5. Die Verlegung der Post nach Vohwinkel.


Geschichtliches.
1516 Franz von Thurn und Taxis errichtet die erste (Reit) Post zwischen Wien und Brüssel.
1615 Sein Haus erhält das Reichs-General-Erb- Postmeisteramt.
1867 Letzte Turn- u. Taxische Postgerechtsame an Preußen abgetreten.
1821 Landbriefbestellung und Schnellposten eingeführt (Nagler).
1857 Briefmarken. Briefkästen.
1850 Deutsch-Oesterreichischer Postverein.
1868 Post des Norddeutschen Bundes.
1871 Deutsche Reichspost.
1878 Weltpostverein.

Heimisches.
1586 Die alte Land- und Schutzstraße von Zons über Hilden (Vohwinkel) nach den Kölnschen Burghöfen Elberfeld, Schwelm, Hagen, Soest ... erwähnt.
1700 Wegweiser auf kurfürstlichen Befehl aufgestellt. Schlagbäume z. B. in Wieden, auf Kluse, nach Haan zu sperren die Straßen.
1750 Die das ganze Wuppertal auf der Talsohle durchziehende Straße entstand auf Anregung des Richters Alhaus.
1800 Großer Verkehr auf der Kohlstraße.
1815 Die sogenannte Essen-Solinger-Provinzialstraße über Dornap-Vohwinkel angelegt, man sagt, als ein Werk Napoleons.
1838 Bau der Chaussee zwischen Sonnborn und Vohwinkel.
1841 Ab 3. September Personenpost zwischen Vohwinkel-Elberfeld und Vohwinkel-Solingen zur Beförderung zur Bahn hin. 1849 Postexpedition von Sonnborn nach Station Vohwinkel verlegt, als eine Eisenbahn-Postexpedition.

Aus alter Zeit.
Ueber den „Verkehr in alter Zeit“ siehe die kurze Darstellung in der „Festschrift zur Drei-Jahrhundert-Feier 1910 der Stadt Elberfeld“ im Verlage I. H. Born - Elberfeld 1910, hier in der Volksbücherei unter 125 B. K. 1, Seite 156.

Ein Sonderereignis in Vohwinkel im Jahre 1839 schildert August Peiniger sen., Elberfeld (unter „Zur Geschichte Vohwinkels“ in den Monatsheften des B. G. V. 1899 Nr. 8/9, Seite 180). Die Schnellpost, welche damals noch zwischen Berlin und Köln verkehrte, wechselte diesseits Hagen die Pferde in Schwelm, Elberfeld, Solingen und Langenfeld.

Nun geschah es 1839 im Herbst, daß der Postillon, welcher abends spät den vierspännigen Postwagen von Elberfeld nach Solingen führte, entweder betrunken oder eingeschlafen war. Die Pferde waren ohne Leitung und liefen in Vohwinkel nicht links den Berg hinauf gen Gräfrath, sondern geradeaus weit hinein in den Teich. Mit vieler Mühe wurden die Passagiere total durchnäßt gerettet. Eine Dame aus Solingen trug man ohnmächtig in das Haus von Wülfing, wo man sie zu Bette legte. Die Pferde sollen auch noch mit dem Leben davongekommen sein. Der Postwagen kam in dieser Nacht nicht mehr in Solingen an, aber einen Boten schickte Wülfing gleich nachher, welcher das Unglück meldete und von den geängstigten Angehörigen der Dame trockene Kleider mit nach Vohwinkel zurücknahm, nachdem er versichert hatte, man könne sich beruhigen, die Frau habe weiter keinen Schaden erlitten und würde andern Tages in Solingen wieder eintreffen. Aus Vorstehendem geht demnach hervor, daß früher auch schon eine Reise im Postwagen gefährlich sein konnte.

Die folgenden Darstellungen sind entnommen den Akten der Ober-Postdirektion Düsseldorf, Abt. B. Sec. II. Lit. Nr. 18 Vol. I-V und den Akten des hiesigen Postamtes.


