2. Das Gut Vohwinkel.


Ohne jede Quelle und Erläuterung wird Vohwinkel zum frühesten Male also erwähnt: vouinkel 1312. Die Zahl fällt in die Regierungszeit Adolf VI., Grafen von Berg, 1308 - 1348. Wenn wir vorher die Zahlen 1200 bei Lüntenbeck, 1218 bei Krutscheid gefunden haben, so läßt sich für Vohwinkel wohl einspruchslos annehmen, daß auch dieser Hof schon lange vor 1312 bestanden hat. Er lag unweit der wichtigen Straße, die vom Rhein her nach Osten führte. Sie zog von Neuß über Grimmlinghausen, Himmelgeist, Itter, Hilden, Haan, (Vohwinkel), Uellendahl, Horath, Schwelm, Witten, doch war ihr Verlauf immerhin hier und da auch anders gewesen. Aber Vohwinkel konnte von ihr nicht umgangen sein; es war bereits 1312 bedeutend wie die nächste Jahreszahl es erweisen wird.

Anmerkung: Fälschlicherweise wird die Nennung eines Hofes "vouinkel" im Verzeichnis der Wachszinsigen des Stiftes Gerresheim aus dem Jahre 1312 für eine Erwähnung Vohwinkels gehalten, hier war aber höchstwahrscheinlich "Vonkeln" bei Wuppertal-Cronenberg gemeint.


Mit dem Jahre 1356 tritt das Gehöft Vohwinkel in das Licht der Geschichte. Auf dem Rathaus wird eine Urkunde aufbewahrt, die am 18. Februar des genannten Jahres ausgestellt war und folgenden Wortlaut hat:

„Ich Heynrich van Schöynroyde Ritter und Lysa myne eelighe huysfrouwe doyn cund al den ghenen (denjenigen) dye desen bryef syent of hoerent lesen, dat wir myt ghesa-mender hant vor ons end onse erven overmidts desen bryef vor Scheffenen und Amptmanne van Sunburne mit hant und mit munde verzyen (verzichten) van deme alynghen (ganzen) erve ende goede zoe Vowynkele, dat in Sunburner kyrspele ghelegen is, mit al syne zo ghehoere, dat onse was, und wir mit ghenoeghe vercoycht (verkauft) hayn deme eersamen geystlighem ghestichte zo Oreveroyde (Gräfrath) umb eyne bescheyden (festgesetzte) Summe gelcz (Geldes), dye ons ghereyt (bereit gelegt, baar) ghegheven end zo onsem willen wole (wol) bezaelt is, da ane nummer ander vorderynghe noch anes praghe ze doyne und des vorscreven (obengenannten) erfs und goyts werschaf zo doyn as boven end beneden (oben und unten, so viel als überall) ghewoynlich is in der grafschaf von dem Berghe. Dit is geschyet (geschehen) vor Dyederighe Smende vayde (Vogt) zo Solinghen, Hermanne van Lymlynchoven syne dinghere (vielleicht Gerichtsbote), Tyelen zum turne (daran erinnert noch die Straße am Turm in Sonnborn; Turn — Turm) end Nolden up der byse scheffenen zo Sunburne, Johanne vam graven, Willame van Schlugheym, Johanne deme Wymanne end Henken syme sone. In orcund dis bryefs so hayn ich Heynrich vorg. myn ynghesigel an desen bryef ghehanghen vor mich end myne vorghenoemde (obengenannte) vrouw Lyse. End ich Lysa vorss. (vorgenannte) be kenne dis verzyghenisse (Verzicht) under sygele Heynrichs myns mans vorg. want ich gheyn sygel en nu ter zyt enhayn (nicht habe).

Datum sub anno domini M CCC quinquagesimo sexto decima octava die mensis februarij."


Die Urkunde bestätigt den Verkauf des Erbes und Gutes Vohwinkel, das dem Ritter Heinrich von Schönrode und seiner ehelichen Hausfrau Lysa gehörte; an das ehrsame geistliche Stift zu Gräfrath um eine bestimmte Summe Geldes.

Wir erfahren über Vowynkele selbst, daß es damals ein adeliges Gut gewesen war, im Sonnborn-Kirchspiel lag, zur Vogtei Solingen gehörte und Zubehör hatte.

Das Geschlecht derer von Schöynerode (Schoenrath, Schonrod) nannte sich nach dem gleichnamigen Rittersitz im Siegerkreise, wird 1374 als auf dem Altenberger Hof bei Mülheim a. Rhein ansässig erwähnt und kommt auch sonst wiederholt in der Geschichte des Bergischen Landes vor. Es fehlt aber der Zusammenhang mit Vohwinkel. Unklar sind auch Grund und Anlaß zum Verkauf, selbst wenn das Jahr 1348, in dem „der schwarze Tod“ umging, zur Hilfe genommen werden möchte.

Die Klosterfrauen von Gräfrath setzten zoe Vowynkele einen Halfen (Halfmann, Pächter) als Verwalter des Klostergutes ein. Als 1482 zahlreiche Stiftungen für die Vikarie und den Altar des hl. Antonius in der Kirche der Burg Elberfeld stattfanden, weil sich ein Priester daselbst nicht beqwemlich behelpen kunde, godes deynst dair up tzo doyn (Urkunde von 1840), gab auch Fowinckell (Kowinckell) ex bonis tria rnaldra auene, d. h. ,,aus seinem Besitz drei Malter (450 Liter) Hafer“ hin. Wenn diese Uebersetzung richtig ist, so kann nicht eingesehen werden, weshalb O. Schell zur Deutung der Schenkung zwei Herren als Besitzer des Gutes Vohwinkel konstruiert.

