3. Um 1800.
Dieser Abschnitt bringt Kriege, Kultur- und Familiengeschichtliches.
Kriegsgeschichte:
1793-1797 Krieg der ersten Koalition gegen Frankreich.
3./5. Oktober 1794 Die Oesterreicher gehen auf das rechte Rheinufer zurück und beziehen da die Winterquatiere. Im Bergischen lagen u. a. auch die Kaiser- oder Barcohusaren.
Aus der „Unkostenrechnung der Bauern der oberen, mittleren und unteren Honnschaft von Haan für die vom 4. November 1794 bis 17. April 1795 einquartierten Kaiser- und Barcohusaren“, aufgestellt von dem Honnschaftsvorsteher Konrad Buchmüller in Bolthausen. (Die Urkunde befindet sich bei Emil Schulten, Elberfeld, jetzt Kronprinzen-Allee 85). Vohwinkel selbst wird hier leider nicht erwähnt, aber fast sämtliche Ortschaften ringsum wie Pforten (Porthen), Siemonshaus, Görtscheidt, Schlüssel, Krutscheid. Welche Lasten zu tragen gewesen waren, mag ein Beispiel zeigen:
|
Schaefers Höh: |
26 Tage Einquartierung |
5 rth |
12 Gr. |
|
|
15 Rationen |
4 " |
30 " |
|
|
1 Sümmern Hafer |
1 " |
— " |
|
|
3 mal nach Deutz gefahren |
5 " |
— " |
|
|
1 mal nach Haan |
|
30 " |
|
|
|
16 rth |
12 Gr. |
Kriegsgeschichte:
5. April 1795. Friede zu Basel. Zwischen Preußen und der französischen Republik. U. a. auch Festsetzung einer bewaffneten Grenzlinie.
Elberfeld-Sonnborn und also auch Vohwinkel lagen westwärts dieser Demarkationslinie. Die Orte waren daher von den preußischen Truppen verlassen, das Bergische Land von seinem Fürsten Karl Theodor schutzlos dem Einbruch der Franzosen preisgegeben. Die Contributions-Exigenz (Anforderung an Kriegssteuern seitens des Feindes) für die Güter und Höfe Theisbruch, Steinberg, Buchshofen, Voßbeck, Vowinkel, Frankholz, Schieten, Stackelberg, Hagen und Teschen summierte sich 1795-96 auf 42 Taler, 26 Albus, 19 Heller.
Kriegsgeschichte: 1804-1814: Kaiserherrschaft Napoleons I.
Seit dem 14. November 1808 lag laut Dekret Napoleons Vohwinkel in der Mairie Sonnborn, die zum Canton Elberfeld im Arrondissement (Gericht- und Verwaltungsbezirk) Elberfeld des Rhein-Departements gehörte. 18071 Einwohner im Canton Elberfeld.
Kulturgeschichtliches:
|
1795. |
Gemäß einer Accise-Rechnung für 1794-1795 gab es damals zu Sonnborn 20 Wirte, die an Bier- und Brandweinaccise insgesamt 94 rtl., 15 Alb steuerten. |
|
Um 1800. |
Großer Verkehr auf der alten „Kohlstraße“ bei Vohwinkel. |
|
Um 1815. |
Die sogenannte Essen-Solinger Provinzialstraße, die über Dornap und Vohwinkel führte, angelegt, wie man behauptet, als ein Werk Napoleons. Neue Wirtschaften (Vohwinkel?) entstehen infolge dieses Straßenbaues. |
|
1817. |
Das Hungerjahr. |
|
1817. |
Sonnborn und mit ihm Vohwinkel kommen zur Bürgermeisterei Haan. |
Familiengeschichtliches (im Anschluß an die Ortsteile Vohwinkels).