Unter dem 8. Juli 1846 schreibt Johann Wülfing zu Vohwinkel (vergl. Abschn. 2), der die Eisenbahnpostexpedition Vohwinkel als erster versah ein Gesuch an die wohll. Kgl. Postbehörde in Solingen um Bewilligung einer Tantieme für die Expedition des Solinger-Vohwinkeler Wagens: „Die Billetausgabe für den Solinger-Vohwinkeler Wagen war zuerst dem Postkondukteur überlassen, wodurch fast jeden Tag Klagen von Seiten des Publikums und natürlich Unannehmlichkeiten für die wohll. Postbehörde entstanden. Aus Achtung für beide Teile zugleich auch um eine gewisse Ordnung und Bestimmtheit in das Geschäft zu bringen, übernahm ich die Billetausgabe nebst Führung des Journals nach vorgeschriebener Ordnung bis dahin gratis. — Da ich in jetziger Stellung einen jungen Mann gegen Besoldung und unter meiner Leitung und Verantwortlichkeit zur Ausgabe der Billets für die Eisenbahn und für den Personenwagen halten muß, so wird die wohll. Postbehörde einsehen und billigen, wenn ich jetzt um Bewilligung einer Tantieme von 2 Sgr. pro Tlr. Einnahme gehorsamst einkomme. Vohwinkel, den 8. Juli 1846. Mit Hochachtung einer wohll. Postbehörde ergebener Diener J. Wülfing.“

Das Solinger Postamt reicht dies Gesuch am 10. Juli 1846 befürwortend weiter: „Ueber das Gesuch des Josef Wülfing um Bewilligung einer Tantieme für die Personeneinnahmen bei der 3 mal täglich zwischen Solingen und Vohwinkel zum Anschluß an die Elberfeld-Düsseldorfer Eisenbahn gehenden Personenpost hat das Postamt folgendes untertänigst zu berichten. Vohwinkel besteht nur aus zwei Häusern, wovon das eine hart an der Eisenbahn liegende dem Gastwirt und Stations-Einnehmer Wülfing gehört.

Nach der vom Postmeister Wittmanns bei Gelegenheit einer Klage gegen den Kondukteur Rosso gemachten, unter dem 30. November 1843 berichteten Einrichtung fand sich der p. Wülfing willig, die Passagier-Billets auszugeben und die Reisenden bis zur Weiterfahrt bei sich aufzunehmen, um so mehr, da er als Gastwirt offenbar Nutzen davon hat. Er hat sich seither als qualifiziert bewiesen, die Gelder stets pünktlich eingeliefert, und ist in der Tat in Vohwinkel niemand zu diesem Geschäft geeigneter. Korrespondenz und Postpakete kommen nicht in seine Hände, diese überliefern sich die Kondukteure unmittelbar. Die von ihm eingesandten Einnahmen waren in Summa 311 Rthr. 6 Sgr. im ersten halben Jahr. Ein kleines Fixum, wenn auch nur aus der Rücksicht, daß die Kgl. Postverwaltung seine Leistung nicht unentgeltlich acceptiert, dürfte ihn erfreuen. Darüber hochgeneigtest zu bestimmen, stellt das Postamt gehorsamst anheim und überreicht hiermit das Gesuch des p. Wülfing zu gnädigster Entscheidung, gez. Wittenberg, Postmeister. — Randbemerkung. Der Gastwirt Wülfing in Vowinkel besorgt das Abschreiben der Stunden- und Personenzettel zur Personenpost von dort nach Solingen und die Annahme der Personen seit dem 1. Januar 1844 unentgeltlich. Die gedachte Post kursiert täglich 4 mal und das in Vohwinkel auskommende Personengeld, welches in Beträgen von 6 Sgr. resp. 3 Sgr. erhoben wird, erreicht jährlich die Höhe von praeter propter 600 Reichstalern. Die Mühewaltung des p. Wülfing ist hiernach nicht ganz unerheblich und, wenn er auch als Gastwirt von den Reisenden einigen Gewinn zieht, so dürfte es doch billig sein, ihm eine mäßige Renumeration zu bewilligen.“

Das Generalpostamt Berlin entscheidet unter dem 23. Juli 1846 zu Gunsten Joh. Wülfings und gibt der geheimen Verificatur (Nachprüfungsstelle, Kontrolle) in Solingen Anweisung zur Zahlung: Auf den Bericht ist dem Gastwirt Wülfing in Vohwinkel für das Abschreiben der Stunden- und Personenzettel sowie für die Annahme der Personen zur Personenpost von dort nach Solingen, welches Geschäft derselbe seit dem Jahre 1844 unentgeltlich und zur Zufriedenheit besorgt hat, vom 1. Mai ab eine Renumeration von 30 Talern jährlich bewilligt worden.

