10. Die Presse Vohwinkels.


Noch bevor Vohwinkel eine selbständige Landbürgermeisterei (1. Juli 1888) geworden, war daselbst die erste Vohwinkeler Zeitung erschienen, und zwar 1886, jedoch als Organ für die Bürgermeisterei Sonnborn und Umgegend. Redaktion und Expedition befand sich bei Kaufmann F. W. Liesendahl in Vohwinkel. Gedruckt und verlegt wurde sie aber außerhalb, in Wülfrath bei Robert Atteln. In Sonnborn war nur eine Agentur bei Rich. Seiffert. Die Zeitung wurde dreimal in der Woche ausgegeben und kostete vierteljährlich 1,50 Mk. Das Lokale und das Provinzielle brachte sie auf der ersten Seite. Innen war das Allgemeine, das Politische, Feuilleton, Vermischtes, sogar Humoristisches. Auf der letzten Seite folgten die Ankündigungen aller Art, wenige aus dem Ort selbst, aber viele aus Elberfeld. Aus Vohwinkel annoncierten z. B. nur die Steeler Brothalle, die Konsumanstalt, Otto Volkmann und die Firmen Liesendahl — Plätzer, Leonhards & Giesen, Heinrich Fermor, Carl Meißner. Der Bürgermeister Heinrich Sonnborn machte amtlich dies und das bekannt, und die „Gesellschaft Erholung“ lud zu Festlichleiten. Am Samstag kam ein achtseitiges illustriertes Unterhaltungsblatt hinzu. Alle vierzehn Tage gab es noch als weitere Gratisbeilagen die landwirtschaftliche Handelszeitung und das Blatt „Mode und Heim.“

Nach dem für Vohwinkel so bedeutungsvollen Jahr 1888 erschien die Zeitung in neuer Form. Seit 1889 nannte sie sich General-Anzeiger für den Kreis Mettmann. Redaktion, Druck und Verlag waren ebenfalls neu, bei Emil Falkenberg in Vohwinkel, Gustavstraße 4. Der Abonnementspreis für ein Quartal war auf 90 Pfg. herabgesetzt, später auf 1 Mk. erhöht. Entsprechend dem Titel, bemühte sich die Zeitung nun, mehr lokale und Kreisnachrichten zu bringen. Sonst war nichts verändert.

Um zu betonen, daß der General-Anzeiger am Kreissitz erschien, und um die anderswo im Kreise erscheinenden Blätter zu überholen, vielleicht auch, um die Vohwinkeler selber mehr als bisher heranzuziehen, erfuhr der Titel der Zeitung im Sommer 1891 eine dritte Umänderung. Die Zeitung hieß von jetzt ab Vohwinkeler Zeitung — General-Anzeiger für den Kreis Mettmann. Die Abonnements-Einladung lautete so: „Nachdem die Rentabilität einer eigenen Zeitung für Vohwinkel dank dem Lokal-Patriotismus seiner Bewohner sich herausgestellt, haben wir nunmehr die Absicht, dieselbe vollständig in unserer vergrößerten Offizin zu drucken.

Dabei werden wir versuchen, schneller und ausführlicher wie bisher politische Nachrichten zur Kenntnis unseres Leserkreises zu bringen. Dem lokalen Teil und den Nachrichten aus der Umgegend soll vermehrte Aufmerksamkeit zugewendet werden. Im Feuilleton werden wir spannende Romane und Novellen zum Abdruck bringen. Durch das freundliche Entgegenkommen der Ortsbehörde sind wir in der Lage, alle für den Ort bestehende Polizei-Verordnungen, deren Unkenntnis schon manche Unannehmlichkeiten im Gefolge gehabt hat, zu veröffentlichen. Für Inserate aller Art eignet sich die Vohwinkeler Zeitung am allerbesten, die bei der großen Ueberfüllung in den Blättern der benachbarten Großstadt meist übersehen werden.“ Schon im Dezember desselben Jahres 1891 wurde der Titel der Zeitung so gedruckt, daß Vohwinkeler Zeitung im Großdruck obenauf prangte, der Nebentitel General-Anzeiger für den Kreis Mettmann klein gedruckt darunter gesetzt war. Mit Vohwinkels Aufstieg nahm auch das Selbstbewußtsein seiner Presse zu. Die Elberfelder Annoncen, die am 27. Juni 1891 noch die ganze letzte Seite einnahmen, haben Ende 1892 und Anfang 1893 den Vohwinkeler Anzeigen Platz gemacht. Auch dies ist ein Zeichen dafür, daß Vohwinkel größer und unabhängiger wurde.

Im April 1892 war in den Verlag Emil Falkenberg als zweiter Teilhaber eingetreten Karl Josef Fecher. Schon 1893 zeichnete er allein für Redaktion, Druck und Verlag. Die Expedition befand sich Friedrichstraße 2. In dem nun herausgegebenen Blatt fällt noch etwas auf. An seiner Spitze steht der Amtliche Teil, der Bekanntmachungen des Bürgermeisters und nun auch anderer Behörden, des Landrats, der Regierung, des Amtsgerichts, der Eisenbahndirektion u. s. w. bringt. Wir erkennen, daß sich damit ein Uebergang anbahnt. Die amtlichen Bekanntmachungen der Kreisbehörden waren nämlich bis dahin in Langenberg erschienen.