I. Reformierte und lutherische Familien.
II. Katholische Familien.
In diesem Abschnitt, der auf eingehendstem Quellenstudium beruht, werden sowohl die übrigen Ortsnamen gebracht und erläutert als auch bei jedem Ortsnamen die Familien namentlich mit Jahreszahlen aufgeführt, die den Ortsteil jemals bewohnt hatten. Diese Aufstellung geht bis etwa 1820.
Ein Beispiel werde hergesetzt.
Zu Krutscheid, Scheid, Scheidung, Wasserscheide. Krut, Kraut, Krautacker, aber auch Gemüsefeld. 1218 Crutsede, Kruitzit. Wohl schon 873 Zinsgut des Stifts Gerresheim (vgl. Archiv der Geschichte des Niederrheins IV, Seite 126). -
O. S. (Geschichte der reformierten Gemeinde Sonnborn von zur Nieden, Langenberg, 1887, J. Joost), 1570 Adolff zu Kraudtscheidt. — K. R. (Kirchenrechnungen von Sonnborn 1629-1750.) 1644 Friedrich zu K. 1660 Lensgen zu Crotzot 1669 (Sb. A. d. h. Tauf-, Copulations-, Sterbebuch der reformierten Gemeinde Sonnborn 1661-1809, auf Amtsgericht Elberfeld lagernd), Peter zu K, 1678 Johann Ehrmann zu Crotzeit und flgde Jahre (vgl. auch C. V. d. h. Konfirmationsverzeichnis 1742-1819) u. s. f.
(Katholisch) 3 libri Baptistatorum et Copulatorum et Defunctorurn in hac parochia Greffradiensi 1703-1769-1809, (auf Amtsgericht Elberfeld lagernd) 1798-1801 und flgde Jahre Car. Wilh. Andr. Paschen (Poschen), 1799 Joa. Wilh. Woringer u. s. f.
Hof Krutscheid 1902 zufolge Eisenbahnbau abgebrochen. —
(Wer sich für Familienforschung interessiert, mag diese Familienregister in der bei der Stadtbücherei Elberfeld, Abt. Bergischer Geschichts-Verein, lagernden ausführlichen Urschrift der ,,Geschichte Vohwinkels“ nachschauen.) Für die breitere Oeffentlichkeit genügen hier die Darstellungen von Hammerstein und Lüntenbeck.

Alt Vohwinkel (Wirtschaft Stöcker)

Schloß Lüntenbeck bei Vohwinkel
Zu Hammerstein. Im Jahre 1020 Burggraf Otto von Hammerstein, vermählt mit Irmgard, auf Burg H. am Rhein (Ruine seit 1688 bei Oberhammerstein zwischen Linz und Neuwied), sucht Schutz vor dem Erzbischof von Cöln bei dem Grafen von Berg und bringt ein Gut H. an sich, das der heutige Hof H. bei Wülfrath gewesen sein soll. 1150, diesen Hof soll laut einer verbürgten Werdener Urkunde der Edelherr Gerhard von Tiuerne, Tyvern im Besitz gehabt, aber an den Grafen von Berg verpfändet haben. 1325 wird die kleine Burg H. an der Wupper genannt. Ein Sohn des Grafen Ludwig von H. und seiner Gemahlin Isalda von Isenburg-Brauneberg, Graf Arnold, wahrscheinlich der Stammherr der Bergischen Linie von H., gestorben 1395, — 1345 durch Kaiser Ludwig den Bayern belehnt mit der Burg an der Wupper. Das Geschlecht der H. am Rhein führte drei Männer im Wappen. Daraus scheinen die drei Kirchenfahnen hervorgegangen zu sein, die das Geschlecht der H. bei Sonnborn im Wappen hatte. Der alte Geschlechtername wurde beibehalten und auf den neuen Besitz an der Wupper übertragen. 