Derselbe Pächter zu Vohwinkel hatte die Pflicht, wie eine zweite auf dem Rathaus vorhandene Urkunde vom St. Mathiastag (24. Febr.) 1488 besagt, an Peter in dem Bruch für den Verkauf seines Pescher Kämpchens an das Jungfernkloster zu Gräfrath jährlich zu Pfingsten eine bestimmte Abgabe zu entrichten und manches andere zu vergönnen. Doch mag die Urkunde selbst reden.

„Ich, Peter in dem Bruch und Cäcilie meine eheliche Hausfrau, tun kund, daß wir mit einem abgeschlossenen Erbkauf verkauft haben dem ehrbaren und geistlichen Jungfernkloster in Gräfrath aus unserem Erbe und Gut, gelegen in dem Kirchspiel von Sonnborn, das Pescher Kämpchen, für eine Summe Gelbes, über die wir übereins gekommen sind, und haben auf das vorgenannte Erbe vor den Schöffen Verzicht geleistet.

Es ist im besonderen ausgemacht, daß Peter und seine Erben die jährliche Abgabe an unsern gnädigen Herrn zahlen sollen, und daß der Pächter des dem Jungfrauenkloster gehörenden Gutes zu Vohwinkel an Peter und seine Erben jährlich geben und handreichen soll zu Pfingsten: 2 Albus für das Stück Land und 1 Albus für den Graben. Auch ist ausgemacht, daß vorgenannter Peter und seine Erben den vorgenannten Jungfern oder ihrem Pächter sollen vergönnen und zulassen, wenn es Not ist oder wäre den Teich zu frischen, daß sie graben dürfen durch seine Wiese im Bruch. Es ist auch ausbedungen, daß der vorgenannten Jungfern Pächter auf Vohwinkel und der vorgenannte Peter oder seine Erben des Wassers sollen gebrauchen zu ihrer beiderseitigem Nutzen, der Pächter eine Woche und Peter eine Woche, ohne Arglist.

Zur Urkunde der Wahrheit haben wir, Peter und Cäcilie, vorgenannte Eheleute, gebeten, die ehrsamen Schöffen des Landgerichts zu Gräfrath mit Namen Heinken im Dorf, Kirstgen im Grund, Gotthard zur Mühlen, Hennes zu Varresbeck, daß sie ihr Gemeinde-Schöffensiegel an diesen Brief mögen anhangen.

Gegeben im Jahre unseres Herrn 1488 auf St. Mathias des heiligen Apostels.“


Der Teich Vohwinkels dürfte noch lebenden älteren Einwohnern bekannt sein, er lag hinter dem ehemals Stöckerschen Grundstück. Daß seine zeitweilige Abwässerung zur Frischung (nicht wie O. Schell a. o. a. O. schreibt, „Fischung“) durch einen Graben nach dem Bruch hin vorzeiten als eine besondere Anlage angesehen wurde, vermag man aus der Bezeichnung dieses Teiles von Vohwinkel erkennen, der im Jahre 1833 „Vohwinkel am Kanal“ hieß (vergl. Katasterrolle 1833, Art. 185 u. a.). Doch zurück zu den alten Zeiten!

Ueber das 16. Jahrhundert ist noch nichts aufgefunden worden. Wenn 1546 oder erst 1586 als das Reformationsjahr für Sonnborn bezeichnet wird, kann angenommen werden, daß in diesem Jahre gewiß auch Vohwinkel sich aus dem Besitz des Klosters zu Gräfrath gelöst und der neuen Lehre angeschlossen hat. Sonst könnte nicht der 1611 in der Sonnborner Kirchengeschichte erwähnte Johann zu Vohwinckell bereits als Aeltester fungiert haben.

Aus dem Jahre 1617 vom 27. Junius setzten wir den Auszug aus dem Schreiben von Bürgermeister, Schöffen und Rat der Freiheit Gräfrath an die landesherrlichen Räte betr. des Besteuerungsrechtes der Freiheit her, weil darin ein J. Vowinkel vorkommt, ohne allerdings den Beweis in der Hand zu haben, daß es der vorher und nachher zu erwähnende Johann zu Vohwinckell ist:

„Als sie nun kürzlich die Kosten für die Verpflegung zweier Kompagnien, die hierher gekommen, auf die Burgerquater proportionaliter umbgelegt haben und sich W. Kupfer, F. zum Holtz und J. Vowinkel weigern wollten, zwarn unter dem schein, das, ob sie wol etliche splis von burgerquiter hatten, dannoch sie kein burger waren, item das die umblage uf die sael und nit zugleich uf die splis geschehen sollten, unbetrachtet die saeler in ankumpft des kriegsvolks entwichen, seint mir .... verursacht, dem uralten Brauch nach mit execution durch unseren hotten uf diesen burgerquetern zu verfaren ... Räte möchten darum dem Amtmann (zu Solingen) entsprechende Befehle zu erteilen.“ (Zeitschr. des B. G. V. 23. Bd. 1887, S. 201.)