Da der Bahn- und Postverkehr zunimmt, sehen sich die Vohwinkeler am 20. März 1848 veranlaßt, zu einer untertänigsten Bitte um Errichtung einer Postexpedition zu Station Vohwinkel, Gemeinde Sonnborn, Bürgermeisterei Haan: Station Vohwinkel bildet durch die Concentrierung der Landstraße von Elberfeld nach Solingen mit der von Werden nach Solingen, ferner durch die Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn und Hauptstation der Prinz Wilhelm-Eisenbahn des bedeutenden Kohlenhandels und sonstigen Verkehrs wegen auf hiesigem Bahnhof in kommerzieller Hinsicht einen sehr bedeutsamen und beachtenswerten Ort. In Erwägung:

Verschiebebahnhof Vohwinkel
Verschiebebahnhof Vohwinkel

Hauptbahnhof und Post Vohwinkel
Hauptbahnhof und Post Vohwinkel

  1. werden die uns von Düsseldorf, Elberfeld, Solingen, Remscheid zugehenden Briefe erst den nächsten Tag von Sonnborn aus überbracht, wo wir noch von jedem Brief 1 Sgr. Tragelohn bezahlen müssen, hingegen besteht von Solingen täglich 3 mal Postverbindung nach Vohwinkel mit der Düsseldorf-Elberfelder und Prinz Wilhelm-Eisenbahn, mit welcher jedesmal die von Köln, Remscheid, Solingen, Gräfrath kommenden Briefe direkte, hierhin und zurückbefördert werden könnten, ebenso von und nach Düsseldorf, Elberfeld täglich 6 mal vermittelst der Eisenbahn;
  2. erwüchse für Vohwinkel und Umgegend durch die Einrichtung einer Postexpedition der große und sehr wichtige Vorteil der raschen Beförderung der Briefe, woran den Unterzeichneten vermöge ihrer Geschäfte sehr viel gelegen ist — und zwar mit verminderten Kosten — ebenso für die wohll. Postbehörde dadurch vermehrten Briefwechsel und mithin Aufschwung der Industrie im allgemeinen. Der Guts-Besitzer von Vohwinkel Johann Wülfing ist für Abfertigung der Posten schon längst angenommen, erhält dafür Vergütung und hat die erforderliche Kaution gestellt. Auf unser dringendes Ersuchen hat sich derselbe bereit erklärt, gegen jährliche Vergütung von 100 Talern auch die förmliche Expedition übernehmen zu wollen. Wir bitten untertänigst. ... gez. Louis P. Hülsenbeck, Rittergutsbesitzer zu Haus Lüntenbeck. Hoerner, Bahnhofsinspektor. Franzen, Baumeister der Prinz Wilhelm-Eisenbahn. Heinrich Hilgers, Faktor für die Zeche Henriette. Koenemann, Beamter der Prinz Wilhelm-Eisenbahn. P. Priem, Faktor der Zeche Vereinigung. C. H. Schilling, Beamter der Prinz Wilhelm-Eisenbahn. Tänner, Beamter der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn zu Vohwinkel. H. Giebel, bei der Prinz Wilhelm-Eisenbahn. Evertz, bei der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn. Karl Möllenberg, Verwalter des Herrn Breichner von Elberfeld. Lomberg, Schichtmeister der Zeche Maria-Anna und Steinbank. Johann Puppe, früher Unternehmer auf der Prinz Wilhelm-Eisenbahn. Klaus Casting (Schwiegersohn von Wülfing), Gastwirt an der Eisenbahn. I. W. Wetter, Gastwirt und Johann Wülfing, Gutsbesitzer. — (Die Namen sind hergesetzt, um die Bewohner Vohwinkels vom Jahre 1848 aufzuführen.)
Das General-Postamt Berlin übersendet diese Eingabe dann dem provisorischen Postinspektor Hoppe zur Prüfung, der darüber am 26. Juni 1848 urteilt: Der Ort Vohwinkel ist keineswegs, auch nicht in Hinsicht auf kaufmännischen oder gewerblichen Verkehr ein so bedeutender oder beachtenswerter Ort, als in der ganz gehorsamst wieder hier beigefügten Eingabe vorgestellt wird. Mit Ausnahme des geschäftlichen Verkehrs, welcher sich dadurch bildet, daß mehrere Zechen in Vohwinkel Kohlenlager errichtet haben, und daß die wenigen Reisenden von der Steele-Vohwinkeler Bahn daselbst auf die Elberfeld-Düsseldorfer Bahn übergehen, ist eigentlich gar kein Verkehr vorhanden. Die Natur des Kohlenhandels macht aber eine möglichst rasche und prompte Beförderung der ihn betreffenden Korrespondenz nicht zur Notwendigkeit oder zum Bedürfnis seines Aufblühens, und ich hielt es daher auch den Verhältnissen für vollkommen angemessen, daß die Korrespondenz nach Vohwinkel, durchschnittlich drei Briefe täglich, von Sonnborn aus durch den Landsboten täglich bestellt wird. Auf meine in dieser Weise an Ort und Stelle abgegebene Erklärung fand man nichts zu erwidern, als daß sich die Korrespondenz auf dem Wege über Sonnborn doch etwas verspäte und daß man ein Sgr. Bestellgeld für jeden Brief bezahlen müsse. Dieser geringen Unannehmlichkeit wegen eine Postexpedition in Vohwinkel. einzurichten, halte ich nicht für gerechtfertigt. Es läßt sich aber dem Publikum durch die Anordnung entgegenkommen, daß die Briefe nach Vohwinkel als nach einem zwischen zwei Postanstalten belegenen Orte in Elberfeld, Düsseldorf, Solingen austaxiert oder überhaupt berechnet und dann durch die Kondukteure in Vohwinkel abgegeben werden. Der Gutsbesitzer J. Wülfing, welcher schon jetzt das Abschreiben der Posten von und nach Solingen gegen eine Vergütung von 30 Rthr. jährlich zu besorgen hat, ist bereit, die angekommenen Briefe anzunehmen, über das darauf haftende Porto mit den Postanstalten in Düsseldorf, Elberfeld, Solingen Konto zu führen und auch abgehende Briefe, wenn sie unfrankiert sind, zu sammeln und den Kondukteuren mitzugeben. Mit einer solchen Einrichtung würde das beteiligte Publikum ganz zufrieden sein, und ich unterstelle daher ....