1409, Hans Werner, genannt Johan der Alde, erstmals als Herr auf H. und Stackenberg (Stockberg) bei Sonnborn urkundlich erwähnt. Ab 1440 sein Sohn Hans Christoph, genannt Johann der Junge, gibt 1453 die Burg H. zu Lehen an seinen Landesherrn Herzog Gerhard von Jülich und Berg. Sein Nachfolger ist sein ältester Sohn Reinhard. Nach der Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins vom Mai 1898 (Histor. Wanderungen) war schon 1453 der Bach, an dem Varresbeck liegt, der Grenzbach zwischen der Herrschaft Elberfeld und dem Gut H. bei Sonnborn. 1475 Wienand von H., Bruder Johanns des Jungen, Bürgermeister der Stadt Düsseldorf. 1478, Adolph von H. kauft das Gut Urdenbach. 1486, Wilhelm von H., Richter des Amtes Angermünd. Ende des 15. Jahrhunderts Hermann von H., Johannes des Jungen zweiter Sohn, Rentmeister des Herzogtums Berg. 1514-1524, Hans von H., Kanonikus in Düsseldorf. 1524, Caspar von H. mit Stackenberg belehnt. 1543, Wilhelm von H. erwirbt durch Pachtung vom Kloster Gräfrath den Hof Cranenberg bei Rath. 1546, ein Johann von H. gestorben. 1548-1597, ein Hans von H., gefürsteter Abt zu Cornelimünster. Nach 1546 dessen zweiter Sohn Christoph, gestorben 1607, kauft Gut Wolfsöge im Amt Hückeswagen an und gründet damit die neue Linie des Geschlechts. Die neue Burg bekam den Namen Hammersteinsöge. 1557, Jaspar von H. (vgl. bei Lüntenbeck). 1562-1568, Adolph von H. Sein Nachfolger, wieder ein Adolf von H., erwähnt 1580 in G. S.: er beruft zusammen mit Wilhelm Bodlenberg, genannt Schirp zu Lüntenbeck, und mit Johann Esgen vor dem Berg L. U. Licentiat und Richter zu Elberfeld den Vicar zu Neviges und Thönisheide und Schloßprediger der Herren von Hardenberg, Caspar Lünenschloß, als Nachfolger von dessen Oheim Wilhelm Lünenschloß zum reformierten Pfarrer nach Sonnborn, der bis 1613 amtierte. — 1594, Ritter Christoph von H. auf Oege, gestorben 1607.
Im Jahre 1604 baut Adam von H. die Burg H. wieder auf. 1626, Adolph von H. reicht am 4. Juni beim Landesherrn eine Beschwerdeschrift ein (vergl. Monatsschrift des Bergischen Geschichtsvereins vom Februar 1899, zur Geschichte des 30-jährigen Krieges im Bergischen), daß sein Oheim Kaspar auf H. die Gebäude verfallen und das Gut verkommen läßt. Der Beschuldigte war gewiß an sich nachlässig und unvermögend, aber der Krieg trug doch die Hauptschuld. Herzog Wolfgang Wilhelm von Jülich-Berg, Pfalzgraf von Neuburg, 1614-1653, gab darauf dem Amtmann, Richter und Gerichtsschreiber in Solingen Befehl, den Sachverhalt zu erkunden. Schon am 30. Juni berichtete der Gerichtsschreiber Roß in Solingen, daß die Behausung zu H. ganz dachlos sei, daß das Dach zum Teil schon