Zur Klärung will jedoch folgende Notiz beitragen: Geschichte der reformierten Gemeinde Sonnborn von zur Nieden S. 33 wird berichtet, daß am 20. März 1611 die Zahl der Aeltesten verdoppelt wird, „damit daß der Bau (im übertragenen Sinne) der christlichen Kirche desto besser bestehen möge.“ Zu den älteren beiden treten nun hinzu Johann zu Vowinckel und Peter im Braken. Die Aeltesten haben die Pflicht, neben dem Pastor die christlich zu vermahnen, die sich zum Tisch des Herrn begeben wollen und noch gleichwohl in öffentlichen Sünden und Lastern leben, ferner, Umfrage zu tun, was in der Predigt behalten ist; auch fällt ihnen die Aufgabe zu, die Jugend, wenn es erforderlich ist, in den Häusern zu katechesieren. Die Provisores hatten es vornehmlich mit der Kirchen- und Armenrechnung zu tun; sie scheinen erst ab 1613 zum Konsistorium hinzugenommen zu sein. — Von demselben Johann zu Vowinckel wird G. S. S. 39 noch erwähnt, daß durch Konsistorialbeschluß Sonnborn vom 19. 2 1612 ihm folgender Aufsichtsbezirk oder Quartier zugeteilt wurde, das Mittelquartier von den Broeckerhöfen bis an die Boeck.

Die obenerwähnten, eben durchforschten Kirchenakten Sonnborns, die glücklicherweise aus dem Brande vom 18. März 1917 gerettet sind, geben in der Kirchenrechnung von 1636 endlich wiederum einwandfrei einen Besitzer des Gutes Vohwinkel an. Wir setzen eine Uebertragung her, die das Stadtarchiv zu Düsseldorf beglaubigt hat:

pro mernoria. Tryn von Elscheydt Johan zu Vowinckel hausfrau solvit (d. h. zahlt, löst sich durch Zahlung) 25 rthl. nach Absterben ires mans den Kaßarmen zu Sonborn zu erlegen.


Was sonst noch aus den Kirchenrechnungen zu entnehmen ist, werde handschriftlich hergesetzt:
1644. Die provisores haben, wie auß beylage zu sehn, eine ansehnliche schuldigkeit der debitores (vorbracht) vnd eine geringe empfangen vnd bescheinet Caspar zu Vohwinckel, daß er den armen zwölf gl. vorschossen habe. Anstat Friedrichen zu Kraudscheid ist ditz auf dem Frankenholz zum kirchmeister angeordnet vnd henrich in der Rutenbeck zum provisor anstat caspary zu Vohwinckel.
1664. .... eines gegen das andere abgezogen bleibet der provisor rutg. zum scheidt den haußarmen schuldig sechszehn rtlr. 7 alb, welcher von wilhelmus vohwinckell seinem collegen eingehändigt wird.
ähnlich 1665, 1666 usw. bis 1710, nur daß spätere Herren von Vohwinkel aufgeführt werden.

Es ergibt sich demnach, daß 1611 ein Johann Besitzer des Gutes Vohwinkel gewesen war, danach 1636 ein Gerhardt Johann, 1644 ein Caspar. 1664 taucht in den Rechnungen und reformierten Kirchenbüchern ein Wilm fowinckell auf, zum ersten Male gleichfalls als Provisor, und wird in den nächsten Jahren immer in derselben Eigenschaft erwähnt, bis er 1676 zum Kirchmeister emporsteigt. Gegen Schluß des Jahrhunderts 1695 werden Hinrich, dann Gerhardt und seit 1697 bis 1710 Deiderich zu Vohwinckel genannt.

Hier wäre der Ort über das Ergehen des Gutes im 17. Jahrhundert zu berichten, z. B. wie es den Dreißigjährigen Krieg überstanden hat. Dazu aber wäre dasselbe zu sagen wie zu Hammerstein, wo es erwähnt werden soll. (Abschnitt 3.)

Wir fahren in der Geschichte des Gutes fort.

Zu beachten ist, daß die vorher genannten Herren des Gutes Vohwinkel teils sich selbst, teils von den anderen Kirchmeistern in doppelter Weise haben vermerken lassen. Es heißt ebenso Wilhelm „zu“ Vohwinkel, wie er selber sich 1667 auch wilm fowinckell unterzeichnete.

Wieviel wert das Besitztum damals gewesen war und wie groß, gibt eine Notiz an, die besagt, daß der Küsterey-Zente 1673 betrug jährlich 2 brodt und 1 schffl. haber, ferner kann aus dem „Satzzettel des Pastorat Zenten“ von 1677 dasselbe geschlossen werden, in dem zu lesen ist: „vohwinckell gibt in hundert rtlr. 1 alb 47 hl. 7.“ — Diese Angaben sind einem ledergebundenen Büchlein der Sonnborner Kirchenakten entnommen, in dem die „Vermessungen“ der Honnschaft Sonnborn von jedem „Guth“ auf das allergenaueste durch geschworene Landmesser eingetragen sind, nur fehlt unerklärlicherweise das Gut Vohwinkel gänzlich, bis auf obige eine Nebenbemerkung. Warum, ist noch nicht festzustellen gewesen.

Nunmehr hören die Johann, Caspar, Wilhelmus „zu“ Vohwinkel auf. Erst 1726 erscheint abermals ein Wilhelmus Vohwinckell, indem er seine Unterschrift mit vielen andern unter die General-Ordnungsregel der reformierten Kirche zu Sonnborn setzte. Dieselbe Kirchenordnung haben später unterschrieben Diedrich Vohwinckell, Aeltester 1763 und Johann Vohwinckel, Kirchmeister 1773. Bei ihm steht 1764 die Ortsangabe: „In der Grotenbeck“, gleichwie nach dem Kirchenbuch (Taufregister) der vorgenannte Wilhelm Vowinckel 1720 so näher bezeichnet wird „auf dem Wüstenhof in der Grotenbeck“.

Das besagt soviel, als daß die Wilhelm usf. vormals „zu“ Vohwinkel ihr Gut verlassen haben müssen und zunächst in die Grotenbeck gezogen sind, wo sie sich von neuem seßhaft gemacht hatten. Sonst werden in den Kirchenbüchern noch anderswohnend erwähnt: 1665 Johann Vowinckel zu Flockertsholz, 1723 Johann Vowinckel zu Nathrath 1723 Johann Vowinckel zu Olberts.