Der Antrag Hoppe erscheint durchaus sachgemäß und wird am 10. Juli 1848 genehmigt. Doch bleibt die Sache nicht ruhen. Wir finden unter Elberfeld, den 12. Juli 1849 betr. Einrichtung einer Postexpedition in Vohwinkel diesen Fortschritt. In Vohwinkel, wo nach der nebenallegierten (angeführten) hohen Verfügung eine Postexpedition eingerichtet werden soll und wo diese nach dem Bericht vom 31. März d. Js. notwendig ist, fehlt es in den wenigen Privathäusern an einem Lokal, welches zum Postbüro gemietet werden könnte. Es ist nun mit der Direktion der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahngesellschaft das Abkommen getroffen worden, daß die Vorhalle des dortigen Stationsgebäudes in zwei Zimmer umgewandelt werden soll und daß diese Zimmer, von denen jedes eine Länge von ungefähr 12 Fuß und eine Breite von 10 Fuß erhalten wird, der Postverwaltung gegen eine Miete von 40 Reichsthalern jährlich überlassen werden sollen. Die Direktion vermietet die Räume auf fünf Jahre, übernimmt die Kosten der Einrichtung einschl. der Herstellung von Wandschränken und der Anschaffung des Ofens. Die Bedingungen erscheinen mir als billig, und ich beantrage daher usw. ... Zur Besetzung der Postexpediteurstelle in Vohwinkel muß ein Postexpeditionsgehilfe verwendet werden, weil es daselbst niemand gibt, welcher solche übernehmen könnte. Der Bahnhofsinspektor kann und will sich mit der Verwaltung der Postexpedition ebenfalls nicht befassen. Da aber in Vohwinkel durchaus keine Emolumente (Nutzen, Nebeneinnahmen) vorkommen können, so wird der Postexpediteur in irgend einer Weise so gestellt werden müssen, daß er von seiner Einnahme leben kann.

Bis hierüber weitere Beschlüsse gefaßt werden können, möchte es am zweckmäßigsten sein, die Postexpedition durch einen Gehilfen provisorisch mit einer Renumeration von 15 Reichsthalern monatlich verwalten zu lassen. gez. Hoppe.

