Geologisches.


Aus Paeckelmann-Hammacher, Geologisches Wanderbuch für den Bergischen Industriebezirk. Verlag Diesterweg, Frankfurt a. M. 1924. S. 165 ff.

Aus der 13. Wanderung. Von Vohwinkel über Dornap -
Hahnenfurth - Düssel nach Wülfrath.

(Meßtischblatt Elberfeld.)

Von der Haltestelle Bruch der Schwebebahn verfolgen wir in südlicher Richtung die Jägerstraße und finden gleich hinter den letzten Häusern links nördlich einfallende Massenkalkbänke aufgeschlossen. Etwas westlich vom Südende der Jägerstraße, vor der neuen Schule, erhalten wir einen guten Ueberblick über die Umgebung. Schauen wir nach Norden, so haben wir unmittelbar vor uns die flache Massenkalksenke; jenseits der Bergisch-Märkischen Eisenbahn steigt das Gelände allmählich zu einem flachen, westöstlich streichenden Höhenzuge an, der vor uns zunächst mit Häusern, weiter westlich aber mit Wald bestanden ist. Gerade nördlich von uns, etwa längs einer Linie, die durch den Fabrikschornstein und den Westrand eines dahinter liegenden kleinen Gehölzes bezeichnet ist, erreicht dieser Höhenzug seine östliche Grenze, oder vielmehr seine südliche Böschung springt östlich dieser Linie stark nach Norden zurück. Dieser Rücken, der sich etwa von Gruiten bis Saurenhaus nördlich von Sonnborn erstreckt und im Norden wie auch im Süden von Massenkalk begleitet ist, wird von Flinzschiefern des Unteren Oberdevons gebildet, die hier grabenartig in das Liegende, den mitteldevonischen Massenkalk eingesunken sind. Dieser sogenannte Osterholzgraben, der aber landschaftlich als Rücken hervortritt, ist wieder durch zahlreiche Querverwerfungen zerstückelt. So springt östlich der oben erwähnten nordsüdlich streichenden Linie der Massenkalk um etwa 1 km weit nach Norden vor und verschmälert den Flinzschiefergraben auf etwa 1/3 seiner größten Breite. Diese bedeutende (Nathrather) Querstörung werden wir an der Bahnlinie Vohwinkel-Varresbeck aufgeschlossen finden. Unmittelbar südlich von unserem Standort erkennen wir den Steilabfall der Lenneschieferhochfläche zur Massenkalksenke. Die Grenze ist von hier bis Hammerstein (vgl. Wanderung 11) ungestört; weiter westlich wird sie aber durch eine Längsverwerfung bezeichnet, die aus den Unteren Honseler Schichten von Hammerstein herüberstreicht und bei Vohwinkel bereits Brandenberg Schichten gegen Massenkalk verwirft. Die Massenkalk- Lenneschiefer-Grenze ist durch Querstörungen zerstückelt; was sich in ihrem bald nördlich vor-, bald wieder südlich zurückspringenden Verlauf deutlich im Gelände ausprägt.

Am Südende der Jägerstraße finden wir nun eine alte Sandgrube, die heute als Kippe benutzt wird. Diese gelben und weißen Sande (Vohwinkeler Stubensande) bedecken in der Nachbarschaft von Vohwinkel in größerer oder geringerer Mächtigkeit erhebliche Teile der Massenkalkscholle zwischen Flinzschiefern und Brandenberg Schichten. Wie eingeschlossene Braunkohlenlager im Stadtgebiet von Vohwinkel beweisen, haben diese Sande miözänes (vermutlich mittelmiözänes) Alter, ebenso wie die ähnlichen Bildungen bei Berghausen nördlich Schwelm. Da die Holzmassen, aus denen sich die Braunkohle gebildet hat, nicht an Ort und Stelle gewachsen, sondern zusammengeschwemmt (allochton) sind, so wechselt die Mächtigkeit des Lagers sehr stark, wodurch sein Abbau erschwert wird. Hier wie bei Berghausen ist das Auftreten des Tertiärs eng mit dem Vorhandensein der Ennepestörungen verknüpft. Da auch in der Südwand unserer Sandgrube weiß gebleichte Grauwacken der Lenneschiefer anstehen (Tertiär in situ), so ist anzunehmen, daß die tertiäre Verwitterungsdecke ursprünglich über der ganzen Landschaft gelegen hat, daß sie aber nur auf der abgesunkenen Massenkalkscholle erhalten geblieben ist, während sie sonst allenthalben fort und teilweise wohl in die Massenkalksenke hineingespült wurde. Dieser Zusammenhang mit dem Vorkommen des Tertiärs an beiden Fundstellen läßt vermuten, daß auf den Spalten der Ennepestörung, die in ihrer ersten Anlage wahrscheinlich schon bald nach der Auffaltung des Varistischen Gebirges entstanden sind, noch in jungtertiärer Zeit (jedenfalls noch nach Ablagerung der miozänen Sande) Schollenbewegungen stattgefunden haben.