Sie waren ihrem Beruf als Landwirt treu geblieben, denn in dem „Verzeichnis der im Kirchspiel Sonnborn Verstorbenen und dahier Begrabenen“ stehen z. B. vermerkt: 27. January 1784 ein „bawer" Wilhelm Vohwinkel, 15. August 1795 abermals ein Bauer Johann Vohwinkel. Jener obenerwähnte Wilhelmus Vohwinckell von 1726 aber hatte offenbar die Beschäftigung gewechselt. In der Rechnung von 1734 hat er am 3. Septembris für neu ring in die Hocken klepels kappen und reparieren der klepels aus der Kirchenkaß 1 rtlr. 12 hl. gezahlt erhalten. Anderswo der folgenden Jahre hatte er eyserne tralgen in ein kirchenglaß und ein neyschloß an die kirchenkiste eingesetzt. Er war zum Schmiede und Schlosserhandwerk übergegangen. (G. S. S. 23 Schmyede in der Grotenbegh bestand schon 1575.) In der Grotenbeck ist diese Familie Vohwinkel alsdann erhalten geblieben.

Ob die ebengegebene Darstellung richtig ist? — Daß bis 1720 kein Wilhelm oder Johann Vohwinkel in der Grotenbeck vorhanden gewesen war, erweisen die Kirchenrechnungen und Kirchenbücher. Dagegen findet sich in diesem Jahr die General-Ordnungsregel unterschrieben von einem Gerhard von der großen Düssel zu Vohwinckell, und mit ihm trat eine neue Familie in das Gut Vohwinkel ein.

Schon seit 1721 kommt dieser Gerhard von der großen Düssel (Deüssel) unter den Kirchenrechnungen als eltester vor. 1729 präsentiert er sich als Kirchmeister. Das Sonnborner Taufregister (1661-1770) führt 1727 einen Johann von der großen Düssel an, dem eine Tochter Catharina geboren ward. Ebenda wird Gerhard von der großen Düssel erwähnt und seine Ehefrau Margarete, denen 1728 ein Sohn Johann, 1731 eine Tochter Christine geboren wurden. Unter den Taufzeugen kommen noch vor Johann Adolf von der großen Düssel zu Vowinckel und eine Sophie von der großen Düssel zu Drinhausen In den Konfirmationsakten zu Sonnborn aus den Jahren 1742 bis 1819 steht unter dem 17. Mai 1744 eingeschrieben ein Johannes Düssel zu Vowinkel. Dies Geschlecht scheint später nach Porten gezogen zu sein, denn 1749 wird unter den Taufzeugen der Anna Catharina Benninghofen zu Vowinckel genannt ein Gerhard Düssel zur Porten, und 1753 kommt noch in Betracht, daß Heinrich Benninghofen zu Vowinckel verheiratet war mit einer Margarete Düssel, deren Schwester gewiß eine Catharina Düssel zur Porten gewesen, die als Taufzeugin bei der Maria Margarete Benninghofen fungiert hatte.

Das Jahr 1749 bringt also abermals einen Wechsel auf dem Gut Vowinckel. Im Taufregister wird erwähnt, daß damals dem Henrich Benninghofen und der Maria Ehremann, Eheleuten zu Vouinckel, ihr Töchterlein Anna Catharina getauft worden ist. Dieser Henrich Benninghofen wird 1750 als Kirchmeister bezeichnet.

Kirchenrechnung des Kirchenmeisters Henrich Lange auf der Teschen vom Jahr 1750. — Diese Kirchenrechnung ist heüt dato untergelegedt perlustriert und befunden, daß obgltder Kirchmeister der hiesig Sonnborn'schen Kirche annoch schuldig geblieben 106 rthl. 12 alb, welche aber alsofort seinem Collega, dem ankettenden Kirch-mstr. Henrich Benninghofen zu Vohwinckel bezahlt und darauf von demselben quittiert mithin diese Rechnung pvia approbatione consistorii noie unterschrieben und als völlig liquidirt ad archivum Ecll. verlegt worden um dieselbe reforderndenfalls religions-receßmäßig präsentiren zu können. Sonnborn in consist old gehalten auf der Schul d 28. Xbris 1750. noie consistorie i. Olpe pastor subscripsit. Henrich Benninghofen, Kirchmeister.


Auf seine Familie wird im Sonnborner Taufregister bei dem 11. Dezember 1756 etwas näher eingegangen. An dem Tag steht vermerkt, daß Hinrich Benninghoven und Maria Düssel, Eheleute zu Vohwinckell, ihr Söhnlein Johannes getauft hatten. Zeugen waren Johannes Benninghoven, Johann Peter Vohwinkel, Gertraud Ehefrau Benninghoven und Marga, Ehefrau Kölkers. Auch die Notiz zeigt den Uebergang des Gutes Vohwinkel von den „Düssels“ an die „Benninghovens“, allem Anschein nach durch Einheiratung, und weist nochmals auf die den Düssels vorangegangenen Besitzer, auf die „Vohwinkels“, hin. Erfreulich ist, daß alle drei Geschlechter recht gute Beziehungen zueinander bewahrt hatten. — Aus dem Taufbuch von 1753 bei dem 24. September ist zu ersehen, daß die Benninghovens aus Elscheidt stammten, die Düssels zu Porthen zu Hause gewesen waren.

Taufregister Sonnborn.