Am 9. Septb. 1849 werden ganz spezialisierte Vorschläge gemacht:
  1. Postexpedition Sonnborn wird aufgehoben bezw. nach Vohwinkel verlegt und dem Kgl. Postamt Elberfeld untergeordnet.
  2. Die Verwaltung übernimmt der Postexpeditions-Gehilfe Roethig, bisher in Sonnborn, gegen eine monatliche Renumeration von 15 Reichsthalern.
  3. Landbriefträger Wilde wird ebenfalls von Sonnborn nach Vohwinkel überwiesen und versieht von dort aus die Landbriefbestellung.
  4. Postschild, Utensilien, Amtsbibliothek usw. gehen an Vohwinkel über, die neue Diensthalle erhält zwei Schranken, von denen eine als Schreibpult benutzt werden kann.
  5. Dienstliche Wirksamkeit der neuen Stelle. Ihr Zweck ist als Zweigpunkt für die Postverbindung nach und von Solingen, Gräfrath, Wald, Burg a. d. W., auf der Höhe, Elberfeld sowie für die Eisenbahnanschlüsse zu dienen.
  6. Die Portotaxe von Sonnborn wird für die neue Postexpedition in Vohwinkel substituiert.
  7. 30 Reichsthaler Vergütung an Gastwirt Wülfing fallen ab 1. November fort.
  8. Ein Dienstsiegel mit Krone und Briefannahmestempel werden für Vohwinkel besonders beschafft werden. —
Roethig zahlt 125 Reichsthaler Kaution und hat Aussicht auf Anstellung. —

So tritt denn am 1. November 1849 die Postexpedition in Vohwinkel in Tätigkeit, wenngleich Berlin erst am 4. November d. Js. alles genehmigt.

Allmählich wird die neue Postexpedition besser ausgestattet. Sie erhält als Zeitangeber eine Schwarzwälderuhr (1860 eine Regulaturuhr) und später einen zweiräderigen verdeckten und verschließbaren Karren, dann einen Schrank mit 40 Fächern zur Ansammlung und sicheren Aufbewahrung der eingehenden Karten, Drucksachen u. a., weil täglich schon 80 Kartenschlüsse ankommen und 68 abgehen, und endlich noch einen Aushelfer, der sonst Inwohner und Tagelöhner in Sonnborn ist und für 12 Silbergroschen Tagelohn im Vohwinkeler Postkontoir tätig sein sollte.

Jetzt, am 19. Februar 1850, erfahren wir auch, nach welchen Ortschaften und Gehöften von Vohwinkel aus die Korrespondenz bestellt wird. Es sind dies: Kirberg, Giebel, Möbeck, Thurn, Vasbeck, Stokmannsmühle, Lüntenbeck, Saurenhaus, Sandfeld, Wiedener Häuschen, Schickenberg, Frankholz, Hagen, Untenvormsteg, Boltenberg, Buchenhofen, Wuppertal, Hammerstein, Vogelsang, Schroedersbusch, Sonnborn, Ruthenbeck, Stocken in den Stöcken, Bies, Roskamp, auf der Kluse (zum Teil), Halbenberg, Krutscheid, Kirschsiepen, Nathrath, Tesche, Wieden, Nösenberg, Schliepershäuschen, Evertsau unterste Rutenbeck.

Als Selbstabholer werden Später, am 14. August 1852, genannt: Hülsenbeck, Gutsbesitzer in Lüntenbeck. Hoerner, Bahnhofsinspektor in Vohwinkel. Klemm, Gutspächter in Lüntenbeck. Kattwinkel, Bauaufseher in Vohwinkel. Lutz-Frantzen, Gastgeber in Vohwinkel. Neegele, Bahnhofsinspektor in Vohwinkel. Westphal, Kreisbaumeister in Vohwinkel. Wirtz, Verwalter auf Haus Aprath.