mit den Dachsparren eingefallen sei. Die oberen und unteren Gebäude (Räume?) seien wegen des mangelhaften Daches durch den Regen verdorben und verfault, unten in der Küche seien ebenfalls die Bretter verfault. Die ebenerdigen Stuben und Kammern seien verwüstet, zu Schaf- und Kalbställen benutzt. Bei Regenzeiten könne kein Mensch im Hause trocken bleiben, die Brücke (Zugbrücke?) vor dem Hause sei verfallen .... Dieselbe Monatsschrift (siehe vorher) setzt die Schilderung der Verwüstung durch den 30-jährigen Krieg noch fort: Nicht besser als in H. sah es mit den Bauerngütern aus. Nocken und Daube — Grotenbeck, ebenfalls in der Herrschaft Sonnborn gelegen, i. J. 1646 hatten die ganzen Ländereien fast völlig verwüstet, so daß sie kaum die Abgaben für den Landesherrn aufbrachten. Die Gebäude waren zerfallen, ein großer Teil des Landes, der an der Landstraße lag, war zu Wegen gemacht worden. Vom Hause und Wirtschaftsgebäude zu Nocken waren keine vestigia mehr vorhanden. Die Ländereien waren mit Hecken und Sträuchern bewachsen und in vielen Jahren nicht besamet worden. — 1631, 22. Februar Caspar zu und von H. (vergl. G. S. S. 57) stimmt zu, daß Caspar Buntenbeck zum Dienst an der Schule in Sonnborn berufen wird. 1609, ein Johann Wilhelm von H. (in K. R) Im 17. Jahrhundert wandert das Geschlecht derer von H. in das Hannoversche ab. 1785, Christoph Albrecht, Freiherr von H., holländischer Generalmajor, begraben in der kleinen evangelischen Kirche zu Düsseldorf. 1811, der Besitz Oege derer von H. geht in andere Hände über. 1825, Gut H. an der Wupper kommt an den Kaufmann Friedrich August Jung in Elberfeld. Nach der Katasterrolle von 1833 Art. 69 umfaßte es die Landstücke Vogelsang (heute Schliepers Fabrik, vergl. Verwaltungsbericht Vohwinkel 1900 S. 15/16 und S. 17), Stakenberg, Cierbaum, Hammerstein, Rebenfeld, Brandbusch, Stöckenbergbusch, im Stöcken, am Schrödersbusch, in der Fliethen, unten vom Steeg in Sonnborn. Von 1855 ist noch zu erwähnen, daß es eine Fabrikschule in H. gab (vergl. Abschnitt über Bildungsanstalten). 1883 wird H. von dem Rentner Adolf Haarhaus aus Elberfeld gekauft.
1890 befindet sich H. im Besitz des Freiherrn von Dalwig Ehefrau Höffken-Haarhaus Luise Adele, wohnhaft zu Deutsch-Jägel; Kreis Strahlau. Ab 1901 und 1903 ist dann H. stückweise verkauft worden (siehe Zeitschrift des Berg. Gesch.-Vereins 1879, S. 143).
Literatur: Stammtafel derer von H. am Rhein, an der Wupper und in Hannover. Das Freiherrl. Geschlecht von Hammerstein. Monatsschrift des B.G.V. Mai 1898, S. 103 O. Schell, histor. Wanderungen. General-Anzeiger Elberfeld 1924, Nr. 220 vom 18. Septr, Beilage. Max Roemer, von einem alten Rittergeschlecht der Heimat Vergl. Chr. Stramberg, Rheinischer Antiquarius, Koblenz 1859.