1749. 4. Januar. Anna Catharine Benninghoven getauft (siehe vorher).
1751. 17. Februar. Petrus Benninghoven getauft.
1753. 24. September des Heinrich Benninghoven und der Maria Düssel, Eheleute zu Vowinckel, ihr Töchterlein Maria Margarete getauft. Taufzeugen sind: Friedrich Benninghoven zu Elscheidt, Henrich Schmitt aufem Schickenberg, Maria Katharina Düssel zur Porthen, Marg. Benninghoven.
1756. 11. Dezbr. des Hinrich Benninghoven und Maria Düssel, Eheleute zu Vohwinckel ihr Söhnlein Johannes getauft. Zeugen waren: Johannes Benninghoven, Joh. Peter Vohwinkel, Gertraud Ehefrau Benninghoven und Marg. Ehefrau Kölkers.
1759. 11. August. Gertrud Benninghoven getauft.

Bis 1820 sind die Benninghovens in den Sonnborner Kirchenbüchern leicht zu verfolgen. Allerdings heiraten sie schon 1780 nach auswärts, nach Mettmann, und verteilen sich so in die Weite.

Trauregister Mettmann.

Den 23. und 30. Juli und 6. August 1780: Johann Wilhelm Benninghoven, des Peter Benninghoven und der Weiland Anna Christina Hülsbeck gewesenen Eheleute ehelicher Sohn mit Anna Christina Kremer, des Weiland Johannes Kremer und der Agnes Böner gewesenen Eheleute ehelichen Tochter, Mitglied der Römisch Katholischen Gemeinde, Kirchspiele Hubbelrath.


Taufregister Sonnborn.

May 4. 1799 Ist getauft worden Johannes Wilhelmus, ehel. Sohn des Wilh. Benninghoven und A. Christina Kremer, cop. zu Mettmann.


An diesem Zeitpunkt hilft uns das Gräfrather Tauf-, Ehe-, Totenregister von 1703-1769-1809, aufbewahrt auf dem Amtsgericht in Elberfeld (vgl. auch Abschnitt 3, „Um 1800“ Teil II. kathol. Familien). — In villa Vowinckel wird 1783 eine Maria Gertrud Cremer, Tochter katholischer Eltern geboren, die 1782 geheiratet hatten. Der Vater war aus Hubbelrath. Er versah den Posten eines villicus d. h. er war nur Wirtschafter. — Besitzer aber war oder wurde um dieselbe Zeit, c. 1784, ein Joannus Peter Flügel, gleichfalls katholisch, denn in dem genannten Kirchenbuch ist eingetragen, daß ihm in villa Vowinckel 1785 ein Söhnlein geboren wurde, das die Namen des Vaters erhielt, also sicherlich der Erstgeborene war. Die Flügels blieben in Vohwinkel bis etwa 1798, wann zum letzten Mal diese Familie vorkommt. Es nimmt das ein wenig wunder, weil Joa. Pet. Flügel nach dem Kirchenbuch eine große Nachkommenschaft hatte; er war zweimal verheiratet gewesen.

Hinzuweisen wäre nun, weil jenes selbe Register der katholischen Kirche zu Gräfrath es fordert, daß 1782 und 1784 verschiedene Male ein Neuvowinckel erwähnt wird, gelegen teils am Broicherhäusgen teils im Brill, jedenfalls im Kirchspiel Sonnborn, wie es an einer Stelle ausdrücklich heißt. Daselbst wohnten die Familien Witte (Witten), Ulenbroich, Meybaum, die zum Teil auch beim Broicherhäusgen allein, ohne den Zusatz ,,Neuvowinckel“, sich vorfinden.

Noch eine Notiz aus dem Kirchenbuch der katholischen Kirche werde herangezogen, diese, daß in villa Vowinckel 1808 eine Clara Gertrud Wilhelmine Flüß geboren war — der Vater stammte aus Münster. War er auch ein villicus, ein Gutsverwalter, Wirtschafter? Weiteres hierzu findet sich nicht.

Wenn in den Sonnborner Kirchenakten am 15. März 1804 Karl Gottlob als ebengetaufter Sohn des Johann Georg Döpper und der Anna Catharina Olligrath „zu Vohwinkel“ verzeichnet stehen, so ist doch die Familie Döpper sonst nirgends mehr vorzufinden. Es ist Berechtigung zu der Annahme vorhanden, daß sie nicht Besitzer, sondern Dienstleute daselbst gewesen waren. Vielleicht gilt dasselbe von den Familien Hirsch, Blum, Niedermeyer, Brechtel, die aus jener Zeit in das Buch der katholischen Kirche eingeschrieben sind.

Um 1800 war in Vohwinkel gewiß diejenige Herrschaft eingezogen, die das Gut nunmehr während des ersten Drittels des beginnenden 19. Jahrhunderts und noch etwas länger in der Hand behalten sollte, die Familie Cleef.

Am 24. Dezember 1806 wird ein Johannes Cleef getauft, dessen Vater ebenfalls Johann hieß und dessen Mutter Anna Christina eine geborene Spiecker war. Später wird am 18. März 1817 Hanna Cleff von Vohwinckel unter den konfirmierten Töchtern genannt. 1830 wurde der Bruder der Hanna, Benjamin Kleff (1822 Cleeff geschrieben) proklamieret mit Sophia Beek aus Mettmann. Der Vater Cleff war vorher gestorben. Es war aber ein ältester Sohn da, auch Johann gehießen, der der eigentliche Gutsbesitzer gewesen sein muß.