Schon am 31. Januar 1850 berichtete der Postexpediteurgehilfe Roethig, daß das Dienstlokal sehr klein und mangelhaft ist und daß ein Beamter nicht lange in diesem Raum aushalten kann, ohne seine Gesundheit zu ruinieren. Roethig versieht den schweren Dienst anerkanntermaßen vorschriftsmäßig, ist überhaupt ein sehr gewissenhafter und streng rechtlicher Mann. Vohwinkel tritt nun als Speditionspunkt und als Kreuzungspunkt immer entschiedener hervor. Weil hier Roethig am rechten Platz zu sein scheint, wird ihm die Anstellung angeboten. Er lehnt am 23. März 1850 die definitive Uebernahme der Verwaltung des Postkontoirs Vohwinkel ab, weil sein Gehalt von 180 Reichsthalern im Jahre zu klein, die Gegend zu teuer, die Arbeit zu groß ist. Das gab denn doch zu denken! Daher berichtet der Postinspektor über eine Assistenz für Roethig am 14. Dezember 1850, daß das Postkontoir Vohwinkel täglich abfertigt 11 Eisenbahnzugsposten von Düsseldorf und Elberfeld und 3 von Steele, 4 Fahrposten von Solingen, 2 von Wald, Summa 20, zweimal täglich Landbriefträger, 170 ankommende und 140 abgehende Kartenschlüsse, 62 Pakete im November und 66 im Dezember, 21 Geldsendungen im November und 25 im Dezember, dazu die Ortsbestellungen an Paketen und die Gelder. Nehmen wir gleich einen späteren Bericht vom 3. Dezember 1852 über den Postpersonenverkehr hinzu, so vervollständigen wir das Bild: vom 1. August 1850 bis 31. Juli 1851 wurden von Vohwinkel aus 4496 Personen, vom 1. Januar 1852 bis Jahresschluß 4953 Personen mit der Post expediert. — Bald danach, am 22. März 1851, beantragt Roethig alle 7 oder 14 Tage einen freien Tag zur Erholung und Verrichtung des Gottesdienstes, was jedoch abgelehnt wird mit Rücksicht auf die zunehmenden Verkehrsverhältnisse und das Fehlen einer Stellvertretung, und weil in Vohwinkel keine Kirche ist. Darüber geht das Jahr 1852 hin.

Am 6. Januar 1853 wird die Vohwinkeler Eisenbahn-Postexpedition eine Postexpedition II. Klasse. Es wird ein Postexpeditions-Gehilfe in Aussicht genommen, da Roethig kommissarischer Postexpeditionsvorsteher wird. Außerdem sind tätig ein Landbriefträger und ein Paketträger, beide aus Vohwinkel. Die Dienststunden sind von früh 7 bis 11 Uhr abends festgesetzt.

Noch eine Folge hat der zunehmende Verkehr. Am 1. August 1853 wird in Vohwinkel eine Posthalterei-Station errichtet. Vorausgreifend (1860) wird gleich hier erwähnt, daß sie 12 Pferde, 7 bis 12 Jahre alt, darunter Braune und Rotschimmel, namens Hevel, Hekla, Diana usw. und 4 Postillione und 4 Wagen nebst einer Extrapostchaise umfaßte.

Von Vohwinkel geht seit dem 18. Februar 1854 eine Personenpost auch nach Wülfrath, deren Verwalter in Haus Aprath wohnte. Die Ortsbriefbestellungen werden ab 10. Juli 1854 4 mal täglich ausgeführt.

Es ist nunmehr der Zeitpunkt gekommen, daß Vohwinkel zur Eisenbahnpostexpedition I. Klasse aufrückt, geschehen am 1. Nov. 1854.

Nochmals, am 8. Oktober 1855 gibt Roethig zu bedenken, daß der Dienst sehr schwer, die Station Vohwinkel isoliert gelegen ist, die Lokalverhältnisse auch sonst höchst ungünstig sind und die Teuerung steigt. Endlich, am 1. September 1856 wird er erhört und nach Neuß versetzt. An seine Stelle tritt Postexpedient Bartsch aus Oberhausen.

Daß es mit dem Personenpostbetrieb nicht klappte, ergibt die Anlage eines „Beschwerdebuches für die Post-Passagierstube zu Vohwinkel“, angefangen am 13. Oktober 1854, geschlossen am 22. Juli 1858.