Eine kleine Abschweifung an dieser Stelle dürfte manchen alten Vohwinkeler interessieren und wird nicht aus dem Zusammenhang dieses Abschnittes fallen. Ein Stück des „Amtlichen Kreisblattes für den Kreis Mettmann“ Nr. 34 vom 28. August 1877 soll kurz besprochen werden, weil es ausreichende und zutreffende Auskunft über sich selbst gibt. Als Druck und Verlag zeichnet die oft erwähnte, sehr heimatlich eingestellte Firma Julius Joost - Langenberg. Die Redaktion lag in der Hand von H. Krieger ebendort. Der Abonnementspreis betrug vierteljährlich 75 Pfg. Das Blatt wies 4 Seiten kleinen Formats auf. Ob dies Kreisblatt die Allgemeinheit, insbesondere die Vohwinkeler erfassen konnte? Jeder urteile selbst über die Genügsamkeit jener Zeit und Presse. Die Nummer 34 von 1877, dem Jahr, in dem der Sitz des Kreises Mettmann nach Vohwinkel verlegt wurde, bringt im amtlichen Teil das Regulativ über die geschäftliche Behandlung der Telegramme in Staatsdienstangelegenheiten, Bekanntmachungen der Bürgermeister von Neviges über die Kirchensteuer-Hebeliste, von Wülfrath über einen gestohlenen Esel, von Sonnborn über die Gemeindekassenrechnung, eine Polizeiverordnung von Wülfrath mit dem Verbot von Sprengschüssen in den Steinbrüchen während der Herbstmanöver. Darauf folgen Artikel wie: Zur Erhaltung von Pfählen — Die Nützlichkeit der Eule — Die Petroleumlampe — Vom Düngermarkt u s. w., zum Schluß Ankündigungen einiger Sparkassen.

Hierzu vergleiche man das Amtliche Kreisblatt, wie es 1897 aufzutreten begann. Es ist die Vohwinkeler Zeitung im neuen Gewande. Sie ist nun das amtliche Organ für die Kreisbehörden und sämtliche Gemeindebehörden des Kreises. Deshalb erscheinen da auch die Bekanntmachungen der übrigen Städteverwaltungen des Kreises, Neviges, Wülfrath, Mettmann, Cronenberg. Druck, Verlag und Redaktion gingen 1912 an Richard Gäbe Vohwinkel, Gartenstraße 11, und 1921 an Walter Ludwig ebendort über. Der Inhalt dieses Kreisblattes ist noch in allzu frischer Erinnerung, als daß hier auf ihn näher eingegangen werden brauchte. Der politische Teil, die Nachrichten aus der Heimat und dem sonstigen Vaterlande und aus aller Welt, die gemeinnützigen Betrachtungen gaben ihm doch eine Bedeutung, daß die Bezieher, Vohwinkeler Bürger und Kreiseingesessene, mit dem Blatt zufrieden sein konnten. Ueber 30 Jahre bestand das Kreisblatt in solcher Form.

1928 wiederholte sich ein Vorgang, der beim Jahre 1888 vermerkt ist. Die Vohwinkeler Zeitung hörte als solche auf zu sein. Durch Vertrag vom 7. Januar wurde sie mit der in Velbert verlegten Morgen-Zeitung verschmolzen. Die Morgen-Zeitung existiert seit 1921 und ist aus den Heiligenhauser Nachrichten, gegründet 1898, hervorgegangen. Es glückte ihrem rührigen Verleger Otto Kretzschmar, sie 1925 in Neviges und 1926 in Langenberg festen Fuß fassen zu lassen. Solch ein Erfolg ermutigte zu weiterer Ausdehnung des Verbreitungsgebietes der Zeitung. Sie umfaßt heute 7 von den 10 Bürgermeistereien des Kreises Mettmann, darunter Vohwinkel. Nach schwierigen Verhandlungen ist ihr auch das gelungen, daß sie seit 7. März 1928 das Amtliche Kreisblatt ist. Die Morgen-Zeitung erscheint wöchentlich siebenmal und bringt außer dem amtlichen Teil die neusten Tagesereignisse aufs schnellste. Besondere Spalten sind dem Niederbergischen Land im allgemeinen, den Städten daselbst im besonderen gewidmet. An Beilagen gibt es das Magazin, das Debatteblatt, Sportblatt, Filmblatt, den Langenberger Sender, das Illustrierte Blatt, eine Romanbeilage und eine Beilage Haus, Hof und Garten.

Abschließend werde auf die in Elberfeld und Barmen erscheinenden Zeitungen hingewiesen, die ebenfalls in Vohwinkel einen sehr starken Absatz finden, weil sie alles Lokale hierorts stets berücksichtigen und in ausführlichen Darstellungen bringen.




Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

Vereinigung mit Elberfeld

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