Wir gelangen zu dem Jahr, das endlich auch sicheren Aufschluß über das Gut selbst gibt. In dem Kataster von 1833, Art. 19 ist der letztgenannte Johann Clef eingetragen als Besitzer eines Gutes, das 172 Morgen 42 Ruthen groß ist und aus den Teilen

Kirschsiepen 2 Morgen 8 Ruthen,
Vohwinkel 103 126
Bruckerhäuschen 140
Hasnacken 1 3
Osterholz 64 125

bestanden hat. Eine Ruthe = 14 qm.     180 Ruthen = 1 Morgen.

Katasterrolle 1833, Art. 19.
Vohwinkel. Acker 12 Morgen 20 Ruthen
(Stöcker.) Teich 16
Acker 14 83
Bauernhof 45
Gebäude Hof 63
Garten 105
Wiese 12 59
Heide 27
40 Morgen 58 Ruthen.
Reinertrag 60 thl, 64 Gr., 26 Pfg.
 
Vohwinkeler Feld Acker 50 Morgen 96 Ruthen
(am Steeler Einschnitt) Garten 140
Hof 87
Haus 3
51 Morgen 146 Ruthen.
Reinertrag 44 thl, 45 Gr., 24 Pfg.
 
Vohwinkel. Teich 12 Morgen 176 Ruthen
(Lange.) Wiese 157
Acker 6 134
Bauernhof 1 126
(hier Haus nach 1842) 132
Gebäude 34
Garten 24
Wiese 39
11 Morgen 102 Ruthen.
Reinertrag 13 thl, 166 Gr., 47 Pfg.
 
Gesamtsumme: 103 Morgen 126 Ruthen


Der älteste Teil lag am damals noch nicht existierenden Steeler Bahneinschnitt, zwischen Osterholz und Tesche, der zweite am heutigen Markt, bezeichnet oben mit Lange, der dritte war das spätere Stöcker'sche Grundstück, damals genannt „Vohwinkel am Kanal“.

Nur diese Drittelung erklärt einmal, daß verschiedene Karten die Lage Vohwinkels verschieden zeichnen, zum andern, daß in Vohwinkel noch andere als nur die Familie Cleff wohnten, daß Vohwinkel inzwischen aus einem Hof ein weiterer, ein Landbegriff geworden war.

Die älteste, bisher aufgefundene Karte, in die Vohwinkel eingetragen ist, wurde von dem Landmesser H. Ph. Ploennies gefertigt und „Das Ambt Solingen um 1715“ betitelt. Fuwinkel heißt dort unser Ort. Nicht mit Unrecht, denn es ist wohl anders geschrieben, doch dem Inhalte nach dasselbe wie vouinkel von 1312. Sehr deutlich treten auf dieser Karte die Landstraße von Hasnacken nach dem Dasnöckel (Nordsüdrichtung), und die von Grotenbeck an Kirschsiepen vorüber (Ostwestrichtung) hervor. Weiter ist ein Bächlein zu erschauen, das nördlich oder dicht bei Fuwinkel beginnt und südlich von Bruch zur Wupper hinabfließt, wo es etwas hinter dem Knie nach Sonnborn zu einmündet. Wer von uns heutigen Bewohnern weiß, daß die Chaussee zur Tesche hinauf und die Solinger Straße Neuschöpfungen sind, und wer die alten Landstraßen genauer studiert hat, wird sich freuen, wie richtig die Karte von 1715 entworfen ist. — Ein weniger gutes Urteil wird die topographische Karte von dem Herzogtum Berg von Wiebeking, churpfälzischem Wasserbaumeister, aus den Jahren 1789 und 1790 finden. Schon der Entwurf von Düsseldorf aus stört, wenn er auch erklärlich ist, da Düsseldorf herzogliche Residenz gewesen war. Auf ihr ist unser Ort als Furwinkel eingetragen, was schon als Fehler erwiesen ist. Wiebeking trägt den Ort mit zwei Punkten in die halbe Anhöhe hinein. Das Bächlein ist ebenfalls vermerkt, fließt aber auffallend um Furwinkel herum. —

Auch A. von Poyda, der 1824 die Original-Meßtischaufnahme von Elberfeld angefertigt hat, denkt nicht daran, anders als „Vohwinkel“ auf dies amtliche Blatt der Kgl. Preuß. Landesaufnahme zu setzen.

Jene zwei Punkte bei Wiebeking auf halber Höhe lassen vielleicht die Behauptung zu, daß schon 1790 und früher zwei Höfe Vohwinkel vorhanden waren und zwar auf und an der Höhe, das wäre heute am Tescher Berg und seiner unteren Nähe. Und somit stimmte diese Schlußfolgerung wenigstens zum größeren Teile überein mit dem Kataster von 1833, der sogar drei Höfe nennt.

Die drei Höfe Vohwinkels geben, wie vorher angedeutet wurde, die Erläuterung auch dafür ab, daß neben der Besitzerfamilie Cleff als Einwohner Vohwinkels im April 1822 noch die Eheleute Mathies Schneider und Sybilla geb. Weber, im Februar 1823 Wilhelm Wetter und Frau Christina geb. Kölker, 1836 Johannes Wülfing und 1837 Johann Post in den Sonnborner Kirchbüchern erwähnt werden.

Ihr ganzes Besitztum verkaufte die Witwe Johann Clef am 5. März 1834 (vergl. Akten betr. die Ortsstraßen Vohwinkels) an einen Johann Wülfing, der 1823 bis 1836 in Barmen Lehrer an der Reformierten Pfarrschule gewesen war (Vogelsang, Rektor, Geschichte und Vorzüge des Barmer Volksschulwesens). Der Käufer übernahm wie seine Vorgänger die Verpflichtung, an den Besitzer des Hauses Lüntenbeck eine jährliche Zehntrente von 14 Thl. 11 Gr. 9 Pfg. zu zahlen, ohne sie jedoch anerkannt zu haben (vgl. Akten wie vor).