Das Buch ist nicht allein dazu bestimmt, begründete Beschwerden über die Aufnahme und Bewirtung in der Passagier-Stub darin zu vermerken, sondern dient auch zur Aufnahme von Beschwerden aller Art, die auf das Postwesen Bezug haben. Zur Nachricht für Postreisende:
  1. Die Passagier-Stub muß anständig meubliert und stets reinlich sein, im Winter muß sie warm erhalten, und es dürfen keine Betten darin aufgestellt werden.
  2. In die Passagierstube muß jeder Postreisende bei Tag und Nacht unentgeltlich aufgenommen werden, ohne daß derselbe nötig hat, etwas zu verzehren.
  3. Der Aufenthalt in der Passagierstub wird gestattet bei Reisen mit Extrapost- und Kurierpferden, bei Reisen mit den Kurier-Schnell-Personen-Fahr- und Kariolposten. Jeder Reisende muß freundlich, zuvorkommend und bescheiden behandelt, schnell und gut und sauber bedient werden, wenn er Erfrischungen oder Essen begehrt, darf nicht übervorteilt werden, was der ausgehängte, gestempelte Preiscurant verhüten soll. Andererseits wird von jedem Reisenden erwartet, daß er Meubel schont, nicht Tabak raucht, die Achtung gegen das weibliche Geschlecht nicht aus dem Auge läßt und sich aller unpassenden Bemerkungen in dem Beschwerdebuch enthält, anderenfalls er nicht die Post zur Weiterreise benutzen darf, oder falls der Unfug erst nach seiner Abreise entdeckt wird, gesetzlich zur Rechenschaft und Bestrafung gezogen werden wird. —
Eine Sonderbeschwerde finde hier einen Platz. Am 10. Januar 1855 beschwert sich ein Kaufmann aus Wülfrath, daß, als er den Postwagen von Vohwinkel bestieg, er die Riemen zum Oeffnen und Schließen der Fenster abgerissen fand, daß die Fenster sich nicht öffnen ließen, daß die Räder nicht geschmiert waren, denn sie knirschten fortwährend. Die Entscheidung lautete, den Wagen nach jeder Fahrt genau zu besichtigen, im übrigen lagen die Mängel an der schlechten Beschaffenheit des neu beschütteten Weges. —

Weitere Beschwerden sind eingetragen über mangelhafte Heizung des Wartezimmers, darüber, daß nicht schnell genug eine Extrapost gestellt wurde, daß die Reisenden 10 Uhr abends im dunkelen Hausflur die Expedition nach Solingen abwarten müssen, daß kein Platz mehr in der Post nach Solingen zu erlangen war (N.B.: Diese 5. Tagespost nach Solingen beförderte an sich schon 28 Personen), daß die Post verspätet eintraf, sodaß der Zug weg war und die Reisenden nicht mehr zeitig zur Messe in Kassel eintreffen konnten, daß außerordentlich starke Zugluft im Posthausflur wehe, sodaß Erkältungen eintreten u. s. f. Natürlich hören mit 1858 die Beschwerden nicht auf. Ein Kohlenhändler aus Vohwinkel beschwert sich am 6. November 1860 über die unhöfliche Behandlung durch die Postbeamten in Vohwinkel, und so geht das fort bis .... heute!

Der Postverwalter Bartsch wird am 1. Juli 1860 abgelöst durch den Postexpedienten Frohning aus Langenfeld.

Die Ortspaketbestellung wird noch 1863 abgelehnt, da im Ortsbezirk nur eine Familie sich die eintreffenden Pakete bestellen läßt und darunter höchst selten Pakete erhält.

Die Posthalterei ging nach 1867 langsam zu Ende. Sie wird dort im Revisionsbericht vom 9. August erwähnt. Es wird verordnet, daß die Nachweisung über den Verbrauch der Wagenlichter monatlich abgeschlossen werden soll. Noch eine Verordnung der O. P. D. Düsseldorf für richtige Aufstellung der Posthaltereirechnung taucht am 27. März 1868 in den Akten auf. Dann findet sich nichts mehr von der Personen-, Fahr- und Paketpost in Vohwinkel in den Revisionsberichten. Die Posthalterei ist schon gestrichen in der Uebergabeverhandlung vom Juli 1870. Wenn sie dann 1872 noch einmal erwähnt wird, kann doch abschließend behauptet werden, daß die Posthalterei Vohwinkel spätestens 1872 aufgehört hat zu existieren oder ein Privatunternehmen geworden ist. Wir bringen diese Behauptung auch mit der Tatsache zusammen, daß das Johann Wülfing'sche Besitztum (am heutigen Markt), wo die Posthalterei seit ihrer Einrichtung untergebracht war, im Jahre 1868 durch Brand zerstört worden ist.

Am 1. Oktober 1869 wird die Post in Vohwinkel eine Postexpedition I. Klasse, d.h. es wird eine Postverwaltung eingerichtet. Daß das ganze Postwesen seit 1871 eine „Kaiserlich Deutsche Reichspost“ geworden ist, haben wir bei den einleitenden Zahlen hervorgehoben. Das Postamt wird immer größer an Tätigkeit und Personenzahl.

Am 17. Mai 1876 wird endlich in Vohwinkel ein Postamt II eingerichtet, das ein Vorsteher leitet.




Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

Vereinigung mit Elberfeld

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