Wir wandern nun die Jägerstraße zurück zur Schwebebahn, folgen dieser einige Schritte abwärts (Richtung Elberfeld), biegen links in die Grünstraße, von dieser rechts in die Rosenstraße und dann wieder links in die Blumenstraße ein. Am Eingang in die letzte stehen nördlich einfallende Dolomitbänke mit reichlich Arnphipora rarnosa an. Vor der Fabrik wenden wir uns links und überschreiten die beiden großen Eisenbahnbrücken. Von der zweiten Brücke bietet sich ein schöner Rückblick auf die Lenneschieferhöhen und auf das Wuppertal unterhalb Sonnborn mit mehreren übereinanderliegenden, deutlich sichtbaren Terrassen (besonders am östlichen Hang). Bei dem ersten Hause, das rechts im Garten liegt, gehen wir den kleinen Gartenweg links ab, der uns in wenigen Schritten zum Eisenbahneinschnitt führt. Hier sehen wir an der Nathrather Störung rechts die infolge der (durch die Verwerfung begünstigten) Wasserzirkulation zersetzten Flinzschiefer des Osterholzgrabens und links die dolomitisierten Massenkalkbänke im Schichtenstreichen unmittelbar aneinander stoßen.

Wir kehren auf die Straße zurück und folgen dieser unter Vermeidung von Seitenwegen. Hinter den nächsten Häusern, wo der Weg ansteigt, sind die Flinzschiefer aufgeschlossen. Es sind hier, wie auch an anderen Stellen, graue bis schwarze, kalkhaltige, sehr uneben spaltende Tonschiefer, die unter dem Einfluß der Verwitterung in der Regel in kleine, griffelförmige, gelblich gefärbte Bröckchen zerfallen. Der griffelige Zerfall ergibt sich aus dem Vorhandensein von drei Gruppen von Ablösungsflächen, von denen die eine flach nördlich, die zweite steil südlich einfällt, während die dritte senkrecht auf den beiden ersten steht und nordsüdlich streicht. Welche von diesen Flächen die Schichtflächen sind, ist häufig schwer zu ermitteln, wenn dem Auge nicht ein gelegentlich eingelagertes Kalkbänkchen oder eine Streifung im Schiefer zur Hilfe kommt. Solche, hier flach nördlich einfallende Streifung finden wir z. B. im rechten Gehänge kurz vor dem letzten Heckenbusch. Da die Flinzschiefer des Osterholzgrabens starke Spezialfaltung zeigen, so wechselt das Einfallen oft. Eigentümlich ist die häufig auftretende kugelschalige Verwitterung des im frischen Zustande dickbankig erscheinenden Gesteins. Von den Kluftflächen, die die Gesteinsmasse in größere oder kleinere, annähernd würfelförmige Stücke zerlegen, dringt das Wasser in das Innere der Würfel ein und ruft jene schalige Verwitterungserscheinung hervor. Bei der Fortsetzung unseres Weges gelangen wir auf die Landstraße Vohwinkel-Aprath, folgen dieser einige Schritte links und biegen in die erste Seitenstraße rechts, die Nordstraße, ein. Bei dem kleinen, grau angestrichenen Hause gehen wir rechts hinunter zum Tunnelausgang der Rheinischen Bahn und dann auf der nördlichen Seite des Eisenbahneinschnitts entlang, der die flach gefallenen Flinzschiefer ziemlich tief angeschnitten hat. Im Süden begrenzt die bewaldete Höhe des Osterholzes den Gesichtskreis. Dort, wo die Rheinische Bahn von der Linie Vohwinkel-Aprath gekreuzt wird, stehen gerade bei der Unterführung Flinzschiefer an, die hier ausnahmsweise eine kleine Fauna (Atrypa reticularis, Chonetes nana u. a.) enthalten. Wir verfolgen unseren Weg in der alten Richtung parallel der Rheinischen Bahn weiter. Am Westende des Oertchens Holthausen stehen rechts am Wege stark kalkige Flinzschiefer an, die in großer Zahl Crinoidenstielglieder und Favositiden (Striatopora cristata) enthalten. Vielleicht handelt es sich um ein mit seinen letzten Ausläufern an die Oberfläche heranreichendes Korallenriff der Iberger Fazies des Unteren Oberdevons, da ähnliche fossilreiche Mergel in der Dornaper Gegend mehrfach mit dem Iberger Kalk verzahnt auftreten. Einige Schritte weiter, auf der Westseite der Esche, die hier hart am Wege steht, finden wir wieder Massenkalk aufgeschlossen, der sich durch Querschnitte von Cyathophyllum dianthus als Schwelmer Kalk ausweist, außerdem noch reichlich Striatopora cristata enthält. Wir stehen hier an der nördlichen Randverwerfung des Osterholzgrabens, an der die Flinzschiefer abgesunken sind. Da hier unser Weg nach Nordwesten umbiegt, bleiben wir im Gebiet des Massenkalkes, der hier in der Gegend von Dornap in zahlreichen gewaltigen Steinbrüchen abgebaut wird. ....




Geschichte der
Stadt Vohwinkel


Zum Geleit
Inhalt
Vorwort
Geologisches

1. Aus alten Zeiten
2. Das Gut Vohwinkel
3. Um 1800
4. Eisenbahn
5. Post
6. Sitz der Staatsbehörden
7. Bildungsanstalten.
     Volksschulen
     Höhere Schulen
     Anhang
8. Kirchliche Gemeinden
     evangelische Kirchengemeinde
     katholische Kirchengemeinde
     übrige kirchliche Gemeinden
9. Landbürgermeisterei
10. Presse
11. Verkehr
12. Kommunaler Aufstieg
13. Der I. Weltkrieg
     Der Weltkrieg
     Zeit des Umsturzes
     Nachkriegszeit
     Der Rote Putsch
14. Stadtgemeinde
     Sondernöte
     Sonderaufgaben

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