Die Monatsschrift des B. G V. 1899 Nr. 8/9, Seite 180, bringt von August Peniger sen. aus dieser Zeit folgende Notiz:

„1840 bestand das heutige Stadtgebiet Vohwinkel nur aus drei Häusern, es waren dies die Wirtschaft und Fuhrmannsherberge von Stöcker am Fuße der Straße nach Gräfrath, dann ein älteres Haus an der Straße nach Dornap, und gleich daneben an der Bahn hatte ein früherer Lehrer Wülfing ebenfalls als Wirtschaft ein Haus mit Saal gebaut, das später Lutz Frantzen erwarb. Der Saal stand 1,70 Meter von der Front des Hauses zurück.“ — Ob das ebenerwähnte ältere Haus an der Straße nach Dornap der vorher genannte „andere“ Gutshofs Vohwinkel gewesen war, konnte nicht festgestellt werden. Das jedoch ist in der Katasterrolle vermerkt, daß das „Haus“ dieses Gutshofes, wahrscheinlich dieser ganze Hof, 1848 an die Eisenbahn (Prinz Wilhelm-Bahn) abgetreten und abgebrochen wurde.


Nach den Kirchenregistern erfreute sich Johann Wülfing mit seiner Ehefrau Marie Sophie Sybilla geb. Segers des Besitzes von 7 Kindern, 3 Söhnen und 4 Töchtern. Er hat in Vohwinkel und Sonnborn eine hervorragende Rolle gespielt. Bereits 1836 wird er als Repräsentant der Kirchengemeinde Sonnborn erwählt, 1838 wird er Kirchmeister, vgl. folgenden Auszug:

1838 den 8. Januar wurde der Abschnitt der Allerhöchsten Kgl-Kirchenordnung vom 5. März 1835 § 5 bis 18 vorgelesen und von denjenigen, welche noch in einem Presbyterium waren, unterschrieben.
Joh. Wülfing, Kirchmeister. Peter Müller, Aeltester.
Karl Friedr. Köttgen, Provisor.


Johann Wülfing führte eine Wirtschaft, die dicht an der neuen Bahn gelegen war. In seinem Haus erbaute er auch das erste Eisenbahnbüro Vohwinkels, 1,70 qm groß, und wurde nach Eröffnung der Bahn der „Empfänger der Transportverwaltung der Bahn“. Nebenher besorgte er den Postomnibusverkehr zwischen Elberfeld und Station Vohwinkel, so lange, bis diese Eisenbahnstrecke fertiggestellt war, danach die Post nach Solingen. Solche Tätigkeit hörte auf, als am 1. Novbr. 1849 die Postexpedition Sonnborn in die Vorhalle des neuen Stationsgebäudes zu Vohwinkel verlegt wurde. Schließlich beteiligte sich Johann Wülfing noch lebhaft an der Erlangung einer evangelischen Schule für Vohwinkel und stellte eine alte Scheune auf seinem Grundstück als Schullokal in Aussicht, die 1853 sein Sohn Hermann Wülfing dann wirklich ausgebaut hat.

Unter demselben Johann Wülfing verlor Vohwinkel einen seiner Höfe. Die Katastermutterrolle hat den Vermerk, daß das steinerne Gutshaus Vohwinkels (am heutigen Steeler Einschnitt) 1848 abgebrochen worden ist. Dies Ereignis kann, wie oben dargestellt, mit der Weiterführung der Prinz Wilhelm-Bahn von Neviges bis hinein nach Vohwinkel in Verbindung gesetzt werden. Schon am 23. April 1844 hatte J. Wülfing (nach dem Aktenstück betr. die Ortsstraßen Vohwinkels, darin ein notarieller Kaufakt liegt), Teile seines Grundstücks verkauft an die Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn und am 22. September 1845 an die Steele-Vohwinkeler Bahn. Ein für das Besitztum ungünstiges Ereignis, denn es wurde von da an durch die Bahnen zerschnitten.

Johann Wülfing ist am 22. September 1851 gestorben. Hierzu finden wir folgende Annonce im Täglichen Anzeiger Elberfeld von 1851, Nr. 243, unter dem 10. Oktober:

Auf Ersuchen der Erben des zu Vohwinkel, Gemeinde Sonnborn, verlebten Gutsbesitzers Herrn Johann Wülfing sollen die aus dem Nachlaß desselben herrührenden Mobiliareffekten in dem Sterbehause zu Vohwinkel am Montag, den 3. November und folgenden Tagen meistbietend öffentlich verkauft werden, als: 9 Kühe, 3 Pferde, 3 Schweine, sämtliche Ackergerätschaften (1 Frachtwagen, 3 Karren mit 4-zölligen Rädern, 1 Karren mit 5-zölligen Rädern, 3 Pflüge, Eggen, Walze, 1 Wannenmühle, 1 Beutelfasten und sämtliche Pferdegeschirre), dann sämtliche Hausmobilien (Oefen, 1 Fournaise, Tisch, Stühle, Spiegel, Komoden, Kleiderschränke, Leinwandschrank, Bettstellen, Federbetten, Klavier, 4 Schreibpulte, 1 Sekretär, Leinwand, zinnene, kupferne und eiserne Geschirre), sodann eine Quantität ausgedroschenes Getreide (Roggen, Gerste, Hafer), eine Quantität ausgedroschene Erbsen, ca. 20000 Pfd. Kleeheu und ebensoviel Wiesenheu.
Mettmann, 10. 10. 1851. Der Gerichtsvollzieher W. Schellmann.