Zu Lüntenbeck. 1352 Luynkinbeyk. 1577 (G.S. S. 30) Lunckenbeck, vergl. K. R. 1660, — ebenda 1668 Lündenbick, sonst auch Lintenbeck, Lintenbach, sogar Lunterbach (?). Nach C. Pithan, Schloß Lüntenbeck, histor. Skizze aus dem Lande der Berge, Langenberg 1888, bei Jul. Joost: Pithan erwähnt S. 13 aus der vorchristlichen Zeit die geheiligte und heilbringende Quelle bei L. (neben dem St. Gerricuspütz in Gerresheim, dem Sonnenbrunnen in Sonnborn, dem Brunnen zu Holzerhof bei Leichlingen); S. 20 nennt er als ersten nachweislichen Besitzer L's, etwa 850, den fränkischen Ritter Gerrich, sehr begütert und mächtig im Bergischen Lande; S. 23 führt er unter den Gütern des im Jahre 873 geweihten Adl. Damenstifts Gerresheim auf auch L. als des Stifts Vogtei und Tafelgut (vergl. Archiv f. d. Geschichte des Niederrheins IV, S. 126) und schließt S. 26 auf ein ganz respektables Alter L.'s, weil es ja nicht in ein paar Jahren entstehen und zu solcher Bedeutung für das Stift gelangen konnte; S. 27 fährt er fort, daß die Mönche, die damals L. bewohnten und bewirtschafteten, neben den religiösen Obliegenheiten ihres Berufes genug zu tun hatten, um das Stift stets mit Naturalien, Jahreszinsen versorgt zu erhalten, daß dieselben Mönche überdies als Klostervögte, Justiziare der Kirche berufen waren, deren Gerechtsame dem Staat gegenüber zu verteidigen und zu vertreten; S. 28/9, L. soll sein eigenes Gericht und Gerichtsverfahren schon in der altfränkischen Zeit gehabt haben (vergl. die alte Linde im Schloßhof zu L); Seite 37 behauptet er, daß die Hunnen auf ihren Streifzügen auch L. heimgesucht haben, 917, Seite 39, unter der Aebtissin Guda 1214-1231 wurde L. ebenfalls völlig restauriert und die Mühle wurde erbaut, wahrscheinlich zum Mahlen der von Gräfrath und den umliegenden Höfen abzuliefernden Frucht; S. 41 schließt er, indem er auf die Wohlerhaltung des Schlosses L. hinweist trotz 30-jährigen Krieges und trotz des Zahnes der Zeit.
Sonstiges: 1327, L. in der Hand des Herrn Rutger von Carnap. 1352, Gerlaye van Luyntinbeyk. 1460, Hermann Mallinckrodt erwirbt L, dessen Enkelin Agnes es an die Familie Rottenberg-Schirp (oder Bottlenberg-Schirp bringt. Dies Geschlecht führte einen doppelten gezinnten roten Querbalken im silbernen Felde, ein Wappen, das noch in letzter Zeit eine Wetterfahre von L. aufwies.
Die Bottlenberg sind ein altes bergisches Adelsgeschlecht, das bis zu den Zeiten Barbarossas zurückgeführt werden kann. Am Anfang des 16. Jahrhunderts ein gewisser Gerhard v. B. auf L., vermählt mit Mathilde von Bottlenberg-Kassel vom Hause Dhün. Im Jahre 1531 vermittelte Wilhelm Schirp in einer Streitigkeit zwischen den Pfarreingesessenen von Solingen und der Abtei Altenberg. Er war höchstwahrscheinlich Inhaber von L., denn das Ritterbuch führt 20 Jahre später einen gleichen Namens unter den Adelsherren des Solinger Amtes auf. — Ernste Zeiten kamen 1557. Laut einer Notiz im Ritterbuch wurden wegen der Türkenkriege und „anderen Sachen“ unter den Adeligen aus dem Amt Solingen auch Godart Schirp und Jasper von Hammerstein zur Erfüllung ihrer Vasallenpflicht nach Düsseldorf entboten. Diese Aufforderung des Landesherrn, Herzogs Wilhelms des Reichen (1539-1592) enthält noch eine Anzahl wichtiger Mitteilungen. Fünf Jahre später, 1562, taucht wiederum ein Gotthard Schirp neben andern Junkern des Bergischen auf; er ist wohl mit