Gemeinden von ähnlicher Bedeutung nicht zurückgeblieben ist. Dazu hat es reger Arbeit und fleißigen Schaffens bedurft, aber auch der Dienstbereitschaft und Opferfreudigkeit unserer Bürgerschaft in mehr als gewöhnlichem Maße. Ich schließe diese Blätter mit dem Wunsche, daß es auch fernerhin der Gemeinde Vohwinkel nie an Männern fehlen möchte, die ein weises Verständnis für die Aufgaben der Gemeinde und der Zeit haben, und denen das öffentliche Wohl das oberste Gesetz ist.“

Die Feier des 25 jährigen Bestehens der selbständigen Gemeinde Vohwinkel, begangen am 4. und 5. Juli 1913, schildert das Amtliche Kreisblatt in Nr. 81 von Dienstag, dem 8. Juli 1913 ausführlich, (bei den Akten „Ortschronik“ I. 5 1 auf dem Rathaus): hochfestlicher Schmuck der Häuser und Straßen, des Marktplatzes und des Stationsgartens — bewegtestes Leben überall — Fackelzug am Samstag Abend, Sonnenschein am Sonntag — Promenadenkonzerte — Festabend in den Räumen des Deutschen Kaisers.

Die alte Bürgertreue läßt der Freude Wimpel wehen,
Vohwinkels Silberjubelfest in Eintracht zu begehen!
Der Heimatstädte bringt sie dar der Grüße allermeiste
In Deutschlands hohem Jubeljahr im vaterländschem Geiste!
(Aus „Hoch Vohwinkel“ vom berg. Dichter Friedr. Storck.)



Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

Vereinigung mit Elberfeld

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