Mit der Prinz Wilhelm-Bahn kam also eine neue Veränderung für das ehemalige Landgut Vohwinkel herbei. Hatte die Düsseldorf-Elberfelder Bahn Vohwinkel nach Westen und Osten hin mit der Welt verbunden, war deshalb ein Teil des Gutes der Eisenbahn geopfert worden, hatte sich das (am heutigen Markt gelegene) Gutshaus inzwischen mit Rücksicht auf den beginnenden Verkehr in eine Wirtschaft mit Bahn- und Postbüro umgewandelt, der Hof in eine Posthalterei, war der ersehnten Volksbildungsstätte Vohwinkels, der Schule, die alte Scheune des Hofes als Raum angewiesen worden, so bewirkte die Zuführung der Prinz Wilhelm-Bahn nach Station Vohwinkel, daß sich der Verkehr nach Norden zu dem Kohlen- und Industriegebiet erschloß. Mehrere Zechen schlugen jetzt in Vohwinkel ihre Kohlenlager auf. Da ist es nicht mehr zu verwundern, daß eine Handskizze, die der Eingabe wegen der Schule beigegeben war (auf dem Landratsamt zu finden), 1850 schon 8 Häuser auf dem Gutsgebiet aufwies. — Eins an der heutigen Ecke Bremkamp, das zweite gegenüber, 2 zwischen der Straße nach Elberfeld und der Eisenbahn, gegenüber nach Haan zu 3, das 8. in der Nähe der Kuhle (heute Bahnsteig 4), mit 58 Einwohnern, darunter außer den Wülfings die Familien: Wetter, Kölcker, Dillenberg, Gärtner, Pütz, Kemper, Elmpt, Lange. Und es wurden 19 Häuser mit 139 Einwohnern, von denen hinzugenannt werden mögen die Kleineick, Stöcker, Grebe, Seynsche, Feuerstein, Hörster, Lutz, Weber.

Eine derartige Vergrößerung und Vermehrung verlangte Ausdehnungsmöglichkeiten. Und so geschah es 1852 (oder 1853), daß das Besitztum Vohwinkel, durch die Geschwister Wülfing aufgeteilt wurde. Die neuen Teilbesitzer waren von nun ab:
  1. Josef Hendrix, der 37 Morgen kaufte, nämlich Kirschsiepen und den Teil bis zum heutigen Kaiserplatz;
  2. ein Hermann Wülfing, der 2 Morgen, 100 Ruthen an sich brachte;
  3. Johann Wülfing, der 50 Morgen übernahm, d. i. Brucherhäuschen, ferner, was später „Der Markt“ hieß, dann jenseits der Bahn das Vohwinkeler Feld und das Osterholz;
  4. Franz Paul Lutz, der 1 Morgen erwarb, reichend etwa vom heutigen Kaiserplatz, östlich der Bahnstraße bis zur Bahn;
  5. Johann Peter Elmpt, der 12 Morgen, Garten, Holz und Acker in Hasnacken kaufte;
  6. Ferdinand Ackermann, der 58 Morgen übernahm, ungefähr ab heutiger Gartenstraße über die katholische Kirche hinaus, die Friedrichstraße hinauf bis Berg- und Solingerstraße, dazu ein Stück jenseits der Bahn;
  7. die Prinz Wilhelm-Eisenbahn, die zu dem im Jahre 1845 gekauften Stück (Gutshof) noch 3 Morgen hinzunahm.
1860 bringt der Wirt Wilhelm Stöcker den von Hendrix an Ackermann übergegangenen Besitz durch Kauf an sich. Es ist nicht ohne Interesse zu erfahren, daß innerhalb dieses Teiles die Katasterrolle und Karte eine Holzung von 2 Morgen Größe verzeichnet, die sicherlich dort gestanden hat, wo heute die Ehlenbeck'sche Fabrik sich befindet.

Daß Vohwinkel auch für die benachbarten großen Städte schon Geltung besaß, erweist eine Annonce im Täglichen Anzeiger zu Elberfeld vom 26. April 1859, in der F. P. Lutz-Fransen, Gastwirtschaft und Restaurant in Vohwinkel für tour de plaisir (Land parthieen) seinen oberen Saal, in dem ein Klavier aufgestellt ist, anbietet und beste Bedienung zusagt. — Die Bedeutung Vohwinkels für die Landwirtschaft erkennt man aus der Annonce desselben Tages von Wilhelm Weber zu Vohwinkel, der sein reich assortiertes Lager an ächtem peru-Guano zu billigsten Preisen anempfiehlt.

Im Besitze des Väterlichen, des alten, uralten Vohwinkels auf dem Markt blieb Hermann Wülfing. Da zerstörte 1868 ein Brand auch dies. Statt seiner erhob sich 1870 ein in Rotziegeln ausgeführter stattlicher mehrstöckiger Neubau, besonders für Wohnzwecke hergerichtet. In den unteren Räumen eröffnete Hermann Jansen sein noch heute an anderer Stella bestehendes Kolonialwarengeschäft.

Die Eisenwarenhandlung Lange wurde gleichzeitig in der Nähe der Bahn gegründet.

1894 ging der „Marktplatz“, auf dem einst das Gut Vohwinkel gestanden, in den Besitz der Gemeinde Vohwinkel (vgl.
Abschnitt 12, Wirtschaftliches) über, die am 1. Juli 1888 Landbürgermeisterei geworden war und an diesem Tag den Gesamtnamen Vohwinkel angenommen hatte, den Namen jenes Teiles, der einstmals unter den vielen übrigen Teilen wohl ein winzig kleiner gewesen war. Aber seiner Lage und seines Wachstums wegen ist ihm endlich diese Ehrung zuteil geworden.




Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

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