dem vorigen identisch. Diese Ritter erschienen 1564 in Frankfurt zur Kaiserwahl Maximilians II. (1564-1576). Ein späterer Besitzer des Hauses L. war Wilhelm von Bottlenberg-Schirp, (auch Bodlenberg, van dem Budlenberge und Schiyrp). Er war reformiert und Kollator der Sonnborner Kirche. G. S. S. 29/30. Im Jahre 1580 beruft er zusammen mit Adolf von Hammerstein zu H. und Johann Esgen vor dem Berg L. U. Licentiat und Richter zu Elberfeld den Vicar zu Neviges und Thönisheide und Schloßprediger der Herren von Hardenberg, Caspar Lünenschloß, als Nachfolger von dessen Oheim Wilhelm Lünenschloß zum reformierten Pfarrer nach Sonnborn, der bis 1613 amtierte. — 1607, Franz Dietrich von Bodlenberg genannt Schirp. 1618, Gottfried von dem Bodtlenberg genannt Schirp zu Lunckenbick (G. S. S. 50/51), betätigt sich auf kirchlichem Gebiet, indem er für Heilighaltung des Sonntags, des Eides sich einsetzt. 1631, mit vorwissen und belieben der woledelen vesten und gestrengen Gottfrieden und Hans Reinharden respektive Vatter und Sohn vom Bodlenberg genandt Schirp zu Lüntenbeck und etc. (G. S. S. 56/57) wird Caspar Buntenbeck zu dem Dienst unserer Schulen (Sonnborn) berufen. 1660, Franz Gottfridt von Lüntenbeck, Amtmann zu Elberfeld. 1669, Johann Bertram von Bodlenberg, Junker Schirp, ebenfalls Amptmann zu Elberfeld, gestorben 1672, 8. Februar (vergl. SbA 1672), weigerte sich (G. S. S. 63/64) eine Kirchenreparatur zu übernehmen, er wollte zwarn wohl etwas wie seine voreltern darzu thun aber davon keine gerechtigkeit gemacht noch etwas davon in die Schrift gebracht haben. Uebrigens gab es (siehe ebenda) einen Lüntenbecker Stuhl in der Kirche zu Sonnborn. Nachfolger war sein Sohn Alexander Friedrich, bis 1747. 1727, ein Johann Wilhelm von Bottlenberg-Schirp. Zu dieser Zeit (G. S. S. 94) wurde eine Verpflichtung, die auf einzelnen Kirchengütern lastete, abgelöst z. B.: das Anrecht des jeweiligen Herrn von Lüntenbeck, wenn der Pächter eines solchen Gutes starb, an die beste Kuh des Verstorbenen und, wenn die Frau des Pächters starb, das Anrecht der Frau von Lünlenbeck, das beste Kleid der Verstorbenen aus der Nachlassenschaft an sich zu nehmen. —
Nachfolger auf L. Jokau Wilhelm bis 1783 und Freiherr Johann Wilhelm. — 1787 erlosch die Linie derer von Bottlenberg-Schirp. Haus Lüntenbeck kam in den Besitz des Freiherrn von Syburg zu Eicks. Dann kaufte es der gewesene Elberfelder Bürgermeister Pluecker. Im Jahre 1812 war Oberkonsistorial- und Regierungsrat Karl Ludwig Pithan in Düsseldorf der Besitzer von L. 1848, Louis P. Hülsenbeck, Rittergutsbesitzer zu Haus L. (vergl. Abschnitt 5). 1889 verkaufte dessen Enkel, der Konsul Karl Pithan-Hülsenbeck, das Gut L. an Gustav Römer. Nach dessen Tod 1906 geht L. durch Kauf über an die Stadt Elberfeld, Pächter wird Carl Roemer.
Literatur: G. Pithan, Schloß Lüntenbeck (siehe vorher). — Forschungen des Schulrats Kreutzer in Boppard a. Rh. über das Geschlecht Bottlenberg Schirp. — Monatsschrift des Berg. Geschichtsvereins, Mai 1898 S. 105. O. Schell, histor. Wanderungen. — General-Anzeiger Elberfeld u. a. m.
Anhang. Aus: Statistik und Topographie des Regierungs-Bezirkes Düsseldorf. II. Teil, die statistischen Ortschafts- und Entfernungstabellen und das alphabetische Ortsnamenverzeichnis enthaltend. Herausgegeben von Dr. Joh. Georg von Viebahn - Düsseldorf. 1836 bei J. H. C. Schreiner.